Coronavirus: E-Commerce bricht im März um fast 20 Prozent ein

Lebensmittel, Drogerieartikel und Medikamente verzeichnen Zuwachs.

Laut bevh sind im März vor allem bei Bekleidung und Elektronik die E-Commerce-Umsätze stark eingebrochen. (Symbolbild: Rawpixel/AdobeStock)
Laut bevh sind im März vor allem bei Bekleidung und Elektronik die E-Commerce-Umsätze stark eingebrochen. (Symbolbild: Rawpixel/AdobeStock)
Sandra Lehmann

Die Coronavirus-Pandemie hat nun auch Auswirkungen auf den Onlinehandel. Das teilt der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e.V. (bevh) in einer Pressemeldung mit. Demnach gab es für den Monat März einen Einbruch des im E-Commerce erzielten Umsatzes von beinahe 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit ist laut bevh der Zuwachs, den der Onlinehandel im Januar und Februar 2020 erzielt hatte, vernichtet worden.

Rückgang bei Kleidung, Elektronik und Computern

In den beiden ersten Monaten des Jahres konnten die E-Commerce-Umsätze noch um 8,8 Prozent auf 12.856 Millionen Euro zulegen, so der Verband. Zahlreiche Kategorien zeigten sich nach jahrelangem Wachstum ungebremst mit mehr als zehn Prozent im Plus. Auch bei den großen Warengruppen Bekleidung (plus 9,5 Prozent), Unterhaltungselektronik (plus 8,9 Prozent) und Computer/Zubehör (plus 9,6 Prozent) habe es weiter eine sehr dynamische Entwicklung gegeben.

Im März ist dann der Umsatz über alle Kategorien hinweg um 18,1 Prozent eingebrochen, teilt der bevh mit. Das Bekleidungssegment stürzte sogar um mehr als 35 Prozent ab. Unterhaltungselektronik zeigte ein Minus von 20,9 Prozent, Computer und Zubehör verzeichnete trotz der Ausgaben für Homeoffice-Lösungen einen Rückgang um 22,7 Prozent.

Dramatischer Einbruch bei Dienstleistungen

Dramatische Verluste erlitten dem bevh zufolge die Dienstleistungen im E-Commerce, die insbesondere von Onlinebuchungen für Reisen, Veranstaltungen oder Flug- beziehungsweise Bus- und Bahn-Tickets geprägt sind. Sie stürzten im März allein um mehr als 75 Prozent im Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum ab. Im gesamten ersten Quartal 2020 erzielten sie mit 3.886 Millionen Euro 13,4 Prozent weniger Umsatz als 2019 (4.489 Millionen Euro).

Onlinehandel stagniert

Damit stagniert der Onlinehandel den Angaben zufolge zwischen Januar und März mit einem geringen Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2019. Das Wachstum in den ersten drei Monaten dieses Jahres habe damit deutlich unter den starken Vorjahreswerten von 11,2 Prozent gelegen. Die Kunden kauften laut bevh-Berechnungen im Onlinehandel zwischen Januar und März 2020 Waren für 16.482 Millionen Euro ein (erstes Quartal 2019: 16.244 Millionen Euro).

Allerdings, so der Verband, habe es in den Bereichen, die derzeit auch im Einzelhandel sehr gefragt sind, starke Zuwächse beim Umsatz gegeben. Im ersten Quartal 2020 lag das Wachstum in der Kategorie Lebensmittel etwa bei 28,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Bereich erwirtschaftete einen Online-Umsatz von 361 Millionen Euro (erstes Quartal 2019: 282 Millionen Euro). Allein im Monat März betrug die Steigerung 55,8 Prozent. Medikamente wurden in den ersten drei Monaten 2020 für 227 Millionen Euro (erstes Quartal 2019: 171 Millionen Euro) gekauft. Hier stieg der Umsatz im Monat März um 88,2 Prozent. Im absoluten Wachstum war diese kleine Warengruppe somit Spitzenreiter.

Drogerieartikel beliebt

Steigerungen habe es dem bevh zufolge aber auch in den Kategorien Drogerie sowie Do-it-yourself beziehungsweise dem Baumarktsegment gegeben. Das Gesamtvolumen des Warengruppen-Cluster „Täglicher Bedarf“, zu dem neben Hygieneartikeln auch Lebensmittel und Tierbedarf zählen, stieg nach Verbandsangaben online um insgesamt 17,3 Prozent mit einem Gesamtumsatz von 1.231 Millionen Euro (erstes Quartal 2019: 1.050 Millionen Euro). Allein der Umsatz bei Drogerie hat sich gegenüber dem Vorjahr um 17,2 Prozent gesteigert.

„E-Commerce ist heute ein normaler Einkaufskanal. Deshalb wirkt sich solch eine Krise in der Konsumstimmung voll auf unsere Branche aus. Die Behauptung, der E-Commerce würde pauschal als ‚Gewinner‘ aus der Corona-Pandemie hervorgehen, ist schlicht falsch“, so Gero Furchheim, Präsident des bevh und Sprecher des Vorstands der Cairo AG. „Richtig ist aber, dass die Chancen des E-Commerce für die Versorgung der Kunden und die Geschäftsmodelle des Einzelhandels neu erlebt werden.“

Zusätzlich zu den wöchentlich erhobenen Konsumenten-Informationen hat der bevh nach Eigenangaben seit Anfang März regelmäßig seine Mitglieder nach der Geschäftslage befragt. Erst in den letzten Märztagen, die in der Konsumentenbefragung nicht mehr erfasst werden konnten, zeigte sich eine Belebung der Nachfrage, die den aufgelaufenen Umsatzverlust jedoch bei weitem nicht wettmachen könne.

„Die Nachfrage zieht an, und dieses positive Signal muss auch in den stationären Handel zurückgeführt werden. Deshalb braucht es jetzt einheitliche Genehmigungen von kontaktlosem "Click & Collect" - die kontaktlose und sichere Übergabe von telefonisch oder im Internet bestellten Waren. Dieses Konzept könnte jetzt, zusätzlich zum Onlinehandel, einen Beitrag für die Versorgungssicherheit der Bevölkerung und die Existenzsicherung stationärer Ladengeschäfte leisten und muss zwingend Teil einer zukünftigen Exit-Strategie sein. Die Läden sind voll mit Waren, und Saisonartikel sind kurzfristig vom Wertverfall bedroht.“

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