Coronavirus: Deutsche Einkäufer wappnen sich

Zugleich zeigen deutsche Unternehmen dem BME zufolge Verständnis für die dramatische Situation der chinesischen Volkswirtschaft.

Der Krise im Zusammenhang mit dem Coronavirus stellen deutsche Einkäufer unterschiedliche Maßnahmen entgegen. (Foto: Sergey Nivens/Fotolia)
Der Krise im Zusammenhang mit dem Coronavirus stellen deutsche Einkäufer unterschiedliche Maßnahmen entgegen. (Foto: Sergey Nivens/Fotolia)
Therese Meitinger

Mit einem Bündel von Maßnahmen stellen sich deutsche Einkäufer, Logistikunternehmen und Supply Chain Manager aktuell gegen die negativen Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie in China auf. Das geht aus einer Mitteilung des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) vom 24. Februar hervor. In vielen der betroffenen Unternehmen werden demnach Task-Force-Einheiten gebildet, die mögliche Störungen der Lieferketten schnell aufspüren und zeitnah beheben sollen.

„Einige Unternehmen berichteten uns, dass sie gemeinsam mit ihren chinesischen Lieferanten bestehende oder drohende Lieferengpässe in der Volksrepublik identifizieren und geeignete Notfallpläne entwickeln“, sagte der China-Beauftragte des BME, Riccardo Kurto, am 24. Februar in Eschborn.

Dazu gehöre auch die genaue Analyse des Ausmaßes und der möglichen Dauer der Epidemie. Sie prüften zudem, wie lange auf ausbleibende oder sich verzögernde Sendungen von Rohstoffen und Produktionsmaterial ohne größere finanzielle Einbußen gewartet werden könne. Als weiteres To Do nennt der China-Beauftragte die Prüfung alternativer Verkehrsträger, um Transportausfällen oder -verzögerungen rechtzeitig entgegenzuwirken.

Alternative Lieferquellen gesucht

Der BME hat nach Eigenausgaben aus seinem Mitgliedernetzwerk in China erfahren, dass derzeit alternative Lieferquellen in anderen Teilen der Welt erschlossen werden. Dazu stünden die Firmen in engem Kontakt mit ihrer chinesischen Zuliefererbasis. Geschäftspartner des BME „erzählten uns, dass ihre Lagerbestände mittlerweile einen kritischen Punkt erreichen. Deshalb ordern sie fehlendes Produktionsmaterial vereinzelt von alternativen Lieferanten außerhalb Chinas – so beispielsweise von Zulieferbetrieben aus Europa“, erläuterte Kurto. Dieser Lösungsweg hat ihm zufolge jedoch nicht zu unterschätzende Auswirkungen auf Logistik und Lieferkette der Auftraggeber, die es zu berücksichtigen gelte.

Dem BME zufolge bestätigten mehrere deutsche Industrieunternehmen, dass ihre Geschäftsaktivitäten in China durch die Coronavirus-Epidemie – wenn nicht massiv, so zumindest empfindlich – gestört seien. Bereits geschlossene Fabriken würden aufgrund der Quarantänebestimmungen nur sehr langsam wieder hochgefahren – und das auch nur mit begrenzter Mannschaft. Die meisten Lieferanten arbeiteten nicht mit voller Kapazität. Daher müssten die Produktionszahlen gesenkt werden. Einzelne Firmen teilten nach BME-Angaben mit, sie könnten kein Personal zur Durchführung von Freigabeinspektionen schicken, was die Lieferungen nach Europa weiter verzögere.

Manche Unternehmen hielten demnach die zur Produktion benötigten industriellen Rohstoffe in größeren Mengen auf Lager. Ob es demnächst zu gravierenden Versorgungsengpässen beim Nachschub komme, hänge von der Dauer der Epidemie ab. In jedem Fall wird diese Situation nach Ansicht des BME dazu führen, dass Unternehmen sowohl Ihre Lieferantenstruktur als auch das Bestandsmanagement der für die Produktion notwendigen Rohstoffe und Komponenten einer grundlegenden Analyse für die Zukunft unterziehen werden.

Kurto betonte, dass sowohl das Verständnis der deutschen und europäischen Unternehmen für die dramatische Situation in der größten Volkswirtschaft der Welt als auch deren Solidarität mit dem chinesischen Volk sehr groß sei.

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