Coronapandemie: Rezyklatmarkt flächendeckend eingebrochen

Umfrage des BDE zeigt starken Nachfragerückgang nach Kunststoffrezyklaten.

Rezyklate, also Kunststoffe aus wiederaufbereitetem Material, sind in der Coronakrise durch niedrige Preise für Primärkunststoff weniger gefragt. Das ergab eine Blitzumfrage des BDE. (Symbolbild: itestro/Adobe Stock)
Rezyklate, also Kunststoffe aus wiederaufbereitetem Material, sind in der Coronakrise durch niedrige Preise für Primärkunststoff weniger gefragt. Das ergab eine Blitzumfrage des BDE. (Symbolbild: itestro/Adobe Stock)
Sandra Lehmann

Die Nachfrage nach Kunststoffrezyklaten ist im Zuge der Corona-Krise deutlich eingebrochen. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) e.V. unter den Mitgliedsunternehmen. Demnach liegt der Rückgang beim Rezyklateinsatz über alle Kunststoffarten hinweg bei durchschnittlich 41 Prozent.

Preisverfall beim Rohöl

Als Ursache für diesen Einbruch sehen die Unternehmen die aktuell niedrigen Preise für Primärkunststoffe, die sich durch den coronabedingten Preisverfall beim Rohöl noch verschärft hätten. Als weiteren Grund geben die befragten Firmen einen konjunkturbedingten Nachfragerückgang an. Die Nachfragerückgänge reichen nach BDE-Angaben dabei von Werten um 15 Prozent bis zu Spitzenwerten um 90 Prozent in einzelnen Bereichen, was einem Teilzusammenbruch des Absatzmarktes gleichkomme.

PVC am stärksten bestroffen

Mit einem Absatzrückgang von rund 53 Prozent sei PVC die am stärksten betroffene Kunststoffart, gefolgt von PET mit minus 45 Prozent, Folien mit minus 41 Prozent, Mischkunststoffe und MPO-Fraktionen mit minus 38 Prozent und PE/PP mit minus 30 Prozent.

Der größte Einbruch ist laut dem Verband im Segment Fahrzeugbau und Elektronik zu verzeichnen, wo die Nachfrage im Durchschnitt um 60 Prozent vereinzelt sogar um bis zu 80 Prozent zurückgegangen sei. In den Bereichen Gartenbau und Landwirtschaft reduzierte sich die Nachfrage nach Rezyklaten um 35 Prozent, so der BDE. In der Bauwirtschaft läge dieser Wert bei 33 Prozent. Bei den Verpackungsherstellern sei die Rezyklatnachfrage um 30 Prozent zurückgegangen.

„Der BDE betrachtet die Entwicklung mit großer Sorge, weil durch die aktuelle Krise die Gefahr besteht, dass nicht nur der angedachte Ausbau der Rezyklatmärkte ausgebremst wird, sondern sogar das bisher Erreichte in Frage steht. Umso wichtiger ist es daher, dass die Politik jetzt sehr schnell Instrumente bereitstellt, um die Rezyklatmärkte zu stützen. Dabei sind grundsätzlich alle Maßnahmen, von der öffentlichen Beschaffung über Einsatzquoten oder sogar steuerliche Maßnahmen willkommen. Entscheidend ist, dass Rahmenbedingungen entstehen, die auch tatsächlich in einer relevanten Größenordnung eine Lenkungswirkung von der Neuware zum Rezyklat entfalten“, so BDE-Geschäftsführer Dr. Andreas Bruckschen.

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