Coronakrise: Telekom erkundet Digitalisierungspotenzial

 Statt der 2020 ausgesetzten Hannover Messe setzte die Telekom auf ein digitales Event.

Wird die Coronakrise zum Digitalisierungstreiber? Das fragte die Telekom im Rahmen ihrer digitalen Veranstaltung. (Foto: Telekom)
Wird die Coronakrise zum Digitalisierungstreiber? Das fragte die Telekom im Rahmen ihrer digitalen Veranstaltung. (Foto: Telekom)
Therese Meitinger

Am 20. April – dem geplanten Eröffnungstag der Hannover Messe 2020 – hatte die Telekom zum digitalen Event „Accelerate Digital Now“ eingeladen. Die Veranstaltung sollte den Messeauftritt der Telekom und ihrer Geschäftskundensparte T-Systems ersetzen: Aus der geplanten Pressekonferenz wurde demnach ein öffentlich zugänglicher Livestream, aus den Exponaten wurden Infopakete im Internet. Die Videos und Dokumente sollen nach Unternehmensangaben online drei Wochen zur Verfügung stehen.

Über die aktuelle Situation und ihre Auswirkungen auf die Digitalisierung der Industrie sagte Adel Al-Saleh, Vorstand und CEO T-Systems:

„In der Krise ging es zunächst darum, das Geschäft am Laufen zu halten. Jetzt arbeiten Unternehmen daran, Kosten zu senken, die Effizienz zu erhöhen und die finanzielle Lage zu stabilisieren. Dabei spielt Digitalisierung eine entscheidende Rolle. Wir müssen die Digitalisierung systematisch und noch schneller einsetzen, um den langfristigen Geschäftserfolg zu sichern.“

Dieses Drei-Phasen-Modell zur langfristigen Bewältigung stellte Al-Saleh an den Beginn mehrerer Interviewsequenzen, in denen Kunden und Kooperationspartner von T-Systems über ihre Erfahrungen mit der Coronakrise berichteten und verschiedene Aspekte deren Digitalisierungspotenzials beleuchteten. So beschrieb Pat Gelsinger, CEO des IT-Anbieters VMware, etwa wie die Notwendigkeit, tausende Mitarbeiter im Home Office anzubinden, Unternehmen offener für Cloud-Lösungen mache. Jan Mrosik, COO Digital Industries bei Siemens, beschäftigte sich mit der Flexibilisierung von Produktionsprozessen durch das Konzept des Digitalen Zwillings.

Wie sich das Experimentieren im Labor in den Rechner verlegen lässt, beschrieb Christoph Wegner, CDO von BASF. Arun Bansal, President Europe & Latin America bei Ericsson, gelangte bei der Frage, ob sich im Zuge der Covid-19-Pandemie der Aufbau der 5G-Infrastruktur beschleunigen oder verlangsamen werde, zu keiner eindeutigen Antwort: In einigen Teilen der Welt, wie etwa den USA oder China, werde die Krise als Treiber für den Ausbau wirken, in anderen hingegen nicht, so Bansal. Jan Brecht, CIO von Daimler, erläuterte hingegen, wie sich die im Automotive-Sektor traditionell hohe Abhängigkeit von Betriebsmitteln durch eine verbesserte Datenauswertung reduzieren lässt.

Neue Lösungen für IoT und Edge Computing

Die Telekom selbst präsentierte zum digitalen Event neue Lösungen: Der „IoT Solution Builder“ soll nach Firmenangaben Unternehmen in die Lage versetzen, „ihr“ Internet der Dinge selbst aufzubauen. Der Online-Konfigurator verstehe sich als der Baukasten dafür: von der Plattform über Hardware und Konnektivität, Data Management bis zu den Services, so die Telekom. Alle Komponenten seien miteinander kombinierbar. Kunden können damit nach Anbieterangaben aber auch bereits bestehende Anwendungen erweitern und Zugang zu mehr als 10.000 Sensoren erhalten.

Weitere Möglichkeiten soll künftig das nach Unternehmensangaben weltweit erste offene Netzwerk für das Internet der Dinge bieten. Der neue Branchentreff der Telekom soll alle Akteure aus der IoT-Welt zusammenbringen. Neben den Angeboten des Anbieters könne der Kunde aus dem Portfolio von Partnern und Drittanbietern wählen, so die Telekom. Dank offener Schnittstellen könnten künftig unterschiedliche IoT-Ökosysteme untereinander kommunizieren. Noch im zweiten Quartal will die Telekom mit den eigenen IoT-Diensten an den Start gehen.

T-Systems hat nach Firmenangaben eine Lösung zur Analyse weltweit verteilter Daten entwickelt. Damit soll die Tatsache adressiert werden, dass immer mehr vernetzte Maschinen und Produkte Informationen produzieren. Wegen der schieren Menge und der dafür benötigten Bandbreite sei das Übertragen der Daten in ein zentrales Rechenzentrum aufwändig und teuer, argumentiert das Unternehmen. Deshalb werte die neue Lösung „Big Data & Global Edge Analytics“ Massendaten vor Ort aus.

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