Coronakrise: Mit diesen SCM-Strategien reagieren Unternehmen

Eine Umfrage untersucht akute Maßnahmen, mit denen Firmen die Krise bewältigen wollen.

Laut einer Umfrage gehen neun von zehn SCM-Entscheidern davon aus, dass Einkauf und Lieferketten nach der Coronakrise anders aussehen werden als davor. (Foto: Shawn / Hempel)
Laut einer Umfrage gehen neun von zehn SCM-Entscheidern davon aus, dass Einkauf und Lieferketten nach der Coronakrise anders aussehen werden als davor. (Foto: Shawn / Hempel)
Therese Meitinger

Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen hat bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Geschäftstätigkeit aufrecht zu erhalten. Das geht aus einer Umfrage der auf Einkauf und Supply Chain Management spezialisierten Unternehmensberatung Inverto hervor, die am 19. April veröffentlicht wurde. Neun von zehn der über 100 befragen Entscheider gehen demnach davon aus, dass Risikomanagement und Lieferketten nach der Coronakrise anders aussehen als bisher.

Inverto hat dazu nach Eigenangaben in der letzten Märzwoche 102 Teilnehmer aus 23 Branchen in 14 Ländern nach Umsatzentwicklung, Maßnahmen und Herausforderungen im Umgang mit der Coronakrise gefragt. Die Mehrheit der Befragten (66 Prozent) stammt demnach aus Deutschland, weitere Ansprechpartner stammen aus Österreich, Großbritannien, der Schweiz und den USA.

Insgesamt geben die Ergebnisse der Studie Inverto zufolge einen Einblick, wie massiv die Unternehmen quer durch alle Branchen von der Pandemie betroffen sind: So geben 86 Prozent der Befragten an, dass sie in ihren Lieferketten bereits Engpässe wahrnehmen. Künftig erwarten sie noch eine Verschärfung der Situation. Spüren zurzeit noch 38 Prozent nur geringe Auswirkungen, so erwarten dies für die Zukunft nur noch 17 Prozent. Lediglich jeder zehnte Teilnehmer geht davon aus, dass die eigene Lieferkette nicht beeinträchtigt wird.

Die Umsatzentwicklung fällt der Umfrage zufolge bei den beteiligten Unternehmen je nach Branchenzugehörigkeit unterschiedlich aus. Während alle Befragten aus dem Automobilsektor sagen, dass sie einen Einbruch von mindestens zehn Prozent verzeichnen, bestätigt dies im Maschinenbau nur jeder Zweite, während die restlichen Befragten keine eindeutigen Auswirkungen erwarten. Stark gespalten sind die Teilnehmer aus dem Handel: Zwei Drittel von ihnen befürchten eine Umsatzminderung von über zehn Prozent, während das restliche Drittel eine Umsatzsteigerung von mindestens zehn Prozent erreicht. Gespalten ist interessanterweise auch der Pharmasektor: Nur 20 Prozent aus dieser Branche rechnen mit Umsatzsteigerungen, während je 40 Prozent keine Auswirkungen oder gar eine Umsatzsenkung erwarten.

Sofortmaßnahmen in fast allen Unternehmen

Fast 90 Prozent der Beteiligten haben der Umfrage zufolge Maßnahmen ergriffen oder zumindest geplant, um das Unternehmen krisenfest zu machen. Hierzu zählen zum Beispiel die Einrichtung von Kontrollgremien zur täglichen Bewertung und Steuerung von Versorgungsrisiken (75 Prozent), die Auswahl neuer Lieferanten (86 Prozent), die Reduzierung aller kurz- und mittelfristigen Investitionen (83 Prozent) sowie ein striktes Cash Management zur Erhaltung der Liquidität (78 Prozent).

Zwei wesentliche Hindernisse nehmen die Befragten Inverto zufolge dabei als problematisch wahr: 88 Prozent monieren einen Mangel an Informationen angesichts sich schnell ändernder Bedingungen, während 47 Prozent mangelnde Transparenz in der Lieferkette beanstanden. Ferner wirken sich Reisebeschränkungen und andere politische Maßnahmen sowie Zielkonflikte bei der Priorisierung negativ auf die Entwicklung von Lösungskonzepten aus.

Ganzheitliches Herangehen gefordert

Die Aktivitäten der Umfrageteilnehmer lassen sich den Handlungsfeldern „Liquidität“, „Widerstandsfähigkeit des Business“ sowie „Stabilität der Lieferkette“ zuordnen. Knapp zwei Drittel der Befragten konzentrieren sich dabei Inverto zufolge nicht auf ein Handlungsfeld, sondern haben in allen drei Bereichen Aktivitäten gestartet.

Thibault Pucken, Geschäftsführer von Inverto und verantwortlich für die Studie, hält dies für notwendig:

„Liquiditätserhöhung, Kostensenkung und Lieferkettenstabilisierung sollten ganzheitlich angegangen werden, denn isoliert erbringen sie nicht die erwünschten Effekte.“

Zu der Zeit nach der Krise befragt, planen der Umfrage zufolge fast alle Teilnehmer Änderungen in ihrer bisherigen Einkaufsstrategie: 46 Prozent der Befragten wollen sich demnach künftig besser auf Krisenszenarien vorbereiten, während 42 Prozent lokale Lieferanten in ihre Lieferketten integrieren werden. 36% der Befragten planen, die Transparenz in ihren Supply Chains – auch mithilfe von technischen Mitteln – zu erhöhen, während 35 Prozent enger und partnerschaftlicher mit ihren Lieferanten zusammenarbeiten wollen. Lediglich zwölf Prozent gehen davon aus, dass sie nach der Pandemie weiterarbeiten wie zuvor.

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