Coronakrise: Europäische Lieferketten erholen sich

Eine tagesaktuelle Karte gibt Aufschluss über die Transportaktivitäten von 3.000 Fabriken und Warenlagern in ganz Europa.

Die aktuelle Entwicklung der Transportaktivitäten lässt sich über eine tagesaktuelle Karte verfolgen. (Foto: Screenshot / Shippeo)
Die aktuelle Entwicklung der Transportaktivitäten lässt sich über eine tagesaktuelle Karte verfolgen. (Foto: Screenshot / Shippeo)
Therese Meitinger

Der Druck, unter dem die Lieferketten europäischer Unternehmen im Rahmen der Coronakrise zuletzt standen, scheint langsam nachzulassen. Zumindest weisen laut einer Mitteilung vom 5. Mai die Transportdaten des auf ETA-Anwendungen spezialisierten Plattformanbieters Shippeo auf eine Entspannung entlang der Supply Chains verschiedener Branchen hin. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Paris analysierte nach Eigenangaben die Daten der eigenen Plattform auf eine Entwicklung nach dem Inkrafttreten von Lockdown-Maßnahmen. Shippeo zufolge ist die Plattform europaweit an 500 Telematiksysteme von Transporteuren und Verladern sowie an über 140.000 Spediteure angebunden.

  • Brach der Bereich „Bau und Baumaterialien“ den Shippeo-Daten zufolge kurz nach dem Lockdown auf vier Prozent im Vergleich zu den Werten vor dem Lockdown ein, lässt hier in den letzten drei Wochen eine Steigerung auf 23 Prozent beobachten. Der IT-Anbieter führt dies auf die Wiederaufnahme erster Bauprojekte zurück, die durch neue Abstands- und Sicherheitsprotokolle ermöglicht wurden.
  • Die Transportaktivität im Bereich „Maschinen, Ausrüstung und Technik“ ist laut Shippeo wieder auf 35 Prozent gestiegen, da Rohmaterial und Ersatzteile teilweise wieder verfügbar sind.
  • Stark beeinträchtigt durch die erzwungene Schließung von Läden und Verkaufsstellen sei auch der Non-Food-Einzelhandel gewesen, so der Plattformanbieter. Initiativen und Aktionen, die es den Kunden ermöglichen, online einzukaufen und Artikel sicher in den Geschäften abzuholen, hätten aber dazu geführt, dass der Transport von Gütern in diesem Segment wieder auf 22 Prozent angestiegen sei.
  • Den stärksten Einbruch durch die Covid-19-Pandemie hat der Automobil- und Transportsektor erlebt, argumentiert Shippeo. So wurden eine Vielzahl von Werken und Produktionslinien stillgelegt. Außerdem fehlt es an Bauteilen, die oftmals in Asien hergestellt werden. Trotz Lockerungen ist es besonders die komplexe Natur der Just-in-time-Produktion, die es der Branche schwer macht, wieder in die Gänge zu kommen. So liegt die Transportaktivität innerhalb der weiter niedrig bei fünf Prozent gegenüber Vor-Lockdown-Wert.
  • Wenig beeinflusst von der Coronakrise zeigt sich der Nahrungsmittelsektor. Hier operieren die Transporteure Shippeo zufolge derzeit auf 101 Prozent des normalen Niveaus. Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte sind während des Lockdowns geöffnet geblieben. So hätten die Einzelhändler ihre Betriebsabläufe schnell anpassen können, um die Sicherheit des Personals und der Kunden während des Einkaufs zu gewährleisten, so das IT-Unternehmen. Auch profitiere der Sektor durch eine generell gestiegene Nachfrage seit Beginn der Krise.

Den Grund für die verhalten-positive Entwicklung in den einzelnen Bereichen sieht Shippeo in ersten Lockerungsmaßnahmen in den einzelnen Ländern. Allein in der letzten Woche sei die durchschnittliche Lieferkettenaktivität in allen Sektoren von 30 Prozent auf 38 Prozent gestiegen. Die Weichen für eine – wenn auch nur langsame – Erholung seien also gestellt; bis zu einer Normalisierung werde es aber noch dauern.

Aktuelle Karte zur Lieferkettenaktivität in Europa

 Shippeo stellt zudem eine Karte zur Verfügung, die aufzeigt, wie sich die Supply Chains in Europa erholen. Die Aktivität von mehr als 3.000 Fabriken und Warenlager in ganz Europa ist dort nach Unternehmensangaben verzeichnet. Der IT-Anbieter aktualisiert die Karte täglich, sodass die Daten dort stets aktuell sind.

 Die Karte finden Sie hier: https://livesupplychain.shippeo.com/#/

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