Coronakrise: E-Commerce wächst im ersten Halbjahr 2020 deutlich

Die Zahlen der BEVH-Verbraucherstudie deuten auch auf eine langfristige Veränderung des Konsumverhaltens im Nachgang der Pandemie hin.

Um 35,7 Prozent stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2020 bei Artikeln des täglichen Bedarfs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. (Foto: Stockpics, Fotolia)
Um 35,7 Prozent stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2020 bei Artikeln des täglichen Bedarfs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. (Foto: Stockpics, Fotolia)
Therese Meitinger

Nach einem Einbruch im ersten Quartal ist der deutsche E-Commerce im zweiten Quartal überdurchschnittlich gewachsen. Das besagt eine Verbraucherstudie, die der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) am 5. Juli veröffentlichte. Für das zweite Quartal 2020 macht die Studie ein E-Commerce-Wachstum von 16,5 Prozent aus, nach einer coronabedingten Stagnation von 1,5 Prozent im ersten Quartal 2020. Mit einem Plus von 51,2 Prozent im zweiten Quartal und 35,7 Prozent im ersten Halbjahr 2020 sind dem BEVH zufolge die Waren des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Tierbedarf, Medikamente oder Drogerie am stärksten gewachsen.

Digitale Dienstleistungen brechen ein

Im Zeitraum April bis Juni 2020 gaben die Verbraucher demnach im Onlinehandel rund 20,22 Milliarden Euro inklusive Umsatzsteuer aus. Im zweiten Quartal 2019 waren es noch 17,36 Milliarden Euro gewesen. (Alle im Folgenden genannten Umsatzsatzzahlen beinhalten die Umsatzsteuer.) Im gesamten ersten Halbjahr summierten sich die Erlöse nach Verbandsangaben auf rund 36,71 Milliarden Euro – und damit 9,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (33,61 Milliarden Euro). Die digitalen Dienstleistungen wie etwa elektronische Tickets, Downloads oder Hotelbuchungen verzeichnen im zweiten Quartal 2020 demnach einen Umsatz von nur noch rund 1,36 Milliarden Euro – und damit einen Einbruch um 71,6 Prozent. Hier zeigten sich die Auswirkungen des Lockdowns auf Reisen und kulturelle Events auch im E-Commerce in voller Härte, argumentiert der BEVH.

„E-Commerce hat sich im zweiten Quartal nachhaltig als zusätzliche Versorgungsinfrastruktur etabliert“, fasst BEVH-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer zusammen. „Das zeigt sich nicht nur an den absoluten Zahlen, sondern auch am erklärten Willen der Konsumenten, auch künftig mindestens so viele, wenn nicht mehr Güter des täglichen Bedarfs und Medikamente online zu kaufen.“

Konsumenten wollen durch Coronakrise mehr online ordern

In einer Zusatzbefragung unter rund 2.500 Konsumenten gab gut jeder Zweite der Befragten (53,6 Prozent) an, dass er aufgrund der Erfahrungen in der Coronakrise künftig mehr online bestellen werde. Konkret nach Warengruppen gefragt, gaben 21,6 Prozent der Befragten an, mehr Lebensmittel online bestellen zu wollen; nur 11,6 Prozent gaben an, ihre Onlineausgaben hier reduzieren zu wollen. Auch im Hinblick auf Medikamente, Drogerieprodukte und Tierbedarf äußerten dem BEVH zufolge deutlich mehr Befragte die Absicht, ihre Onlineeinkäufe künftig zu steigern als sie zu verringern. Abseits der Waren des täglichen Bedarfs wollen die Konsumenten hauptsächlich bei Bekleidung und gedruckten oder elektronischen Büchern künftig eher mehr Geld im Internet ausgeben als weniger.

Von den höheren Umsätzen im Internet hätten insbesondere die Internet Pure Player mit einem Wachstum von 13,3 Prozent im ersten Halbjahr und 20,8 Prozent allein im zweiten Quartal 2020 profitiert, analysiert der Verband. Die Umsätze auf Online-Marktplätzen wuchsen der Erhebung zufolge im gleichen Zeitraum um 19,1 Prozent (Quartal) beziehungsweise 12,1 Prozent (Halbjahr). Die Onlineumsätze der stationären Händler konnten demgegenüber im zweiten Quartal mit 4,7 Prozent nur unterdurchschnittlich am Wachstum partizipieren; auf das Halbjahr bezogen verloren sie sogar 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

„Auch wenn diese Zahlen ernüchtern, haben viele stationäre Händler in der Krise erstmals konsequent mit dem Onlinehandel begonnen. Dadurch wachsen die Chancen, dass Multichannel-Anbieter künftig wieder Boden gut machen“, so Christoph Wenk-Fischer.

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