Coronakrise: Container-Engpässen im Asienhandel vorbeugen

Verschiffungen vor dem chinesischen Neujahrsfest im Februar 2021 zu buchen gilt bereits als fast unmöglich.

 90 Prozent des Welthandels werden über See abgewickelt und sieben der größten Seehäfen liegen in China. (Foto: Ralf Gosch / Fotolia)
90 Prozent des Welthandels werden über See abgewickelt und sieben der größten Seehäfen liegen in China. (Foto: Ralf Gosch / Fotolia)
Therese Meitinger

Die zweite Welle der Corona-Pandemie rollt und erneut stehen die weltweiten Lieferketten vor massiven Herausforderungen. Unternehmen müssen sich jetzt auf Kapazitätsengpässe einstellen, insbesondere für Lieferungen aus Asien. Das auf SCM-Lösungen spezialisierte IT-Unternehmen Remira hat dazu Tipps gesammelt, wie Unternehmen mit Engpässen bei Lieferungen aus Asien umgehen können.

Der Einfluss des Coronavirus auf die globalen Lieferketten ist nach wie vor erheblich. Unternehmen aus unterschiedlichsten Industriebereichen spüren dies bereits jetzt oder werden spätestens in den nächsten Wochen damit konfrontiert. Die Lieferkette aus Asien stehe stärker denn je auf dem Prüfstand, sagt das Dortmunder Unternehmen. 90 Prozent des Welthandels werden über See abgewickelt und sieben der größten Seehäfen liegen in China. Doch genau dort gebe es jetzt Schwierigkeiten, so Remira. Die asiatische Wirtschaft sei nach dem Corona-Schock wieder stark angelaufen, die Nachfrage ist so hoch, dass Produktionskapazitäten vielerorts vollkommen überlastet sind. Jetzt werden fehlende Frachtkapazitäten im Container-Bereich zum Problem, argumentiert der Anbieter.

US-Bestellungen fluten asiatischen Markt

Remira hat das folgende Szenario ausgemacht: Der asiatische Markt wird derzeit von Bestellungen aus Nordamerika geflutet. Aufgrund der Auswirkungen von Covid-19 auf die amerikanische Wirtschaft mit Produktionsstopps und Werksschließungen können die Rückläufe mit Gütern in Richtung Asien nicht wie geplant starten. Die Folge: Die Container sind nicht ausgelastet und müssen vorerst in Amerika verbleiben. Die gesamte globale Lieferkette gerät so ins Stocken. Die Kapazitäten für die Transporte von Asien nach Europa sinken, die Preise steigen und die Wartezeiten werden immer länger.

Verschiffungen vor dem Chinese New Year im Februar 2021 zu buchen, sei derzeit fast unmöglich, heißt es. Die aktuelle Empfehlung ist es demnach, bereits heute Waren für September 2021 zu bestellen. In dieser Lage zeige sich einmal mehr, dass Unternehmen mit einer transparenten Supply Chain deutlich schneller und flexibler auf Schwierigkeiten in der Lieferkette reagieren könnten, so der Dortmunder IT-Anbieter.

Sieben SCM-Tipps für den Asienhandel

Sieben Tipps sieht Remira für Unternehmen, die von Kapazitätsengpässen bei Lieferungen aus Asien betroffen sind:

  • Unternehmen müssen bereits jetzt Container mit Ware buchen, die erst weit im kommenden Jahr angeliefert werden. Es ist mehr denn je entscheidend, dass die dort bestellten Mengen korrekt berechnet sind. Dazu müssen sie ihre Absatzplanung professionalisieren. Empfehlenswert sind Softwaresysteme, die alle verfügbaren Marktinformationen in ihre Berechnungen mit einbeziehen.
     
  • Es ist in der aktuellen Situation unausweichlich, die Forecasts für Bestellungen mit einer spezialisierten Software zu berechnen, die alle relevanten Faktoren wie Lieferzeiten, Lieferantenkonditionen und aktuelle Markteinflüsse verlässlich in ihre Berechnungen einbezieht.
     
  • Wettbewerbsvorteile haben Unternehmen, die mit einer Supply-Chain-Lösung arbeiten, die sie bei der Auswahl der für die jeweilige Bestellung optimalen Lieferanten unterstützt.
  • Sinnvoll ist es in der aktuellen Situation, sorgsam mit den vorhandenen Container-Kapazitäten umzugehen. Es ist daher dringend empfehlenswert, Softwarelösungen einzusetzen, die eine Container-Optimierung anbieten. Damit lassen sich die Container so disponieren, dass verschiedene Bestellungen von unterschiedlichen Lieferanten in einem Container zusammengefasst werden.
     
  • Unternehmen benötigen jetzt dringend Transparenz und Verbindlichkeit in ihrer Supply Chain. Auch hier hilft die Digitalisierung: Gute Softwaretools schaffen eine kundenindividuelle Übersicht über die Bestellungen, den aktuellen Status und alle weiteren für den Eingang der Ware wichtigen Prozesse.
     
  • Die Kommunikation mit den Lieferanten und Logistikdienstleistern per E-Mail oder Excel ist langsam und durch Medienbrüche fehleranfällig. Unternehmen sollten die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen und die Kommunikation mit ihren Lieferanten auf einer gemeinsamen Plattform vernetzen. So sind auch etwaige Änderungen deutlich einfacher umsetzbar.
     
  • Die Engpässe bei den Container-Kapazitäten verzögern die gesamte Lieferung. Ein Prozess, auf den Unternehmen direkten Einfluss haben, ist der Warenannahmeprozess im eigenen Haus. Es gilt, diesen mit entsprechend spezialisierten Tools zur Kommunikation mit den Lieferanten zu beschleunigen. So kann verlorene Zeit zumindest teilweise wieder aufgeholt werden.
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