Corona-Virus: Lieferketten in Gefahr?

Akut sind vor allem Luftfracht-Kapazitäten in Passagierflugzeugen betroffen.  

Dass viele Fluggesellschaften Passagierflüge von und nach China aussetzen, wirkt sich auch auf die Beiladekapazitäten aus. (Foto: Maria, Fotolia)
Dass viele Fluggesellschaften Passagierflüge von und nach China aussetzen, wirkt sich auch auf die Beiladekapazitäten aus. (Foto: Maria, Fotolia)
Therese Meitinger

Der sich rasant ausbreitende Corona-Virus hält auch das Geschäftsfeld Logistik in Atem: Nachdem zahlreiche Fluggesellschaften bereits Ende Januar verkündeten, alle Passagierflüge von und nach China auszusetzen, stellt sich die Frage, wie sich all das auf die Luftfracht auswirkt. Drohen akute oder mittelfristige Folgen für damit verbundene Lieferketten?

„Ein großer Teil der Luftfracht auf Langstrecke wird, insbesondere von München aus, als Beifracht auf Passagierflügen befördert“, sagte etwa Sabine Lehmann, Geschäftsführerin des Landesverbands Bayerischer Spediteure (LBS), in einer Pressemitteilung.

Mit dem Wegfall dieser Kapazitäten müssen Luftfracht-Speditionen neue Wege finden, um die gebuchten Frachten zu befördern. Der LBS geht deswegen von Auswirkungen auf diverse Lieferketten aus. Es sei von einer höheren Nachfrage nach Nur-Fracht-Flügen auszugehen. „Aktuell sind am Markt allerdings noch ausreichend Kapazitäten vorhanden“, erklärte Lehmann.

Beiladekapazitäten mit Vollfrachtern ausgleichen   

Joachim von Winning, Hauptgeschäftsführer der Luftfracht-Plattform Air Cargo Community Frankfurt zeichnet für den Frankfurter Flughafen gegenüber LOGISTIK HEUTE ein differenziertes Bild:

„Wir spüren aktuell keine unmittelbaren Auswirkungen der Verbreitung des Corona-Virus auf das Frachtgeschäft“, sagt von Winning.

Die Folgen des Ausbruchs des Virus tangierten die Branche jedoch mittelbar. „Air Freight ist immer ein Indikator für Entwicklungen im Welthandel: Zum Beispiel ist wegen des Chinesischen Neujahrs die Produktion in China ohnehin aktuell gedrosselt. Es wird weniger Fracht geflogen“, bezog sich der Experte auf die Situation Ende Januar. Die Verlängerung der Feierlichkeiten durch die chinesische Regierung hielte auch die Frachtmengen weiter gering. „Ein gewisser Ausgleich ist, dass die Passage-Airlines Flüge streichen und in diesem Zug auch keine Kapazitäten für Fracht anbieten. Das können die entsprechenden Anbieter mit Vollfrachtern ausgleichen“, so von Winning weiter.

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Diese Nachfrage dürfte etwa bei der Lufthansa Cargo ankommen: „Die Passagierfluglinien der Lufthansa Group haben ihre Flüge von und nach China (Festland ohne Hongkong) bis zum 9. Februar ausgesetzt“, erklärte das Unternehmen am 31. Januar. „Entsprechend stehen die Beiladekapazitäten dieser Flüge leider nicht für Luftfracht zur Verfügung.“ Für die Frachtflugzeuge von Lufthansa Cargo wurde ein entsprechender Sonderflugplan bekannt gegeben. Lebende Tiere hingegen werden auf den Strecken von und nach China hingegen nicht mehr befördert.

Auch Qatar Airways Cargo gab bekannt, dass ab 3. Februar im Rahmen der Aussetzung aller Passagierflüge von und nach China keine Beiladekapazitäten für Luftfracht mehr zur Verfügung ständen. Der Flugplan für Frachtflugzeuge bleibe jedoch bestehen.

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