Corona-Pandemie: Logistikweise fordern Lockdown-Ausstiegsplan

Expertenrat nennt drei Kernpunkte für eine geordnete Wiederaufnahme des Geschäftslebens im Wirtschaftsbereich Logistik.

Parameter für den Ausstieg aus den wirtschaftlichen Beschränkungen müssen festgelegt werden, fordern die Logistikweisen. (Foto: Fotogestöber / Fotolia)
Parameter für den Ausstieg aus den wirtschaftlichen Beschränkungen müssen festgelegt werden, fordern die Logistikweisen. (Foto: Fotogestöber / Fotolia)
Therese Meitinger

In einem Offenen Brief hat sich der Expertenrat „Initiative zur Prognose der Entwicklung der Logistik in Deutschland“, die Logistikweisen, an die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft gewandt. Das am 2. April veröffentlichte Dokument unterstreicht die „systemrelevante Querschnittsfunktion“ der Logistik, die besonders in den aktuellen Krisenzeiten das „Rückgrat der Wirtschaft“ bilde. Um die Handlungsfähigkeit im Geschäftsfeld zu erhalten, sehen es die Logistikweisen als erforderlich an, den die gesetzlichen Rahmenbedingungen situationsgerecht und mit der gebotenen Dringlichkeit weiterzuentwickeln und zu ergänzen.

„Wir haben die große Sorge, dass es ohne eine sofortige Planung für einen Ausstieg aus den restriktiven Maßnahmen sowie für das Hochfahren der Wirtschaft zu irreparablen Schäden für die Logistikwirtschaft und auch für die Gesamtwirtschaft kommt“, heißt es in dem Offenen Brief. Drei Themenfelder greift der Expertenrat dabei besonders heraus: Gesundheitsschutz, Finanzhilfen und die Festlegung von verbindlichen Parametern für die Lockerung der wirtschaftlichen Beschränkungen.

So fordern die Logistikweisen in dem Dokument, für die Beschäftigten insbesondere in der Logistik bundesweit einheitliche Gesundheitsschutzmaßnahmen festzulegen. Die Unternehmen sollen nach Maßgabe des Gremiums durch finanzielle Hilfen bei deren Umsetzung unterstützt werden. Zudem brauche es eine konkrete Bewertung von Verhaltensmaßnahmen im täglichen Handeln und den Ausbau von Mess- und Testmöglichkeiten an neuralgischen Punkten. „Wir sind der Überzeugung, dass derartige Investitionen in wirksame Schutz- und Testmaßnahmen mindestens genauso wichtig sind wie Darlehen für die Wirtschaft“, so der Offene Brief.

„Zeitlicher Verzug wird unterschätzt“

Zugleich sprechen sich die Wirtschaftsweisen für eine Nachjustierung der bestehenden Finanzhilfen aus.  Sie befürchten, der zeitliche Verzug durch bürokratische Hürden werde unterschätzt. „Die Antragsflut führt unweigerlich zu Bearbeitungszeiten von mehreren Wochen, die viele der Unternehmen in der Logistik wirtschaftlich nicht mehr durchhalten werden“, heißt es vonseiten des Gremiums. Die kleinen bis mittelständischen Unternehmen, die den Wirtschaftsbereich prägen, weisen nach Aussage des Expertenrats häufig eine sehr niedrige Kapitalisierung auf. Dem könne die Politik mit praxisorientierten Instrumenten wie negativen Gewinnsteuern entgegenwirken.

Drittens gelte es, so schnell wie möglich Bedingungen und Parameter für die Lockerung der Beschränkungen und das schrittweise Hochfahren der Wirtschaft zu erarbeiten und zu kommunizieren, so der Expertenrat. Die Diskussion darüber sei im Kreis von Fachleuten unmittelbar zu starten. Besonderen Handlungsbedarf sieht das Gremium, da der Wirtschaftsbereich Logistik seiner Ansicht nach weitaus stärker in Mitleidenschaft gezogen werden wird, als der Sachverständigenrat es für die gesamte Wirtschaft prognostiziert. Vor diesem Hintergrund bieten die Logistikweisen der Politik einen direkten Austausch an.

Der Offene Brief der Logistikweisen ist hier zu finden: http://www.logistikweisen.de/wAssets/docs/Logistikweisen-Offener-Brief-Corona-2.4.2020.pdf

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