CONFERENCE DAYS 2024: Das Lieferkettengesetz und der Transportmarkt

In der von der Frachtenbörse Timocom initiierten Diskussionsrunde wurden Anforderungen und Herausforderungen im Umfeld des Lieferkettengesetzes und anderer Vorgaben beleuchtet.

Zu Beginn der Session konnten die Zuschauer an einer Live-Umfrage teilnehmen. (Bild: Screenshot)
Zu Beginn der Session konnten die Zuschauer an einer Live-Umfrage teilnehmen. (Bild: Screenshot)
Therese Meitinger

Einen wenig beleuchteten Aspekt eines hochaktuellen Themas stellte eine Session im Rahmen der CONFERENCE DAYS in den Fokus: „Wie genügt man Compliance-Vorgaben im Transportmarkt?“ In der von der Frachtenbörse Timocom initiierten Diskussionsrunde sprachen Björn Karaus, Leiter des Justiziariats beim DSLV Bundesverband Spedition und Logistik, und Norman Müller, Referatsleiter beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), über Anforderungen und Herausforderungen im Umfeld der Regulierung. Gunnar Gburek, Company Spokesman & Head of Business Affairs von Timocom, moderierte das Webinar und brachte Hintergrundwissen ein.

„Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, dass auch Transportmittel und -wege Teil der Lieferkette sind und damit unter das Lieferkettengesetz fallen“, erläuterte Norman Müller. Die Regulierung, die offiziell nur für Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten greift, betrifft mittelbar auch viele kleine und mittlere Anbieter im Speditionsumfeld, da von ihnen als Dienstleister der Großen ebenfalls Compliance gefordert wird. „Compliance-Themen, die sich auf unterschiedliche Vorgaben beziehen, stehen immer mehr im Fokus der Anfragen unserer Mitglieder“, sagte Björn Karaus vom DSLV.

Er zeigte sich skeptisch, ob der Ansatz, eventuelle Missstände entlang der Lieferkette indirekt, also über Risikomanagement und Berichterstattung, zu adressieren, sinnvoll sei. „KMU sehen aktuell vor allem die Belastung, können die Effekte hingegen nicht abschätzen“, so Karaus. Es herrsche in der Branche Unmut darüber, dass Compliance-Themen von Auftraggebern „ungefiltert“ weitergegeben würden, auch wenn kleinen oder mittelgroßen Speditionen das Instrumentarium dafür fehle. Auch wehrte er sich dagegen, als Branche in Generalverdacht für missbräuchliche Arbeitsverhältnisse unter Generealverdacht gestellt zu werden. Ein ebenfalls diskutiertes Verbot von Sub-Sub-Arbeitsverhältnissen sei für Speditionen schlicht nicht darstellbar, da er mit einem Personalaufbau verbunden sei, für den die Fachkräfte fehlten.

Wie Compliance nachweisen?

Wie lässt sich Compliance auf dem Transportmarkt nachweisen? Auch hierzu gab es den Diskutanten viele offene Fragen. „Hier wird es nicht die eine Maßnahme geben. Fahrer-Audits, in denen Fahrer Auskunft über ihre Situation geben, können einer von mehreren Ansatzpunkten sein“, erläuterte Norman Müller von der BAFA. Auch Frachtenbörsen wie Timocom, über die der Spotmarkt abgewickelt wird, können ihm zufolge dabei eine Rolle spielen. Es sei wertvoll gewesen, sich auf dem Transportgipfel der BAFA in Borna mit Branchenakteuren auszutauschen, nun sei man dabei, eine Handreichung zur Umsetzung des Lieferkettengesetzes in der Transportbranche zu erarbeiten. „Wir planen eine Veröffentlichung im frühen Herbst, wohl im September oder Oktober“, so Müller. Er warnte davor, das Lieferkettengesetz nur auf seine belastenden Faktoren zu reduzieren – schließlich unterstreiche es auch die unternehmerische Verantwortung.

Ob eine zeitweise des deutschen Lieferkettengesetzes, die Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) jüngst ins Spiel gebracht, sinnvoll ist, dazu wohl er sich als Vertreter der „Umsetzungsbehörde“ BAFA nicht äußern. „Wir könnten uns durchaus damit anfreunden, auch wenn eine Aussetzung etwas spät käme. Der Stein rollt schließlich schon eine Weile“, so Karaus zum Abschluss der Runde.      

Die CONFERENCE DAYS 2024 des HUSS-VERLAGS, in dem auch LOGISTIK HEUTE erscheint, sind eine fünftägige digitale B2B-Veranstaltung für die Branchen Logistik & Intralogistik, Truck & Bus sowie Automotive & Taxi. Im Mittelpunkt stehen vom 10. bis 14. Juni die Wissensvermittlung zu aktuellen Themen sowie das Networking. Weitere Informationen zur kostenlosen Teilnahme und zum Programm der CONFERENCE DAYS 2024 sind zu finden unter https://conference-days.de. Bis auf Weiteres ist jede Session als Aufzeichnung im Programm auf der Plattform abrufbar.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat vorgeschlagen, das deutsche Lieferkettengesetz auszusetzen, bis das europäische Lieferkettengesetz greift. Ist eine derartige Pause Ihrer Einschätzung nach sinnvoll?

Ja, ein Aussetzen des deutschen Lieferkettengesetzes ist sinnvoll.
52% (80 Stimmen)
Nein, ein Aussetzen des deutschen Lieferkettengesetzes ist nicht sinnvoll.
48% (75 Stimmen)
Total votes: 155