CONFERENCE DAYS 2023: Wie wird die Kreislaufwirtschaft rund?

Drei Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten auf den CONFERENCE DAYS 2023 darüber, wie der Hochlauf einer Zirkulärwirtschaft gelingen kann.

Ein Diskussionspanel auf den CONFERENCE DAYS 2023 stand im Zeichen der Kreislaufwirtschaft. (Screenshot: Meitinger)
Ein Diskussionspanel auf den CONFERENCE DAYS 2023 stand im Zeichen der Kreislaufwirtschaft. (Screenshot: Meitinger)
Therese Meitinger

„Rohstoffe für die Zukunft sichern: Industrie trifft Kreislaufwirtschaft“ – unter diesem Motto diskutierten am 3. März im Rahmen der CONFERENCE DAYS 2023 drei Experten für die Circular Economy mit LOGISTIK HEUTE-Redakteurin Sandra Lehmann. Dass es zum Hochlauf einer Kreislaufwirtschaft keine realistische Alternative gibt, wurde dabei bereits zu Beginn der Veranstaltung klar: Schließlich lag der Earth Overshoot Day, zu dem die Menschheit aufgebraucht hat, was die Natur bis Ende des Jahres zur Verfügung stellt, 2022 bereits im Juli, wie Moderatorin Lehmann unterstrich. Oder anders gesagt: Die Menschheit lebt massiv über ihre Verhältnisse – und die Erschließung sekundärer Rohstoffe ist ein möglicher Hebel, um den Konsum von Primärrohstoffen zu reduzieren.

Hausaufgaben für den Recyclingweltmeister

Doch wie lässt sich eine Kreislaufwirtschaft etablieren? Prof. Dr. Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft des Wuppertal Instituts, wagte in seinem Vortrag eine Standortbestimmung.

„Die Frage ist letztlich, wie wir das lineare System auf den Kopf stellen. Circular Economy ist schließlich mehr als Abfallwirtschaft, man muss die ganze Kette im Blick behalten“, so Wilts.

Ihm zufolge umfasst die Zirkularität zehn „Rs“ – neben „Recycle“, gehören etwa auch die Funktionen „Remanufacture“, „Redesign“, „Reduce“ und „Recover“ dazu. Der „Recyclingweltmeister“ Deutschland dürfe sich dabei nichts vormachen, was seinen Vorbereitungsgrad angeht, so Wilts. Denn was den Anteil recycleter Stoffe in Neuprodukten angeht, wird die Bundesrepublik längst von den Niederlanden, Frankreich oder Italien überholt.

Um zirkulärer zu werden, kommt es entscheidend auf die Logistik an, deren Rolle in der Circular Economy aktuell noch zu wenig beleuchtet wird – diesen Überzeugung teilten sowohl Wilts als auch Markus Wagner, Projektmanager Engineering der Circular Economy Solutions GmbH (CECO). Wagner berichtete von seinen Erfahrungen als Dienstleister in Sachen Kreislaufwirtschaft: Die Bosch-Tochter CECO bietet die Rückholung von „Cores“, benutzten technischen Teilen im Automotive-Kontext, zur industriellen Aufbereitung (Remanufacturing), an. Die Kosten des Remanufacturings können dabei Wagner zufolge – je nach Teil – rund 30 bis 50 Prozent unter den Kosten der Neuproduktion liegen.

Künstliche Intelligenz als wesentlicher Stellhebel

Dass die Kreislaufwirtschaft trotzdem nur langsam anläuft, hat für ihn einen konkreten Grund:

„Das größte Hemmnis ist für viele Marktteilnehmer die hohe Komplexität. Diese lässt sich mit digitalen Ansätzen und Methoden der Künstlichen Intelligenz reduzieren“, sagte Wagner.

Er hält Digitalisierung und KI für wesentliche Stellhebel für das Gelingen der Circular Economy.

Dr. Christof M. Stotko, Geschäftsführer der Gawronski GmbH, gab Einblicke in die praktische Kreislaufwirtschaft, die der Fördertechnikspezialist für seine zwei Produktgruppen – Stahlpaletten und Teleskopförderbänder – etabliert hat.

„Wir legen unsere Produkte auf eine lange Lebensdauer an“, erläuterte Stotko. „Die effektivste Art der Kreislaufwirtschaft ist, wenn die Produkte so lange wie möglich genutzt werden, bevor sie recyclet werden.“

Gawroski bietet an, gebrauchte Teleskopförderbänder zurückzunehmen. Davon erhofft sich das Unternehmen neben der Zweitverwertung der Rohstoffe auch Aufschluss darüber, wie die Kunden die Produkte verwendet haben. Nur so lässt sich das Design der Förderbänder mit Blick auf die Langlebigkeit der Produkte verbessern, ist Stotko überzeugt.     

CONFERENCE DAYS 2023

Auf den CONFERENCE DAYS 2023 können sich Interessierte auf den drei virtuellen Bühnen „Logistik & Intralogistik“, „Truck & Bus“ sowie „Automotive & Taxi“ über Innnovationen und Best Practices in den jeweiligen Branchen informieren. Die Teilnahme an dem digitalen B2B-Wissens- und Networkingevent, das vom Münchner HUSS-VERLAG durchgeführt wird – in dem auch LOGISTIK HEUTE erscheint –, ist kostenlos. Weitere Informationen zu den CONFERENCE DAYS 2023 und die Anmeldemöglichkeit sind zu finden unter: https://conference-days.de