Citylogistik: MAN erprobt Tagesrandbelieferung mit E-Trucks

Im Rahmen eines EU-Projekts will MAN Truck & Bus mit eigenen Testfahrten in München belegen, dass E-Lkw sich zu sensiblen Uhrzeiten gut einsetzen lassen.

Die Elektrifizierung der Lkw eröffnet erst die Option der Belieferung zu Tagesrandzeiten. E-Lkw sind schließlich deutlich leiser als Benziner. (Foto: MAN)
Die Elektrifizierung der Lkw eröffnet erst die Option der Belieferung zu Tagesrandzeiten. E-Lkw sind schließlich deutlich leiser als Benziner. (Foto: MAN)
Therese Meitinger
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

MAN Truck & Bus hat am 25. Januar seine Beteiligung an einem Pilotprojekt zur emissionsfreien Belieferung von Innenstädten in München bekannt gegeben. Ziel des ZEUS-Projekts im Rahmen der EU-Organisation EIT Urban Mobility ist es, Elektro-Lkw als Alternative in Tagesrandzeiten einsetzen, um damit den Verkehr zu den Hauptverkehrszeiten zu entzerren und Emissionen einzusparen. Der Hersteller will dabei mit eigenen Testfahrten in München belegen, dass E-Lkw sich zu sensiblen Uhrzeiten gut einsetzen lassen und verweist neben den Nullemissionen beim Abgas auf die deutlich geringeren Lärmemissionen im Vergleich zu Dieselpendants.

Bereits das Ausweichen der City-Zustellung auf die Tagesrandzeiten macht die Logistik effizienter, ohne dabei die Anwohner zu beeinträchtigen, zeigt sich der Truckhersteller überzeugt.

Die Stadt München leide wie viele andere Metropolen unter zunehmendem Verkehr und Luftverschmutzung, argumentiert der Anbieter. Eine Umgestaltung der Innenstadtversorgung mit Gütern und Waren führe auf mehreren Ebenen zu positiven Effekten. Die Lösung sieht man bei MAN in der Belieferung des Einzelhandels in den Tagesrandzeiten - und zwar mit elektrisch angetriebenen Lkw.

„Alle wissenschaftlichen Studien zeigen, dass die Verlegung der Innenstadtbelieferung auf die Tagesrandzeiten dazu führt, dass die Logistik schneller abgewickelt werden kann und dass die Auswirkungen auf den restlichen Verkehr deutlich geringer sind als zu den Tageshauptzeiten, erklärt Clemens Baumgärtner (CSU), Referent für Arbeit und Wirtschaft bei der Stadt München.

Das habe sich auch in den Testfahrten bestätigt, die MAN gemeinsam mit der Stadt München im Rahmen des ZEUS-Projekts im vergangenen November durchgeführt hat, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Die mit dem vollelektrischen Verteiler-Lkw MAN eTGM durchgeführten Testfahrten hätten eine Zeitersparnis von 15 bis 30 Prozent ergeben, die durch die Umschichtung des Zeitfensters der Innenstadtbelieferung auf die Tagesrandzeiten erreicht werden könne. Gleichzeitig habe man die Pünktlichkeit und Planbarkeit auf fast 100 Prozent gesteigert.

Betriebe müssen Warenannahme umstrukturieren

Die drastische Geräuschreduzierung beim Einsatz von Elektro-Lkw mache dabei die Nutzung der Tagesrandzeiten erst denkbar. „Bei den Testfahrten des MAN eTGM in München konnten wir die Lärmreduktion des Elektromotors bestätigen. Der wahrgenommene Lärm reduziert sich um mindestens ein Viertel, teilweise sogar um die Hälfte, vor allem bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h", berichtet Christoph Jessberger, der bei MAN Truck & Bus in der Vorentwicklung arbeitet und das ZEUS-Projekt betreut hat. Eine wichtige Herausforderung sei es allerdings, dass die Einzelhandelsbetriebe ihre Warenannahme auf außerhalb der Hauptverkehrszeiten umstrukturieren müssen und dies zu erhöhten Kosten für die Betriebe führen kann.

Printer Friendly, PDF & Email