Citylogistik: EfeuCampus stellt autonomen Lieferroboter vor

Lösung basiert auf Technologien wie 5G-Kommunikation, Sensorfusion, KI und induktivem Laden.

Allein auf weiter Flur: Der Roboter soll sich nicht nur in pandemiebedingt leeren Städten zurechtfinden, sondern auch, wenn es wieder voller wird. | Foto: EfeuCampus
Allein auf weiter Flur: Der Roboter soll sich nicht nur in pandemiebedingt leeren Städten zurechtfinden, sondern auch, wenn es wieder voller wird. | Foto: EfeuCampus
Sandra Lehmann
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Die EfeuCampus Bruchsal GmbH hat Deutschlands ersten autonom fahrenden Fahrzeugroboter entwickelt und vorgestellt. Das gab das Unternehmen am 3. März in einer Pressekonferenz bekannt. Der gemeinsam mit der SEW-Eurodrive und weiteren Projektpartnern wie der Big. Bechtold-Gruppe, dem FZI Forschungszentrum Informatik, der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie der PTV Group realisierte Robober beliefere Anwohner auf der letzten Meile mit Paketen. Gleichzeitig nehmen die Roboter laut den Entwicklern Retouren oder Abfälle mit. Für einen sicheren Betrieb will das Unternehmen, nach eigenen Angaben mit neuester Sensortechnologie gesorgt haben.

Nächster Schritt: Von drinnen nach draußen 

Bei der SEW-Eurodrive, Hersteller von fahrerlosen Transportsystemen, seien schon seit längerer Zeit autonome Fahrzeugroboter im Produktivbetrieb, skizziert der Anbieter. Diese fahren mit Schrittgeschwindigkeit in der Fabrik und fungieren im Rahmen einer Mensch-Maschine-Kollaboration als Assistenten. Diese Roboter bringe man vonseiten des EfeuCampus nun in den Outdoor-Bereich. Dafür seien zahlreiche Anpassungen an die neue Umgebung notwendig gewesen, etwa die Wetterfestigkeit und gewisse Steigfähigkeit für Bürgersteige oder Anstiege, zudem die Fähigkeit, sich eigenständig auf Routen in einem deutlich größeren und unübersichtlicheren Areal zurechtzufinden und sämtliche Umgebungsobjekte zu erkennen.

"Es handelt sich um eine völlig andere Interaktion als in einer Fabrik. So müssen sie rechtzeitig reagieren, wenn ein unerwartetes Hindernis erscheint, etwa ein spielendes Kind, das einem Ball hinterherläuft", erklären die Entwickler.

Redundant: Zuverlässige Sicherheitskonzepte und -sensoren

Diese Anpassungen seien nur durch innovative Technologien möglich geworden. So schaffe erst der Mobilfunkstandard 5G eine reibungslose Kommunikation zwischen den Roboterfahrzeugen - 4G sei hier nicht ausreichend. Darüber hinaus kommt eine Kameratechnik zum Einsatz, die auf Basis von neuronalen Netzen (künstliche Intelligenz) Objekte erkennt. Zusätzlich nutze man Laserscanner auf dem neuesten Stand der Technik. Die Sensor-Fusion aus beiden Komponenten soll dafür sorgen, dass die Schwächen der einen die der anderen Technologie ausgleichen. Damit sei sichergestellt, dass die mit Schrittgeschwindigkeit fahrenden Roboter auf jegliches Ereignis korrekt reagieren und bei Bedarf anhalten können, versichert der Anbieter.

Ohne Kabel: Induktives Laden ist Trumpf

Die induktive Ladetechnik von SEW ermögliche zudem eine automatische, kontaktlose Aufladung – künftig sogar für Lastenfahrräder und E-Sprinter, wie man ankündigt. Die eigens entwickelte Achsentechnologie und Fahrwerkskinematik (Allrad-Antrieb mit vier einzeln angetriebenen Rädern) sollen die Roboter fit für den Straßeneinsatz machen.

Wie die Paketzustellung der Zukunft funktioniert

Der Roboter soll sich zudem einfügen in das Modell eines zukünftigen Lieferprozesses. Bei dem geht der Anbieter von am Stadtrand oder in einem bestimmten Stadtgebiet befindlichen Mikrodepots aus. Dort sollen Kurier-, Express- und Paket-Dienste die Güter an die autonomen Fahrzeuge übergeben. Der Empfänger könne das Paket anschließend per App zu sich bestellen, wenn er zuhause ist (synchrone Zustellung). Oder er nutzt eine Ablagestation und kann Sendungen dann jederzeit entnehmen (asynchrone Zustellung), wie der Anbieter mitteilt. Die Authentifizierung erfolge ebenfalls per App. In jedem Fall erreichten die Pakete den Empfänger zuverlässig, sicher und kontaktlos, verspricht man sich. Auf dem Rückweg nehmen die Roboter Retouren oder Abfälle mit, um Leerfahrten zu vermeiden.

Auch für Drohnen sieht man eine Anwendung

Zukünftig wolle man auch den „Luftweg“ erschließen und am EfeuCampus die sogenannten Volodrone des Drohnenpioniers Volocopter einsetzen. Im InnovationLab, dem Hubwerk01 in Bruchsal, entstünden mittels Modelling schon jetzt gemeinsam mit Städten und Kommunen Anwendungen im Rahmen von „Tomorrow Camps“ Strategien. Dort sollen Lösungen für eine anwendbare Zukunft entwickelt sowie Arbeitsabläufe, Infrastrukturen und Geschäftsideen digitalisiert werden.

Ziel: Letzte Meile effizient und klimaschonend

Mit dem LastMileCityLab werde die Stadt Bruchsal zu einem Erlebnisraum für die urbane Logistik der Zukunft, wirbt die Kommune. Man teste hier mit Projektpartnern innovative Verkehrskonzepte und -technologien – im Rahmen von Smart-City-Konzepten. Ziel des Projektes sei es, die letzte Meile zum Kunden mit digitalen Technologien nicht nur deutlich effizienter, sondern auch klimaschonend zu gestalten.

"Es geht darum, ein Bewusstsein für die CO2-Problematik zu schaffen, die Lebensqualität in Städten zu verbessern und Industrie sowie Kommunen damit konkrete Lösungsansätze zu bieten", erklärt der Anbieter weiter.

Begeistert für die Zukunft

Als ich neulich mit Professor Michael ten Hompel über die neue „LoadRunner“-Technologie sprach, war dem Logistikforscher sein Enthusiasmus deutlich anzumerken. Diese Begeisterung für das neue KI-gestützte Fahrerlose Transportsystem, das künftig den Markt der Sortiertechnik bereichern soll, war für mich sehr nachvollziehbar.

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