Citylogistik: Bauhaus MobilityLab plant Vorhersagbarkeit für urbane Logistik

Mithilfe eines digitalen Zwillings will das KI-Innovationsprojekt Bauhaus MobilityLab Veränderungen im urbanen System simulieren und ihre Wirkung auf den Gesamtprozess bewerten.

Ein vom Bauhaus MobilityLab entwickelter digitaler Zwilling soll bei dem Verständnis helfen, wie Zustellungen auf der letzten Meile nachhaltiger organisiert werden können. (Bild: BML Tagung)
Ein vom Bauhaus MobilityLab entwickelter digitaler Zwilling soll bei dem Verständnis helfen, wie Zustellungen auf der letzten Meile nachhaltiger organisiert werden können. (Bild: BML Tagung)
Gunnar Knüpffer
(erschienen bei LOGISTRA von Tobias Schweikl)

Im Rahmen der strategischen Partnerschaft des KI-Innovationsprojekts „Bauhaus MobilityLab“ und des Logistik Netzwerk Thüringen trafen sich am 22. Juni 2022 verschiedene Unternehmen der Logistikbranche sowie Vertreter der öffentlichen Hand und Forschungseinrichtungen im Dompalais Erfurt. Diskutiert wurden Herausforderungen und neue Ansätze für Logistikdienstleistungen in urbanen Räumen.

Im Mittelpunkt stand dabei der im Bauhaus MobilityLab entwickelte digitale Zwilling für die Citylogistik in der Landeshauptstadt Erfurt. Dieser soll Unternehmen, Kommunen und Wissenschaft dabei unterstützen, besser zu verstehen, wie Zustellungen auf der letzten Meile nachhaltiger und wirtschaftlicher organisiert werden können.

Digitale Zwillinge sind möglichst detailgetreue virtuelle Abbildungen der Realität. Im Bereich der Citylogistik werden dafür unter anderem Daten zum Verkehrsnetz, dem Verkehrsaufkommen, der Luftqualität und Vorhersagen zum Bestellaufkommen in Abhängigkeit von Haushaltsgröße sowie auch reale Lieferketten mitsamt den dazugehörigen Prozessen, Ressourcen und Kapazitäten gemeinsam betrachtet.

Digitaler Zwilling soll bei Standortsuche für Mikro-Hubs unterstützen

Im KI-Innovationsprojekt Bauhaus MobilityLab arbeitet Siemens Digital Logistics zusammen mit dem Fraunhofer ITWM, der Technischen Universität Kaiserslautern und der Bauhaus-Universität Weimar am Aufbau des digitalen Zwillings Citylogistik Erfurt. Anhand des digitalen Zwillings sollen Veränderungen im urbanen Logistiksystem vorab simuliert und ihre Wirkung auf den Gesamtprozess bewertet werden können.

So sollen sich beispielsweise Fragen zu geeigneten Standorten von Mikro-Hubs und Paketstationen oder auch zu den Auswirkungen verkehrsberuhigter Quartiere und Lastenradzustellungen auf Faktoren wie Kosten, Servicequalität und Emissionen von Logistikdienstleistungen besser beantworten lassen.

„Ein großer Mehrwert der digitalen Zwillinge als Simulationsmodelle ergibt sich aus der parallelen Betrachtung der Sicht verschiedener Akteure sowie Stellgrößen entlang der Lieferkette. Parameter wie Zustellkosten und -zeiten können im Zusammenhang mit Treibhausgasemissionen, Personalbedarf und Verkehrsaufkommen gemeinsam analysiert werden“, erklärt Uwe Wuttke, Head of Consulting bei Siemens Digital Logistics.

Erfurt dient im konkreten Fall als Datengrundlage für den digitalen Zwilling sowie als KI-Reallabor für die Entwicklung und Erprobung von Logistikinnovationen. Die experimentell erprobten Produkte und Dienstleistungen sollen später mit geringerem Aufwand auch auf andere Städte übertragen werden können.

„Im nächsten Schritt suchen wir weitere Partner aus der Logistikwirtschaft, um deren Daten im digitalen Zwilling abzubilden und zukunftsfähige Konzepte sowohl in der Simulation als auch in der Realität zu erproben“, ergänzt Professor Uwe Plank-Wiedenbeck von der Bauhaus-Universität Weimar.

Die Vorstellung des digitalen Zwillings für Citylogistikanwendungen ist ein entscheidender Schritt für das sich im Aufbau befindende Bauhaus MobilityLab, das ab 2023 in den Regelbetrieb als urbanes KI-Reallabor übergehen soll.

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