Circular Economy: Logistik für geschlossene Kreisläufe

Experten diskutierten auf dem Deutschen Logistik-Kongress 2021 in Berlin über die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft.

Sprachen über Logistik für Kreisläufe (v.l.n.r.): Dr. Carsten Gerhardt, Jade Buddenberg, Martin Neuhold, Dr. Ansgar Fendel und Tara Nitz. (Foto: Sandra Lehmann)
Sprachen über Logistik für Kreisläufe (v.l.n.r.): Dr. Carsten Gerhardt, Jade Buddenberg, Martin Neuhold, Dr. Ansgar Fendel und Tara Nitz. (Foto: Sandra Lehmann)
Sandra Lehmann

Wie kann man Kreisläufe unabhängig vom Wirtschaftszweig schließen und welche Veränderungen müssen dafür in der logistischen Abwicklung vorgenommen werden? Dieser Frage ging eine Fachsequenz am 21. Oktober im Rahmen des Deutschen Logistik-Kongresses 2021 nach. Martin Neuhold, Leader Supply Chain & Operations Europe West beim Beratungshaus EY geht etwa davon aus, dass logistische Dienstleistungen und Services sich durch zirkuläre Geschäftsmodelle radikal wandeln und lineare Lieferketten demnächst abgelöst werden. Wie die Zukunft der Logistik aussehen könnte, skizzierte der Experte in einem Vortrag. Gemeinsam mit seinen Kollegen bei EY hat der Fachmann das „EY Circular Supply Chain Modell“ entwickelt, das eine lokalisierte sowie zustands- und kreislaufspezifische Logistik vorsieht und Positionen vom Vorlieferanten bis zum Endkunden miteinbezieht. Vorrausetzung dafür sind laut Neuhold eine hohe Datentransparenz, der Einsatz digitaler Technologien wie dem digitalen Zwilling und der Blockchain sowie eine Sharing Economy für eine gemeinsame Ressourcennutzung. In der Veränderung stecken nach Angaben des Experten aber auch Chancen für den Wirtschaftszweig. „Logistiker können sich vom Dienstleistungsunternehmen zum wertschöpfenden Mitglied in der Lieferkette weiterentwickeln“, so Neuhold im Rahmen der Session.

Zweites Leben für Fashion

Wie diese veränderte Logistik in der Realität aussehen kann, erläuterte im Anschluss Jade Buddenberg, Lead Sustainability & Business Development Recommerce, Zalando SE. Denn mit der Hinzunahme des sogenannten Pre Owned-Geschäftsmodells, also dem Handel mit bereits getragener Kleidung, seien auf die Berliner Lifestyleplattform neue Logistik-Anforderungen zugekommen. „Das fängt damit an, dass Pre Owned-Kleidung eine andere Qualitätskontrolle braucht als Neuware. Zudem haben wir es auch mit Mode zu tun, zu der es keine Informationen mehr gibt, weil etwa der Waschzettel herausgeschnitten wurde. Diese Daten müssen wir erst wieder sammeln, zumindest soweit das möglich ist“, so Buddenberg in Berlin. Herausfordernd sei in diesem Zusammenhang auch die SKU-Tiefe eins. „Wir haben in dieser Marktkategorie eben keine zehn roten T-Shirts, sondern nur eines. Darauf muss die Logistik abgestimmt sein. Wir setzen bei gebrauchter Kleidung im Gegensatz zu unseren anderen Artikeln deshalb auf eine zentralisierte Logistik – also einen Ort, von dem aus wir steuern und die Kleidung versenden.“

Aber nicht nur das Thema Fashion steht im Fokus von Kreislaufmodellen – auch Kunststoffe müssen aufgrund von Nachhaltigkeitsaspekten und von Rohstoffknappheit wiederverwendet werden, wie Tara Nitz, Global Positioning and Advocacy Circular Economy, Covestro AG, erläuterte. „Kreislaufwirtschaft ist für uns der Schlüssel, um Nachhaltigkeit zu adressieren. In den kommenden Jahren wird der Anteil an Plastikabfällen stärker steigen als der Anteil der Produktion. Darauf müssen wir als Kunststofflieferant reagieren. Deshalb richten wir uns zukünftig komplett auf Kreislaufwirtschaft aus.“ Dazu möchte das Leverkusener Unternehmen die Einmal-Nutzung von Kunststoffen in Produktion und Konsum beenden, Abfälle möglichst vermeiden und beständige Wertschöpfungszyklen aufbauen. Die passende Logistik soll Nitz zufolge dabei ein entscheidender Faktor sein.

Hürden beim Rohstoff-Recycling

Welche Hürden auf dem Weg zum Recyclingrohstoff entstehen, erklärte Dr. Ansgar Fendel, Geschäftsführer der Remondis Assets & Services GmbH. Besonders die Dynamik in Menge und Qualität des Abfalls seien dabei herausfordernd. „Welche Rohstoffe wir in den Sammelmengen vorfinden, können wir sehr schlecht prognostizieren. Auch weil sich das Konsumentenverhalten ständig verändert. So besteht der Papiermüll beispielsweise heute zu einem großen Teil aus Pappe und Wellpappe, weil der E-Commerce so stark zugenommen hat. Deshalb würden wir uns einen frühzeitigen Austausch zwischen produzierender Industrie und der Recyclingwirtschaft wünschen“, sagte Fendel.