China: Warenströme ändern sich

Schuld sind laut Experten Produktionsverlagerungen und neue Handelsabkommen.
Die Asian Logistics and Maritime Conference fand am 17. und 18. November in Hongkong statt. (Foto: Jörgl)
Die Asian Logistics and Maritime Conference fand am 17. und 18. November in Hongkong statt. (Foto: Jörgl)
Thilo Jörgl

Wegen Verlagerungen im produzierenden Gewerbe und neuen Handelsabkommen mit anderen Ländern werden sich die Warenströme im Reich der Mitte verändern. Das betonte Willi Lin, Chef des Hongkong Shippers´ Council, auf der Asian Logistics and Maritime Conference in Hongkong. Lin kommt zu diesem Ergebnis, weil einige chinesische Industrieunternehmen und China als Produktionsort nutzende Firmen jüngst neue Strategien verkündet haben. Wegen steigender Löhne will beispielsweise der Handyhersteller Samsung 80 Prozent seiner Produktion nach Vietnam verlagern. Und Foxconn, Hersteller von Elektronik- und Computerteilen, wird zwölf neue Werke errichten – alle in Indien. „Das führt zu einer Veränderung der Warenströme“, betonte Lin.

Logistikwirtschaft könnte angekurbelt werden

Auch politische Entscheidungen tragen nach Lins Ansicht dazu bei, dass sich Transportwege ändern. Handelsabkommen mit Australien und Taiwan, die Einrichtung neuer chinesischer Freihandelszonen und nicht zuletzt die „neue“ Seidenstraße könnten seiner Meinung nach die Logistikwirtschaft im Reich der Mitte ankurbeln.

Erfolgsrezept Big-Data-Analysen

Logistikdienstleister in und außerhalb Chinas werden Lin zufolge außerdem vom boomenden E-Commerce profitieren. 2014 erwirtschafteten Unternehmen in diesem Segment 840 Milliarden US-Dollar (etwa 788 Milliarden Euro). In die gleiche Kerbe schlug auch Transportexperte Prof. Dr. Anthony Cheung Bing-leung. Er betonte, dass vor allem diejenigen Onlinehändler und Logistikdienstleister von Erfolg gekrönt sein werden, die in Sachen Big-Data-Analysen die Nase vorn haben.

Umständliche Zollprozesse bremsen Handel

Dass insbesondere grenzüberschreitender Internethandel noch mit vielen Hürden verbunden ist, hob hingegen George Yeo hervor. Der Chef des Dienstleisters Kerry Logistics Network nannte zwei Ursachen beim Namen. Zum einen bremsten die umständlichen Zollprozesse den Handel in Richtung Zentralasien. Zum anderen sei es auch für Chinesen nicht einfach, die Kultur in aufstrebenden Ländern wie Vietnam, Myanmar oder Kambodscha zu verstehen.

DHL profitiert von E-Commerce-Boom

Einer der Profiteure des regen Internethandels im Raum Asien-Pazifik ist auch der Bonner Dienstleister Deutsche Post DHL, der in Hongkong im Jahr 2000 ein Hub aus dem Boden stampfte. Obwohl beispielsweise die allgemeinen Luftfrachtzahlen im vergangenen halben Jahr zurückgegangen sind, merkte DHL im Expressbereich in der Region keine Einbrüche. Das sagte Lars Winkelbauer, Luftfrachtexperte für den Raum Asien-Pazifik bei DHL Express. Der gelbe Riese bietet täglich von Honkong vier Verbindungen nach Europa, vier in die USA und 14 für den Bereich Asien-Pazifik an. Gerne würde DHL in Hongkong seine Flächen für Air Cargo vergrößern. Aber das ist mangels Flächen derzeit nicht möglich. Leiden muss DHL laut Winkelbauer auch unter der schwierigen Parksituation für Flieger, den oft ungünstigen Slots und der Suche nach Arbeitskräften. Daher sehnt sich der DHL-Manager nach einem schnellen Bau der dritten Startbahn.

2.000 Teilnehmer aus 30 Ländern

Die Asian Logistics and Maritime Conference fand am 17. und 18. November in Hongkong statt. Laut den Veranstaltern (Government of the Hong Kong Special Administrative Region und Hong Kong Trade Development Council) besuchten die Veranstaltung rund 2.000 Teilnehmer aus 30 Ländern. 100 Unternehmen buchten Stände, darunter DHL, der Hafen Hamburg sowie NRW Invest.

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