Cherry: Tastaturen-Hersteller spart Logistikkosten durch regionale Produktion von Switches in China

(dpa/lby) Stellenabbau, Produktionsverlagerung und ein „Revitalisierungsjahr“: Die Firma Cherry aus der Oberpfalz setzt auf Kostensenkung, steigende Zahlen und die Gaming-Szene.

Der Tastaturen-Hersteller Cherry verlagerte einen Teil der Entwicklung und Produktion von Office- und Gaming-Hardware: Diese Produkte für den internationalen als auch speziell für den chinesischen Markt und andere asiatische Märkte wurden an dem Standort in Zhuhai in China angesiedelt. (Bild: Sven Hoppe/dpa)
Der Tastaturen-Hersteller Cherry verlagerte einen Teil der Entwicklung und Produktion von Office- und Gaming-Hardware: Diese Produkte für den internationalen als auch speziell für den chinesischen Markt und andere asiatische Märkte wurden an dem Standort in Zhuhai in China angesiedelt. (Bild: Sven Hoppe/dpa)
Gunnar Knüpffer

Beim Tastaturen-Hersteller Cherry war zuletzt einiges im Umbruch. Aktuell wurde ein Schritt zur Kostensenkung abgeschlossen: Bis Ende März 2024 trennte sich Cherry einem Sprecher zufolge von 105 Mitarbeitern, davon 80 am Stammsitz in Auerbach in der Oberpfalz (Landkreis Amberg-Sulzbach). Für 2024 geht das Unternehmen laut Mitteilung von einer „Verbesserung der finanziellen Situation“ aus.

Der Stellenabbau war schon Ende 2023 bekannt geworden. Den Angaben nach waren alle Organisationsebenen weltweit betroffen: sowohl Geschäftsführungs- und Managementpositionen als auch administrative und operative Stellen in Deutschland, Frankreich, Schweden, China und den USA. „Damit ist der Umbau unserer weltweiten Personalstruktur abgeschlossen und erfordert keine weiteren Einschnitte“, teilte Cherry mit.

Für das Geschäftsjahr 2024 erwartete der Vorstand einen konsolidierten Konzernumsatz zwischen 140 bis 150 Millionen Euro. Auch das operative Ergebnis (Ebitda) soll steigen.

„Wir betrachten 2024 als Revitalisierungsjahr für die Cherry SE“, sagte jüngst CEO Oliver Kaltner.

Im ersten Quartal 2024 geht das Unternehmen von einem Umsatz von rund 29 Millionen Euro aus, der somit etwa auf Vorjahresniveau liegt. 2023 hatte Cherry sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis seine Ziele nach vorläufigen Zahlen deutlich verfehlt. Der Geschäftsbericht 2023 soll am 25. April veröffentlicht werden.

Derzeit arbeitet der Cherry-Konzern an der „deutlichen Verbesserung seiner Cash-Performance“, wie er am 27. Februar in einer Adhoc-Mitteilung kommunizierte. Dabei liege der Schwerpunkt auf einem aktiven Working Capital-Management, welches sich auf die Reduzierung der Lagerbestände sowie die Optimierung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen fokussiert. Einen Teil der dadurch verbesserten Liquidität will das Unternehmen dazu nutzen, in strategische und innovative Projekte zu investieren. 

Cherry verlagerte außerdem teilweise die Schalter-Produktion. Am Standort in Zhuhai in China werden den Angaben nach künftig Office- und Gaming-Hardware sowohl für den internationalen als auch speziell für den chinesischen Markt und andere asiatische Märkte entwickelt und produziert. Das spare erheblich Kosten in der Logistik, sagte ein Sprecher. Mit der regionalen Produktion der Switches in verschiedenen Ländern würden unter anderem Logistikkosten eingespart, da auch die Fertigung der OEM-Partner vor Ort besser und effizienter bedient und beliefert werden könne, teilte Cherry in einer Presseaussendung vom 13. März mit.

Am Stammsitz in Auerbach werden künftig die MX2-Schalter für die Cherry-Tastaturen hergestellt sowie die besonders flachen Ultra-Low-Profile-Schalter. Beide mechanische Schalter-Typen spielten in der Gaming-Szene eine große Rolle. Die MX2-Schalter hätten eine sehr schnelle, präzise Übertragung und die ULP-Schalter könnten auch in Laptops eingebaut werden – sowohl für den Gaming- als auch für den Office-Bereich.

In Summe vollziehe das Management damit einen deutlichen und notwendigen Strategiewechsel im Vergleich zu den gesetzten Rahmenparametern der letzten fünf Jahre, hieß es seitens Cherry. Das Unternehmen beschäftigt rund 400 Mitarbeiter, davon 230 in Auerbach und rund 100 in China.