Chemielogistik: Wie BASF dem Niedrigwasser am Rhein trotzt

Bei der Produktionsversorgung des Standorts Ludwighafen setzt das Chemieunternehmen BASF unter anderem auf Niedrigwasser-Spezialschiffe.

Ein von BASF mitentwickeltes Tankschiff für Niedrigwasser-Bedingungen befindet sich im Bau. Aktuell greift das Unternehmen auf eine gecharterte Flotte von Niedrigwasser-geeigneten Schiffen zurück. (Grafik: Technolog)
Ein von BASF mitentwickeltes Tankschiff für Niedrigwasser-Bedingungen befindet sich im Bau. Aktuell greift das Unternehmen auf eine gecharterte Flotte von Niedrigwasser-geeigneten Schiffen zurück. (Grafik: Technolog)
Therese Meitinger

Chemieunternehmen sind für ihre Lieferketten besonders auf die Binnenschifffahrt angewiesen. Entsprechend direkt machen sich die aktuell niedrigen Pegel und Fahrrinnentiefen an verschiedenen deutschen Flüssen bemerkbar. Welche Strategien hier Entlastung bieten können, hat LOGISTIK HEUTE bei BASF nachgefragt, das sich am Standort Ludwigshafen mit Niedrigwasser am Rhein konfrontiert sieht.   

Bisher haben man Produktionsabstellungen im Zuge des Rheinniedrigwassers vermeiden können, heißt es vonseiten BASF. Zwischen 2018 und 2021 hat das Unternehmen Eigenangaben zufolge eine Reihe von Resilienzmaßnahmen umgesetzt, die den Standort Ludwigshafen widerstandsfähiger gegen Niedrigwasserereignisse machen soll. In der aktuellen Krise konnte man so frühzeitig verschiedene Gegenmaßnahmen einleiten.

System erlaubt sechs Wochen Vorwarnzeit

Konkret setzt BASF auf ein digitales Frühwarnsystem für Niedrigwasser, das gemeinsam mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde entwickelt wurde und eine Vorwarnzeit von bis zu sechs Wochen erlaubt.  Hierdurch habe man frühzeitig situationsbedingte Anpassungen der Logistikaktivitäten vornehmen können, heißt es aus Ludwigshafen.

„Wir chartern vermehrt moderne Niedrigwasser-geeignete Schiffe“, erläutert eine Unternehmenssprecherin gegenüber LOGISTIK HEUTE. „Wir setzen verstärkt auf alternative Verkehrsträger, insbesondere auf die Bahn und haben wichtige Ladestellen entsprechend ausgebaut, um intermodal flexibel zu sein.“

Das extreme Niedrigwasser von 2018 habe man als Anlass genommen, um die Entwicklung von Schiffneubauten voranzutreiben. Im Fokus steht dabei unter anderem ein Schiff mit hoher Tragfähigkeit bei geringem Tiefgang, das laut BASF auch in extremen Niedrigwassersituationen verlässlich und sicher wichtige Rohstoffe für die Standortversorgung nach Ludwigshafen bringen kann. Dieses „Flaggschiff“ befindet sich Firmenangaben zufolge aktuell im Bau.

Spzialschiffe für Betrieb im Niedrigwasser

Aktuell könne man auf eine Flotte von exklusiv für BASF fahrende Binnenschiffe von Servicepartnern zugreifen, welche für den Betrieb bei Niedrigwasser geeignet sind, so der Chemiekonzern.

„Bereits heute fährt ein auf extremes Niedrigwasser ausgelegtes Spezialschiff, dessen Entwicklung BASF mit der Reederei HGK angestoßen hat, um die Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Ludwigshafen zu stärken“, so die Unternehmenssprecherin.

Das im Oktober 2021 in Betrieb genommene Gas-Tankschiff „Gas94“ der Reederei HGK zeichne sich durch die optimierten Auftriebseigenschaften des Schiffskaskos aus, die durch eine ausgefeilte Anordnung von Komponenten wie Ladungsbehälter und Antriebstechnologie erzielt werden, heißt es von BASF. Der 110 Meter lange und 12,5 Meter breite Gastanker ist dem Unternehmen zufolge breiter als die üblichen Gas-Schiffe. Dank seiner Konstruktion kann es laut dem Chemiekonzern auch bei einem Pegel Kaub von 30 Zentimetern noch immer 200 Tonnen verflüssigter Gase

Teil des Maßnahmenpakets war auch der (abgeschlossene) Ausbau der Rückkühlkapazitäten des Unternehmens. Bei einer absehbaren Phase heißer Witterung werden BASF zufolge entsprechende Anpassungen am Standort vorgenommen. Es werden demnach beispielsweise Rückkühlwerke zugeschaltet, um die geringeren Wassermengen, die in diesem Fall über den Rhein entnommen werden können, auszugleichen.

„Mit Maßnahmen wie dem Ausbau und der Optimierung der zentralen Rückkühlanlagen und der Optimierung der Kühlwasserströme, sind wir in der Lage, während heißer Wetterphasen Produktionsunterbrechungen zu verhindern, den Standort unabhängiger vom Flusswasser des Rheins zu machen und gleichzeitig zu einem nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser beizutragen“, so das Unternehmen.

Ebenfalls auf die Entlastung einzahlen dürfte der prognostizierte Anstieg des Wasserstands aus den für die nächsten Wochen vorhergesagten Niederschlägen.

 

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