Chemielogistik: Industrieverbände sehen EU-Klimaziele bei PFAS-Verbot gefährdet

VDA, VDMA und ZVEI fordern, was per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen angeht, eine differenzierte Betrachtung der Stoffgruppe.

PFAS steht für per- und polyfluorierte Chemikalien. Diese Stoffgruppe umfasst mehr als 10.000 verschiedene Stoffe. (Symbolbild: Industrieblick / AdobeStock)
PFAS steht für per- und polyfluorierte Chemikalien. Diese Stoffgruppe umfasst mehr als 10.000 verschiedene Stoffe. (Symbolbild: Industrieblick / AdobeStock)
Therese Meitinger

Ohne per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) lassen sich die Schlüsseltechnologien der Transformation zur Klimaneutralität nicht produzieren und damit die Energie- und Mobilitätswende nicht umsetzen, argumentieren die drei großen Industrieverbände VDA, VDMA und ZVEI. Gemeinsam wenden sie sich in einer Erklärung vom 3. August gegen das aktuell von der EU geplante pauschale PFAS-Verbot und plädieren für eine differenzierte Betrachtung der Gruppe mit mehr als 10.000 Stoffen. Die Stoffe, für die es aktuell noch keinen Ersatz gebe und solche, von denen kein Risiko für Mensch und Umwelt ausgehe, sollten der Industrie weiterhin zur Verfügung stehen, fordern sie. Es dürfe nicht zu unverhältnismäßigen Verboten kommen, heißt es. PFAS, von denen Risiken für Mensch und Umwelt ausgehen, sollen den Industrieverbänden zufolge demgegenüber kontinuierlich substituiert werden, wie es bereits heute gängige Praxis ist.

Für die von den Verbänden vertretenen Branchen – Automobilindustrie (VDA), Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) sowie Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) – sind nach Ansicht der Industrieverbände viele PFAS aus der Stoffgruppe aktuell unverzichtbar. Die Stoffe werden ihnen zufolge umfassend in Querschnittstechnologien, beispielsweise als Dichtungen und Kabel, verbaut und in allen relevanten Schlüsseltechnologien eingesetzt, die maßgeblich über den Erfolg des Green Deal mitentscheiden werden. Auch Lithium-Ionen-Batterien oder Wasserstofftechnologien seien dringend auf PFAS angewiesen, so VDA, VDMA und ZVEI.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller:

„Die Elektromobilität ist die zentrale Technologie auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität der Zukunft und zentraler Teil des European Green Deals der EU. Dabei ist klar: Um das Ziel klimaneutraler Mobilität erreichen zu können, ist und bleibt der Einsatz von PFAS unverzichtbar. Ohne sie sind heute weder die bestehenden Fahrzeuge noch zukünftige Fahrzeugtechnologien denkbar – das geplante pauschale PFAS-Verbot droht, zum Klimaschutz-Boomerang zu werden.“

VDMA-Präsident Karl Haeusgen:

„Ein umfassendes PFAS-Verbot gefährdet viele grüne Technologien, von Windenergieanlagen über die Wasserstofferzeugung bis hin zur Produktion von Brennstoffzellen. Komponenten aus PFAS sind für diese Produkte und auch für ihre industriellen Herstellungsprozesse unverzichtbar. Zugleich sind die PFAS tief im Inneren von Maschinen verbaut und haben keinen direkten Kontakt mit der Umwelt.“

ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel:

„Halbleiter sind für ein klimaneutrales Europa bis 2050 unverzichtbar. Die EU fördert den Aufbau eines leistungsstarken Halbleiter-Ökosystems unter anderem deshalb zu Recht mit dem EU Chips Act und dem IPCEI Mikroelektronik. Ein pauschales PFAS-Verbot stände diesem Ziel entgegen. Um diesen Zielkonflikt zu lösen, müssen PFAS differenziert und risikobasiert betrachtet werden, nicht pauschal mit dem Holzhammer.“