Chemielogistik: Covestro will Lkw-Transporte in China dekarbonisieren

Der Chemiekonzern will unter anderem Elektro-Lkw für den Kurzstreckentransport ungefährlicher Chemikalien einsetzen.

 In der Region Asien-Pazifik werden etwa 70 Prozent des Güterverkehrs von Covestro per Lkw getätigt. Nun startet das Unternehmen gemeinsam mit Partnern in China ein Pilotprogramm für grüne Logistik. (Bild: Covestro)
In der Region Asien-Pazifik werden etwa 70 Prozent des Güterverkehrs von Covestro per Lkw getätigt. Nun startet das Unternehmen gemeinsam mit Partnern in China ein Pilotprogramm für grüne Logistik. (Bild: Covestro)
Therese Meitinger

Die Reduzierung der indirekten CO2-Emissionen aus vor- und nachgelagerten Prozessen ist für Covestro von entscheidender Bedeutung, um Klimaneutralität zu erreichen, da diese Prozesse etwa 80 Prozent der Gesamtemissionen des Unternehmens ausmachen. Ein solcher CO2-Ausstoß aus der Wertschöpfungskette (Scope-3-Emissionen), der aus Lieferketten, dem Transport von Materialien oder der Verarbeitung von Rohstoffen während der Produktion stammen kann, ist jedoch in der Regel schwer zu erfassen. Vor diesem Hintergrund startet der Chemiekonzern Covestro laut einer Pressemitteilung vom 8. November gemeinsam mit Partnern in China ein Pilotprogramm für grüne Logistik als Teil der Bemühungen um die Dekarbonisierung der chemischen Lieferkette.

Gemäß einer Absichtserklärung, die am Stand von Covestro auf der China International Import Expo in Shanghai unterzeichnet wurde, will das Unternehmen mit Kunden wie Sherwin-Williams und Changzhou Changtu Chemical Co. Ltd., Logistiklösungs- und Infrastrukturpartnern wie Sinotrans Chemical International Logistics und Harbour New Energy Technology Shenzhen sowie mit Branchenorganisationen wie dem Smart Freight Center China zusammenarbeiten. Dabei sollen Covestro zufolge neue grüne Logistiklösungen entwickelt werden, die die Treibhausgasemissionen im gesamten Ökosystem der Branche weiter reduzieren.

Von Biodiesel über E-Mobilität bis Wasserstoff

Im asiatisch-pazifischen Raum werden laut der Pressemitteilung etwa 70 Prozent des Güterverkehrs von Covestro per Lkw getätigt, während in Europa und Nordamerika nur jeweils rund ein Drittel über die Straße transportiert wird und ansonsten häufiger Binnenschiffe und Eisenbahnen zum Einsatz kommen. Daher soll sich die neue Partnerschaft auf die Entwicklung nachhaltigerer Lkw-Transportmittel konzentrieren und die Realisierbarkeit bestimmter Lösungen in spezifischen Szenarien bewerten.

Dazu gehört Covestro zufolge das Experiment, Elektro-Lkw, die nach chinesischem und europäischem Recht für den Straßentransport gefährlicher Güter verboten sind, für den Kurzstreckentransport ungefährlicher Chemikalien einzusetzen – ohne Einschränkungen hinsichtlich der Reichweite. Das Team teste auch Biodiesel, dessen Preis in Shanghai subventioniert werde, für den Langstreckentransport von Gefahrgut, heißt es. Weitere Lösungen, die nach Firmenangaben im Rahmen des Programms untersucht werden, sind mit Wasserstoff-Brennstoffzellen betriebene Lastwagen. Einige der Experimente sollen im Rahmen der Partnerschaft in der ersten Hälfte des Jahres 2023 in realen Fällen mit Kosten- und Nutzenabschätzung eingesetzt werden.

„Die Idee ist, emissionsarme Kraftstoffe, Fahrzeuge und nachhaltigere Logistiklösungen mit optimalen Kosten und sogar finanziellen Vorteilen über eine offene Plattform zu erproben, einzuführen und zu verbreiten“, sagt Samir Hifri, Senior Vice President, Supply Chain & Logistics Asia Pacific, Covestro. „Wir glauben, dass die Lieferkette der chemischen Industrie einen wichtigen Beitrag leisten kann, um Klimaneutralität zu erreichen, und es ist entscheidend für uns, durch eine solche Zusammenarbeit ein Gleichgewicht zwischen Wirtschaftlichkeit und der Senkung von Emissionen zu finden.“

Im Rahmen der Partnerschaft sollen auch Anstrengungen unternommen werden, um die Berechnung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen zu standardisieren. Durch diese Bemühungen hofften Covestro und seine Partner, einen transparenten und zuverlässigen Zertifizierungsmechanismus zu schaffen, der die grüne Logistik als breit anwendbares Geschäftsmodell in der Branche fördert, heißt es.

Anfang 2022 gab Covestro bekannt, dass es sich zum Ziel gesetzt hat, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu werden, das heißt, sowohl die direkten Emissionen aus dem eigenen Betrieb (Scope 1) als auch die indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie (Scope 2) auf Null zu reduzieren. Das Unternehmen will im kommenden Jahr Ziele für seine Scope-3-Emissionen veröffentlichen.