Charter: Kollaboration von Menschen und Robotern regeln

Der Europäische Maschinenbauverband EUnited hat zehn Schwerpunkte für den Einsatz von Robotern an Arbeitsplätzen definiert – und fordert Unternehmen zur Selbstverpflichtung auf.

In einem Werk der BMW Group werden die Mitarbeiter beim Einpassen von Gehäusen von einem Kuka-Cobot unterstützt. (Bild: Kuka)
In einem Werk der BMW Group werden die Mitarbeiter beim Einpassen von Gehäusen von einem Kuka-Cobot unterstützt. (Bild: Kuka)
Therese Meitinger

Der Interessenverband European Engineering Industries Association (EUnited) hat Unternehmen und Organisationen am 8. Juni aufgerufen, die von der europäischen Roboter-Industrie entwickelte „Good Work Charter“ zu unterstützen. Die Charta definiert dem Brüsseler Verband zufolge zehn Grundsätze für die fortschrittliche Gestaltung von Arbeitsplätzen. In einer Welt, in der Menschen immer enger mit Robotern arbeiten, soll sie nach Maßgabe von EUnited als Leitfaden für die aktive Verfolgung eines humanzentrierten Ansatzes für die Automatisierung dienen. Mit ihrem Beitritt zur Unterstützerkampagne würden sich die Unternehmen öffentlich zur Umsetzung der Grundsätze der Charta am Arbeitsplatz bekennen, heißt es.

„Die Charta für gute Arbeit ist eine bahnbrechende Initiative für Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung der Unternehmen im Hinblick auf die Zukunft der Arbeit in Europa“, sagt Wilfried Eberhardt, Vorsitzender von EUnited Robotics.

Unternehmen, die Robotik in ihrer Produktion einsetzen sowie Hersteller von Robotik und Automatisierungstechnik, möchte EUnited einer Mitteilung zufolge mit der Unterzeichnung einer Erklärung als Unterstützer gewinnen. Die Unterzeichner werden darin aufgerufen, konkrete Fallbeispiele vorzulegen, die untermauern wie sie die Grundsätze der Charta in die Tat umsetzen.

Die Charta fordert, dass Roboter die Menschen am Arbeitsplatz entlasten, insbesondere von monotonen, gefährlichen und schmutzigen Arbeiten: Menschen sollen nicht wie Maschinen arbeiten. Robotik-Lösungen sollen assistieren und der Belegschaft Möglichkeiten für die berufliche Weiterentwicklung eröffnen. Insgesamt zehn Schwerpunkte definieren, wie humanzentrierte Arbeitsplätze mit einem hohen Automatisierungsgrad erreicht werden können.

Die zehn Schwerpunkte sind:

  1. Wie Menschen, nicht wie Maschinen arbeiten
  2. Menschen müssen die Kontrolle behalten!
  3. Fähigkeiten entwickeln
  4. Junge Menschen für MINT-Fächer begeistern
  5. Inklusion und Partizipation
  6. Möglichkeiten schaffen
  7. Mensch-Roboter-Kollaboration und „Fusion Skills” 
  8. Einfache Bedienbarkeit
  9. Nachhaltigkeit
  10. Den demografischen Wandel angehen

EUnited nennt als Beispiel auch einige Unternehmen, die Prinzipien der „Good Work Charter“ nach Ansicht des Verbands bereits umsetzen.

  • Fokus – Einfache Bedienbarkeit

Die Robotik ist nicht länger einer ausgewählten Gruppe hochqualifizierter Spezialisten vorbehalten. Das dänische Startup Nordbo Robotics hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Robotik zu „demokratisieren", indem es eine Technologie bereitstellt, die es jedem ermöglicht, Aufgaben zu automatisieren, ohne über Programmierkenntnisse zu verfügen. Mit dem „Mimic Kit“ können Beschäftigte intuitiv Bewegungen aufzeichnen und auf den Roboter übertragen. Dies bietet ihnen neue Möglichkeiten, ihre beruflichen Perspektiven zu verbessern.

  • Fokus - Mensch-Roboter-Kollaboration und „Fusion Skills” 

In einem Werk der BMW Group werden die Mitarbeiter von einem KUKA-Cobot unterstützt. In der Montage mussten die Beschäftigten bisher schwere und schwer zu greifende Differenzialgehäuse heben. Jetzt hilft der Roboter bei der ergonomisch anspruchsvollen Aufgabe, Ausgleichsgehäuse millimetergenau einzupassen. Mensch und Roboter fügen hier nun gemeinsam die Ausgleichsgehäuse für die Vorderachsgetriebe – in weniger als einer halben Minute

  • Fokus – Wie Menschen, nicht wie Maschinen, arbeiten

Eine sehr wichtige, aber eher repetitive Aufgabe ist das Scannen von Büchern. Nationalbibliotheken, Zeitschriftenverlage oder Unternehmen jeder Größe wollen ihre Archive digitalisieren. Der Roboterhersteller Igus aus Köln hat einen automatischen Buchscanner entwickelt. Diese Maschine befreit die menschlichen Kollegen vom endlosen Umblättern. Sie müssen lediglich entscheiden, welche Bücher gescannt werden sollen.     

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