Cannabis: Berufsgenossenschaft Verkehr empfiehlt restriktive Regeln am Arbeitsplatz

Seit Anfang April ist der Konsum von Cannabis in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen nicht mehr verboten. Die BG Verkehr empfiehlt ihren Mitgliedsunternehmen dennoch, den Konsum am Arbeitsplatz klar und restriktiv zu regeln.

Die BG Verkehr empfiehlt ihren Mitgliedsunternehmen, das Mitbringen von Cannabisprodukten auf das Betriebsgelände beziehungsweise an die Arbeitsstätte und das Konsumieren während der Arbeitszeit und Pausen zu untersagen. (Bild: AdobeStock, Platoo Studio)
Die BG Verkehr empfiehlt ihren Mitgliedsunternehmen, das Mitbringen von Cannabisprodukten auf das Betriebsgelände beziehungsweise an die Arbeitsstätte und das Konsumieren während der Arbeitszeit und Pausen zu untersagen. (Bild: AdobeStock, Platoo Studio)
Gunnar Knüpffer

Das vor Kurzem erlassene Cannabisgesetz verbietet laut BG Verkehr Cannabiskonsum auf dem Betriebsgelände und in Arbeitsstätten nicht. „Unternehmerinnen und Unternehmer können allerdings von ihrem Weisungsrecht Gebrauch machen und den Cannabiskonsum im Betrieb untersagen. Eine betriebliche Regelung, etwa in Form einer Anweisung oder als Betriebsvereinbarung, schafft Klarheit für alle Beschäftigten", sagt Dr. Jörg Hedtmann, Leiter des Geschäftsbereichs Prävention bei der BG Verkehr, der zuständigen Berufsgenossenschaft für Verkehrswirtschaft, Telekommunikation und Post-Logistik, laut einer Pressemitteilung vom 10. Juni.

Die BG Verkehr empfiehlt ihren Mitgliedsunternehmen ausdrücklich, das Mitbringen von Cannabisprodukten auf das Betriebsgelände beziehungsweise an die Arbeitsstätte und das Konsumieren während der Arbeitszeit und Pausen zu untersagen. Die Berufsgenossenschaft begründet dies insbesondere mit dem Schutz minderjähriger Beschäftigter und der Verhütung von Arbeitsunfällen für alle Mitarbeitenden.

Für Fahrpersonal ist der Griff zum Joint nach Angaben der BG Verkehr während der Arbeit tabu. Der Bundestag hat zwar einen neuen Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC beschlossen, aus dem man aber nicht errechnen könne, wieviel Cannabis man vor oder während der Teilnahme am Straßenverkehr zu sich nehmen dürfte. Wer ein Kraftfahrzeug führt, ist für seine Fahrtüchtigkeit grundsätzlich selbst verantwortlich. Vorhersagen zum sicheren Abbau des Cannabiswirkstoffs im Körper sind laut BG Verkehr risikobehaftete Spekulationen. Es sei deshalb schwierig, seriöse Empfehlungen zu erteilen – zum Beispiel dafür, wie viele Stunden Abstand zwischen Cannabiskonsum und Fahrtätigkeit mindestens liegen müssen. Der Grenzwert sei daher weniger medizinisch, als vielmehr juristisch begründet. Wer nicht mit einer Grenzwertüberschreitung im Straßenverkehr auffallen will, lässt nach Ansicht der Berufsgenossenschaft die Finger von Cannabisprodukten.

„Für den innerbetrieblichen Verkehr mit Flurförderzeugen und anderen mobilen Arbeitsmitteln empfehlen wir ein restriktives Vorgehen", so Hedtmann.

Für diese Tätigkeiten ist § 15 der DGUV Vorschrift 1 anwendbar, in dem es heißt: „Versicherte dürfen sich durch den Konsum von Alkohol, Drogen oder anderen berauschenden Mitteln nicht in einen Zustand versetzen, durch den sie sich selbst oder andere gefährden können.“ Bei Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten ist eine solche Gefährdung bei Konsum von Alkohol oder Cannabis grundsätzlich zu unterstellen.

„Deshalb ist ein Verbot des Konsums vor und während der Tätigkeit gerechtfertigt und nach unserer Einschätzung erforderlich“, sagt Hedtmann.