Campus-Netz: Telefónica startet 5G Tech Lab für Start-ups

Im offenen Tech Lab in München entwickelt etwa künftig das Start-up Unmanned Life seine offene Plattform für unterschiedliche autonome Roboter weiter.

In der Kaufinger Straße 15 in München können Start-ups künftig neue 5G-Anwendungen entwickeln. (Foto: Maximilian Ostermeier)
In der Kaufinger Straße 15 in München können Start-ups künftig neue 5G-Anwendungen entwickeln. (Foto: Maximilian Ostermeier)
Therese Meitinger

Wayra Deutschland, der Start-up-Inkubator des Kommunikationskonzerns Telefónica, hat am 24. März sein „5G Tech Lab“ in München eröffnet. Das Wayra 5G Tech Lab, für das Telefónica ein eigenes 5G-Standalone-Campusnetz aufbaute, soll ab sofort jungen Gründern und Start-ups die Möglichkeit bieten, 5G-Anwendungen für Verbraucher und die Industrie zu entwickeln.

„Die Start-ups können innovieren, ausprobieren und erfolgversprechende Use Cases dann zusammen mit Telefónica weiterentwickeln: Wir bieten uns also als erster Kunde an“, beschrieb Markus Rolle CFO von Telefónica Deutschland auf der online übertragenen Eröffnung die angestrebte Symbiose im 5G Tech Lab.

Campusnetz mit 100 Megahertz Bandbreite

Telefónica Deutschland stellt für das 5G Tech Lab nach Eigenangaben ein leistungsstarkes 5G-Campusnetz bereit. Während kommerzielle 5G-Netze heutzutage noch auf die bestehende 4G-Infrastruktur angewiesen sind (= 5G Non-Standalone), böten Wayra und Telefónica Deutschland ein lokales Campusnetz, das rein auf 5G beruhe (= 5G Standalone), so das Unternehmen. Nur 5G Standalone böten jedoch die nötigen kurzen Verzögerungszeiten und hohen Datenraten, die neue 5G-basierte Anwendungen wie Augmented oder Virtual Reality erforderten. Telefónica Deutschland gibt an, für das Campusnetz eigene, lokale 3,7 Gigahertz-Frequenzen zu nutzen, die das Unternehmen bei der Bundesnetzagentur beantragt und zugeteilt bekommen hat. Das 5G Tech Lab kann dadurch mit 100 Megahertz Bandbreite über 5G funken.

„Dieser Platz ist einzigartig in Europa. Aktuell gibt es für Start-ups keine vergleichbare Infrastruktur in Deutschland, die derart leicht zugänglich und technisch hochwertig ausgestattet ist. Mit unserem 5G Tech Lab können 5G-Applikationen live getestet und in eine kommerzielle Nutzung im Alltag überführt werden,” sagte Florian Bogenschütz, CEO von Wayra Deutschland und Leiter des neuen 5G Tech Labs, sagte anlässlich der Eröffnung.

Robotik ohne Technologiebruch innen und außen steuern

Zur Eröffnung demonstrierten mehrere Start-ups des Wayra Innovation Hubs erste 5G-Showcases. Aus Logistik-Perspektive besonders interessant ist dabei Unmanned Life: Das Start-up mit Wurzeln in Brüssel hat eine technologieagnostische Autonomy-as-a-Service-Softwareplattform entwickelt, die es erlaubt, Flotten unterschiedlicher autonomer Roboter zu steuern. Denkbar ist etwa eine gleichzeitige Nutzung von AGVs und Drohnen, die Unmanned Life zufolge auch den Übergang vom Innen- zum Außenbereich ohne Technologiebruch abbilden kann.  

„Mit unserer interoperablen Plattform erlauben wir es, unterschiedliche Arten von Robotern und den dahinterstehenden Daten zu managen und zentral zu steuern. Dabei adressieren wir mit Industrie 4.0 und Smart Cities vor allem zwei Verticals“, erläuterte Nicholas Zylberglajt, CEO von Unmanned Life.

Auch im Logistik-Segment böten sich zahlreiche Anwendungen an.

Während der Präsentation wurden Drohnen aus dem 5G Tech Lab gestartet, um im Brüsseler R&D-Lab von Unmanned Life eine autonome Such- und Rettungsmission durchzuführen.

Neben dem privaten und in sich geschlossenen 5G-Standalone-Netz verfügt das Wayra 5G Tech Lab auch über ein öffentliches 5G-Non-Standalone-Netz (4G/5G), das alle Start-ups und O2 Kunden, die das Lab besuchen, zusätzlich nutzen können.

Das Tech Lab stehe ab sofort allen Start-ups offen, die auf Basis der 5G-Infrastruktur entsprechende Anwendungen entwickeln oder erproben wollen, so Telefónica. Interessierte Start-ups könnten sich bei Wayra Deutschland auf einen Platz im Lab bewerben. Laut Wayra-CSO Katrin Bacic besonders gesucht: Start-ups, die sich nah am Kerngeschäft von Telefónica bewegen – und Start-ups mit weiblicher Beteiligung. „Wir brauchen mehr Gründerinnen!“, unterstrich Bacic. Den Diversity-Gedanken nehme man durchaus ernst.

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