Bundeskartellamt: EG Group muss vor OMV-Deutschland-Kauf 48 Standorte veräußern

Weil die Übernahme sämtlicher deutscher OMV-Tankstellen in das Vertriebsnetz der EG Group die Wettbewerbssituation in vielen Regionen in Süddeutschland verschlechtert hätte, entschied das Bundeskartellamt, dass zunächst 48 Standorte der Unternehmen veräußert werden müssen.

Die EG Group, die die Esso-Tankstellen in Deutschland betreibt, muss vor Übernahme von OMV Deutschland 48 Tankstellen in Süddeutschland verkaufen. (Bild: OMV Aktiengesellschaft)
Die EG Group, die die Esso-Tankstellen in Deutschland betreibt, muss vor Übernahme von OMV Deutschland 48 Tankstellen in Süddeutschland verkaufen. (Bild: OMV Aktiengesellschaft)
Gunnar Knüpffer

Unter der Bedingung, dass 48 Standorte von EG Group und OMV in Süddeutschland an andere Unternehmen veräußert werden müssen, hat das Bundeskartellamt dem Kauf des Tankstellennetzes der OMV Retail Deutschland GmbH in Burghausen durch die EG Group Limited in Blackburn in Großbritannien zugestimmt. Das teilten die Wettbewerbshüter am 11. Februar in einer Pressemitteilung mit. Die EG Group betreibt das "Esso"-Tankstellennetz in Deutschland.

„Die Übernahme sämtlicher OMV-Tankstellen in das Vertriebsnetz der EG Group hätte die Wettbewerbsbedingungen in vielen Regionen in Süddeutschland verschlechtert“, sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. „Wir haben sichergestellt, dass es für die Autofahrer vor Ort auch künftig noch genügend Alternativen zu den führenden Marken-Tankstellen gibt.“ Mit den Daten der Markttransparenzstelle könnten Verbraucherinnen und Verbraucher die Preise vergleichen. Gerade in Zeiten hoher Preise mache es sich bezahlt, wenn man eine Tank-App nutzt und die günstigeren Tankstellen ansteuert.

Die EG Group betreibt in Deutschland 959 Tankstellen unter der Marke Esso und gehört neben BP (Marke „Aral“), Shell und Total zu den führenden Tankstellenbetreibern hierzulande. Das betroffene Tankstellennetz von OMV umfasst 285 Standorte ausschließlich in Süddeutschland mit einem Schwerpunkt in Bayern und Baden-Württemberg.

Nach den Ergebnissen der umfangreichen Ermittlungen des Bundeskartellamtes hätte eine vollständige Übernahme des OMV-Tankstellennetzes in den Regionen Stuttgart, München, Rosenheim, Bad Herrenalb, Weil am Rhein, Lindau am Bodensee sowie im Raum Passau/Bayerischer Wald einen deutlichen Anstieg der Marktkonzentration bewirkt. Es wäre den Angaben zufolge zu befürchten gewesen, dass der Zusammenschluss dort zur Entstehung beziehungsweise Verstärkung einer gemeinsamen marktbeherrschenden Stellung der führenden Anbieter BP/Aral, Shell und EG Group geführt hätte.

In den übrigen Regionen, in denen es OMV-Tankstellen gibt, ist hingegen laut Bundeskartellamt eine größere Zahl von weiteren Wettbewerbern mit teilweise durchaus erheblichen Marktanteilen und einer gerade auch hinsichtlich der Preishöhe abweichenden Marktstrategie aktiv. Darüber hinaus sei die bisherige Marktstellung der EG Group beziehungsweise die von OMV in einigen Regionen schwächer als in anderen.

Die Freigabe des Bundeskartellamtes steht unter der aufschiebenden Bedingung, dass 25 Tankstellen der EG Group und 23 OMV Tankstellen in den problematischen Markträumen zunächst an dritte Unternehmen veräußert werden. Das Bundeskartellamt muss diesen Erwerbern zuvor zustimmen.

Der geplante Zusammenschluss war zunächst bei der Europäischen Kommission angemeldet worden. Diese hat nach einem entsprechenden Antrag die Prüfung des Vorhabens im Juli vergangenen Jahres an das Bundeskartellamt verwiesen.

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