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Brexit: Spannung vor der Abstimmung

Auch Auswirkungen auf Warenverkehr und Logistik im Fokus.
(Foto: Fotolia.com/ Miriam Dörr)
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Matthias Pieringer

Die Briten sind am heutigen Donnerstag aufgerufen, über den Verbleib ihres Königreichs in der Europäischen Union abzustimmen. Das Ergebnis wird auch in Deutschland mit Spannung erwartet – geht es doch um die Zukunft der Europäischen Union und die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen des Referendums. LOGISTIK HEUTE hat einige Stimmen aus Wirtschaft und Wissenschaft im Vorfeld der Abstimmung gesammelt.

Logistik-Indikator:Stimmung ungetrübt

Laut Prof. Dr. Raimund Klinkner, dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesvereinigung Logistik (BVL), trüben der mögliche Brexit und – damit einhergehend – veränderte Spielregeln im Umgang mit dem drittwichtigsten Exportmarkt Deutschlands die Stimmung des Wirtschaftsbereichs Logistik im zweiten Quartal 2016 nicht. „Der Logistik-Indikator, der im Mai erhoben wurde, zeigt nach drei Quartalen der Unentschlossenheit wieder eindeutig nach oben. Er erreicht sogar den optimistischen Wert aus dem Juni 2015“, schreibt Klinkner in seinem Kommentar zum aktuellen Logistik-Indikator, der am 20. Juni veröffentlicht wurde.

Verzögerungen in der Lieferkette

„In der Logistikbranche wird die Gefahr eines EU-Austrittes von Großbritannien ambivalent gesehen“, nahm Prof. Dr. Susanne Koch, Professorin für Betriebswirtschaftslehre und Logistik sowie Direktoriumsmitglied des „Center for Applied European Studies“ (CAES) der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), gegenüber der Presse Stellung. Zeit sei für Logistikdienstleister das Qualitätskriterium. „Viele befürchten bei einem Brexit Verzögerungen in der Lieferkette, wenn beispielsweise wieder Zollkontrollen an der Grenze erforderlich wären“. In der Logistikbranche werde „jedoch auf die Dauer nicht mit solch schwerwiegenden Änderungen wie in anderen Bereichen gerechnet, da auch mit anderen Nicht-EU-Ländern wie Norwegen der Warenaustausch über andere Vereinbarungen geregelt wird“.

Keine Vorteile durch Brexit

Dass ein „Brexit“ weder für die britische noch für die deutsche Wirtschaft Vorteile bringen würde, machte Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), kürzlich in einem Radiointerview deutlich. Nach Kerbers Worten spricht sich die Mehrheit der britischen Unternehmen für einen Verbleib in der Europäischen Union aus. Vor allem kleine Unternehmen, die vor großen Märkten und Internationalisierung Befürchtungen hätten, seien für den Brexit.

Hängepartie zu befürchten

Ein Brexit führe zu Unsicherheit und Vertrauensverlust über Jahre. „Das ist Gift für die Wirtschaft in Großbritannien, aber auch für Gesamteuropa“, sagte Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), kürzlich in Berlin. Bei einem Ja zum Brexit würden, wie der BGA mitteilte, zweijährige Austrittsverhandlungen folgen, die sich bis Mitte 2018 hinziehen können. Während „dieser Hängepartie“ werde große Unsicherheit herrschen, fürchtet der Verband. Bisherige Modelle wie das der Schweiz oder Norwegens eigneten sich nicht als Blaupause für Großbritannien und so werde eine neue Variante einer Sonderregelung sehr wahrscheinlich sein. Aber hier müsse auch die EU mitspielen, die Folgen könnten daher Zölle, neue Marktzugangsregeln und enorme Bürokratie sein, so der BGA.

Umstellungszeiten erforderlich

Ein Ausscheiden Großbritanniens könnte für die Digitalwirtschaft mit deutlichen Umsatzeinbußen einhergehen, warnte Anfang der Woche auch der Digitalverband Bitkom vor negativen Folgen. „Sollte es wirklich zu einem Brexit kommen, hängt alles davon ab, wie die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern danach vertraglich geregelt werden, etwa was den freien Austausch von Waren und Dienstleistungen angeht“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Im Falle eines Brexit wären dem Bitkom zufolge für Unternehmen und Verbraucher zunächst ausreichend bemessene Umstellungszeiten nötig, damit sich alle Beteiligten den veränderten Rahmenbedingungen anpassen könnten.

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