BME-Umfrage: Einkäufer kritisieren Krisenmanagement der Bundesregierung

Laut einer Studie des BME wollen 88 Prozent der Einkaufs- und Logistikmanager Preissteigerungen vollständig oder teilweise an Kunden weitergeben.

Viele Einkaufsmanager sehen einer BME-Erhebung zufolge vor allem Aktionismus, aber kein stringente Planung im Krisenmanagement der Bundesregierung. (Symbolbild: Pathdoc / Fotolia)
Viele Einkaufsmanager sehen einer BME-Erhebung zufolge vor allem Aktionismus, aber kein stringente Planung im Krisenmanagement der Bundesregierung. (Symbolbild: Pathdoc / Fotolia)
Therese Meitinger

Anfang September hat der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) eine Befragung von mehr als 500 deutschen Einkaufs- und Logistikmanagern durchgeführt. Die Ergebnisse präsentierten die BME-Vorstandsvorsitzende Gundula Ullah und die BME-Hauptgeschäftsführerin Dr. Helena Melnikov nun am 12. Oktober auf einer Pressekonferenz im Rahmen des 57. BME-Symposiums Einkauf und Logistik in Berlin. Eines der Hauptergebnisse der Studie bezieht sich darauf, dass knapp drei Viertel mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung nicht zufrieden sind (74 Prozent). Nur 17 Prozent der Teilnehmer äußern dagegen Zufriedenheit.

Hintergrund ist dem BME zufolge, dass sich die Einkaufspreise im laufenden Jahr massiv erhöht haben: um ganze 23 Prozent. Für das kommende Jahr liegen die Prognosen demnach bei weiteren 15 Prozent. 88 Prozent der Befragten wollen diese Preissteigerungen der Umfrage zufolge vollständig oder teilweise an ihre Kunden weitergeben.

„Die Einkaufspreise sind deutlich stärker angezogen als die aktuell ausgewiesene Inflationsrate von rund zehn Prozent“, so Gundula Ullah. „Aufgrund des zentralen Einflusses der Einkaufspreise auf die Verbraucherpreise lassen sich bereits jetzt deutliche Inflationsentwicklungen prognostizieren.“

Man dürfe nicht vergessen: In vielen produzierenden Unternehmen mache der Einkaufsanteil, also die extern zugekaufte Wertschöpfung, oft zwischen 70 und 80 Prozent der Gesamtkosten aus, so Ullah weiter. Damit schlägen die stark gestiegenen Einkaufskosten direkt ins Unternehmensergebnis durch. Die befragten Manager sehen laut der BME-Vorstandsvorsitzenden bislang nicht, dass die Maßnahmen der Bundesregierung dieser existenzbedrohenden Situation gerecht werden.

Ukrainekrieg, Inflation und Rezession bedrohen deutsche Wirtschaft

Als Gefahren für die deutsche Wirtschaft geben die Befragten der Erhebung vor allem den Ukraine-Krieg (88 Prozent), die durch Inflation und Rezession sinkende Kaufkraft (77 Prozent) sowie die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Rohstoffen (69 Prozent) an. Die Gefahren durch den Konflikt zwischen China-Taiwan/USA (44 Prozent), die Klimakrise (27 Prozent) sowie die Coronapandemie (19 Prozent) sind ihnen dagegen deutlich weniger präsent. Dennoch planen 65 Prozent von ihnen, sich von den gefährdeten Märkten in China und Taiwan unabhängiger zu machen.

„Die geringe wahrgenommene Bedrohung der großen Abhängigkeit von China und Taiwan ist bemerkenswert, das gilt insbesondere für Halbleiter und andere Vor-Produkte. Auffällig ist auch, dass die Coronapandemie von den deutschen Einkaufs- und Logistikmanagern als weitgehend ‚abgeschlossen‘ und unbedrohlich für ihr Geschäft eingeschätzt wird“, ergänzt Dr. Helena Melnikov, die Hauptgeschäftsführerin des BME.

Mehr als zwei Drittel der Befragten (78 Prozent) rechnen mit Insolvenzen in ihrem wirtschaftlichen Umfeld. Nur 40 Prozent prognostizieren, dass ihre Lieferketten weitere Belastungen aushalten werden. Wenn eine weitere größere Krise eintritt, meinen 60 Prozent der befragten Manager, dass ihre Unternehmen in ihrer Existenz gefährdet sein werden.

Zwei Drittel der Befragten haben persönlich Angst vor steigenden Preisen. 76 Prozent von ihnen sind aber bereit, einen persönlichen Kaufkraftverlust zu akzeptieren, um die westliche Demokratie und die westlichen Werte zu schützen. Um die Kaufkraft der Bevölkerung zu erhalten, planen 72 Prozent der befragten Manager Effizienzsteigerungen, 62 Prozent wollen preisgünstigere Lieferanten suchen, 61 Prozent wollen aus diesem Grund bewusst die Arbeitsplätze in ihren Unternehmen sichern und 35 Prozent planen die Rückverlagerung von Produktionsstätten aus Schwellenländern in Industriestaaten („Reshoring“).

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