BME-Symposium: Lektionen aus der Lieferkettendauerkrise

Am Eröffnungstag berichtet unter anderem Serge von Vooren (Qiagen) über den Ramp-up von PCR-Testkits zu Beginn der Krise.

Serge van Vooren (Qiagen) berichtete im Rahmen des Symposiums von seinen Erfahrungen aus der Coronakrise. (Bild. Therese Meitinger)
Serge van Vooren (Qiagen) berichtete im Rahmen des Symposiums von seinen Erfahrungen aus der Coronakrise. (Bild. Therese Meitinger)
Therese Meitinger

Unter dem Motto #PRO:CONNECT23 beschäftigt sich das 58. BME-Symposium Einkauf und Logistik vom 18. bis 20. Oktober mit den Herausforderungen und Initiativen des Procurements. Dass diesem in der aktuellen Gemengelange aus Krisen und Compliance-Anforderungen eine Schlüsselrolle zukommt, war auf dem Kongress Konsens. „Managing Procurement for long term sustainability in times of short term volatility“ hatte beispielsweise Serge van Vooren., Vice President Purchasing und Head of Global Procurement von Qiagen, seine Keynote im Eröffnungsplenum überschrieben.

Eine Boeing 777 für die Salzlieferung

Er berichtete von den Erfahrungen des Anbieters für Reagenzien aus der Coronapandemie: Weil Qiagen zu deren Beginn einer der wenigen Anbieter weltweit war, die PCR-Tests anbieten konnten, explodierte die Nachfrage. Zugleich war das Unternehmen, das viele seiner Vorprodukte und Wirkstoffe aus China bezieht, von Lockdowns und anderen Lieferkettendisruptionen betroffen. „Im Prinzip war jeder Abschnitt der Supply Chain von Abweichungen betroffen“, schilderte van Vooren. Eigenheiten der einzelnen nationalen Gesundheitsbehörden machte das Problem nicht leichter: Während Deutschland beispielsweise auf eine zentral organisierte Verteilung der Tests setzte, nutzten die USA einen dezentralen Ansatz.

„Wir haben zu einer Menge ungewöhnlicher Maßnahmen gegriffen und unter anderem eine Boeing 777 gechartert, nur um Salze aus China herauszutransportieren“, so Qiagens Vice President Purchasing. „Zugleich haben wir einen Ramp up der Produktion vollzogen und haben langfristige Verträge abgeschlossen, um die Versorgung mit Elektronikkomponenten, Chemikalien und Bioreagenzien abzusichern.“

Im Nachgang etablierte Qiagen ein Frühwarnsystem, das die wichtigsten Supplier miteinschließt und konzertierte Reaktionsmuster für die Beteiligten entlang der Lieferkette, um Bullwhip-Effekte künftig gemeinsam abpuffern zu können. „Die nächste Pandemie kommt bestimmt“, zeigte sich van Vooren überzeugt.

Mehr Verantwortung für den Einkauf

Auch Gundula Ullah, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), zeichnete in ihrer Eröffnungsrede ein aktuelles Bild, das von multiplen Krisen geprägt ist – und forderte den Einkauf auf, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen:  

„Wir erleben Herausforderungen in Form von Kriegen, Pandemie, ökologischem Wandel, Energiewende, Inflation und Rezession. In einer solchen Zeit permanenter Krisen ist es mehr denn je nötig, Verantwortung zu übernehmen. Ich möchte es Procurement Citizenship nennen, abgeleitet von Corporate Citizenship. Dieses umreißt ordnungspolitische Mitverantwortung unserer Unternehmen für die Gesellschaft.“

Deshalb gehe es für den Einkauf jetzt darum, mehr Verantwortung für die Umsetzung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu übernehmen. Procurement Citizenship stehe für einen verantwortungsbewussten, umsetzungsstarken und innovativen Einkauf. „Dieser wird für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen in Deutschland entscheidend sein“, so Ullah abschließend.