Binnenschifffahrt: Frachter fahren per Fernsteuerung über den Rhein

(dpa) Das Projekt soll gegen den Nachwuchsmangel in der Branche helfen.

Der Binnenschifffahrtskapitän Joachim Lauwers sitzt am Schreibtisch und steuert ein Schiff auf der Route von Walcheren nach Antwerpen. Aus den Büros in Duisburg sollen mehrere Schiffe auf dem Rhein aus der Ferne gesteuert werden. Die Leitzentrale von drei Logistikunternehmen, der belgische Technologie- und Serviceanbieter Seafar, die Reederei Deymann sowie eine Tochter der kommunalen Häfen und Güterverkehr Köln AG, hat den Betrieb Betrieb aufgenommen. (Foto: Christoph Reichwein/dpa)
Der Binnenschifffahrtskapitän Joachim Lauwers sitzt am Schreibtisch und steuert ein Schiff auf der Route von Walcheren nach Antwerpen. Aus den Büros in Duisburg sollen mehrere Schiffe auf dem Rhein aus der Ferne gesteuert werden. Die Leitzentrale von drei Logistikunternehmen, der belgische Technologie- und Serviceanbieter Seafar, die Reederei Deymann sowie eine Tochter der kommunalen Häfen und Güterverkehr Köln AG, hat den Betrieb Betrieb aufgenommen. (Foto: Christoph Reichwein/dpa)
Matthias Pieringer

Drei Logistikunternehmen haben damit begonnen, Binnenschiffe auf dem Rhein in Nordrhein-Westfalen per Fernsteuerung an ihr Ziel zu bringen. Die Kapitäne sitzen in einem Bürogebäude in Duisburg und steuern die Frachter mithilfe von Bildschirmen und Mobilfunk von Rotterdam bis nach Bonn. Am Mittwoch hat die Leitzentrale des belgischen Technologie- und Serviceanbieters Seafar den Betrieb am Duisburger Hafen aufgenommen.

Das Projekt soll gegen den Nachwuchsmangel in der Branche helfen, indem es Kapitänen mit dem Job an Land eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht. In einem ersten Schritt haben die Behörden für drei entsprechend ausgerüstete Binnenschiffe der Reederei Deymann und der kommunalen Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) Genehmigungen erteilt. Es sei aber geplant, weitere Frachter auf dem Rhein mit der nötigen Technik für die Fernsteuerung auszustatten, teilten die Reedereien mit. Außerdem seien Anträge gestellt, um auch auf Streckenabschnitten im nordwestdeutschen Kanalgebiet sowie auf dem Mittellandkanal Schiffe aus der Ferne zu steuern. Aus Sicherheitsgründen soll vorerst aber immer noch die reguläre Mannschaft an Bord sein.

In der Regel 14 Tage am Stück an Bord

Bislang seien Binnenschiffer in der Regel 14 Tage am Stück an Bord und weg von ihren Familien. Der Job in der Duisburger Fernsteuerungs-Zentrale biete hingegen Bedingungen wie bei anderen Büro-Jobs, sagte Steffen Bauer, Vorstandschef der HGK Shipping. „Das zahlt auf das Lebensmodell junger Menschen ein.“

Seafar hat das System in Belgien bereits seit Jahren im Einsatz. Dort würden bislang mehr als 30 Schiffe per Fernsteuerung betrieben, sagte ein Sprecher. Die Branche betrachtet den Versuch mit Interesse. Der Fachkräftemangel sei bereits so gravierend, dass Schiffe teilweise ungewollte Stopps einlegen müssten, so Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt.