Bilanz: Jungheinrich gibt Ergebnis für erstes Halbjahr 2020 bekannt

Frühzeitige und konsequente Maßnahmen haben dem Unternehmen zufolge die Auswirkungen von Covid-19 auf die Halbjahresbilanz reduziert.

Das Marktvolumen für Flurförderzeuge sank Jungheinrich zufolge im ersten Haljahr 2020 weltweit. (Symbolbild: Jungheinrich)
Das Marktvolumen für Flurförderzeuge sank Jungheinrich zufolge im ersten Haljahr 2020 weltweit. (Symbolbild: Jungheinrich)
Melanie Endres

Die Jungheinrich AG hat am 11. August ihr Ergebnis für das erste Halbjahr 2020 veröffentlicht. Die Kennzahlen sind der Pressemitteilung zufolge stark von dem im Zuge der Corona-Pandemie zu verzeichnenden weltweiten Marktrückgang für Flurförderzeuge im zweiten Quartal geprägt. So reduzierte sich laut Angaben im ersten Halbjahr 2020 der Auftragseingang im Wert um 12,3 Prozent auf 1.811 Millionen Euro. Der Umsatz ging um 7,9 Prozent auf 1.801 Millionen Euro zurück. Frühzeitig im Konzern eingeleitete und konsequent umgesetzte Maßnahmen zur Kostensenkung und Liquiditätssicherung konnten die Auswirkungen der Krise auf Jungheinrich nach Eigenangaben jedoch erfolgreich eingrenzen. Das Unternehmen habe seinen Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit verdoppelt, seine Nettoverschuldung deutlich reduziert und verfüge über eine solide Liquiditätsreserve.

Dr. Lars Brzoska, Vorsitzender des Vorstandes der Jungheinrich AG: „Die Covid-19-Pandemie hat die Weltwirtschaft im ersten Halbjahr 2020 in einem beispiellosen Ausmaß getroffen. Diesem globalen Ereignis konnte sich auch die Intralogistikbranche nicht entziehen. Es zahlt sich jedoch aus, dass wir Jungheinrich aufgrund unserer Erwartung einer globalen Konjunktureintrübung bereits im vergangenen Jahr wetterfest gemacht haben. Dadurch waren wir im Frühjahr 2020 in der Lage, umgehend auf die Corona-Pandemie zu reagieren und erfolgreiche Maßnahmen zur Kostensenkung und Liquiditätssicherung einzuleiten, um so die Auswirkungen der Krise auf Jungheinrich zu verringern. Den Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit haben wir gegenüber dem Vorjahr verdoppelt und gleichzeitig die Nettoverschuldung deutlich reduziert. Mit seinem hohen und stabilen Umsatzanteil hat insbesondere auch der Jungheinrich-Kundendienst dazu beigetragen, dass wir uns in der Corona-Krise gut behaupten konnten. Mit unserer Expertise in der Lithium-Ionen-Technologie ist Jungheinrich für das beginnende Jahrzehnt der Elektromobilität hervorragend aufgestellt. Unsere Automatisierungslösungen garantieren einen sicheren und effizienten Materialfluss, der auch in Krisenzeiten stabil läuft. Auf dieser Grundlage bin ich fest davon überzeugt, dass Jungheinrich gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen wird.“

Weniger Fahrzeuge

Die Bestellungen für Neufahrzeuge mit 53.900 Fahrzeugen lagen im 1. Halbjahr 2020 deutlich unter dem Vorjahreszeitraum (67.000 Fahrzeuge). Der wertmäßige Auftragseingang des Jungheinrich-Konzerns blieb mit 1,81Milliarden Euro ebenfalls hinter dem Vorjahr (2,07 Milliarden Euro) zurück, so die Mitteilung. Der Konzernumsatz betrug – vor allem vor dem Hintergrund des guten Auftragsbestandes zum Ende des 1. Quartals 2020 – 1,80 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,96 Milliarden Euro).

EBIT gesunken

Im 1. Halbjahr 2020 wurde ein EBIT in Höhe von 95 Millionen Euro (Vorjahr: 125 Millionen Euro) erzielt. Das EBT betrug 82 Millionen Euro (Vorjahr: 117 Milllionen Euro). Entsprechend lag die EBIT-Rendite bei 5,3 Prozent (Vorjahr: 6,4 Prozent) und die EBT-Rendite bei 4,5 Prozent (Vorjahr: 6,0 Prozent). Die Vorjahreswerte wurden Jungheinrich zufolge geringfügig angepasst und berücksichtigen die bereits in der Quartalsmitteilung zum 30. September 2019 berichteten und sich nahezu kompensierenden Ergebniseffekte.

Verbesserung bei Nettoverschuldung

Die Nettoverschuldung lag zum Berichtsstichtag bei 36 Millionen Euro. Die Verbesserung um 136 Millionen Euro gegenüber dem Jahresende 2019 (172 Millionen Euro) resultierte laut Unternehmensangaben vorrangig aus den Maßnahmen zur Reduktion des Working Capital und der verminderten Zuführung von Neufahrzeugen in die Mietflotte. Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit erreichte im Zeitraum Januar bis Juni 2020 rund 201 Millionen Euro und verdoppelte sich damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum (99 Millionen Euro), so die Angaben. Getragen wurde der starke Zuwachs demnach durch den deutlich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 125 Millionen Euro verminderten Mittelabfluss für Zugänge der Miet- und Leasinggeräte sowie Forderungen aus Finanzdienstleistungen.

Prognose für Geschäftsjahr 2020

Am 22. Juli 2020 hatte der Vorstand der Jungheinrich AG unter Berücksichtigung der derzeit erwarteten Folgen der COVID-19-Krise eine neue Prognose für das Geschäftsjahr 2020 veröffentlicht. Danach rechnet Jungheinrich laut Pressemeldung für das Jahr 2020 mit einem Auftragseingang zwischen 3,4 Milliarden Euro und 3,6 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz dürfte sich ebenfalls innerhalb einer Bandbreite von 3,4 Milliarden Euro bis 3,6 Milliarden Euro bewegen. Das Ergebnis vor Finanzergebnis und Ertragsteuern (EBIT) sollte 2020 laut Angaben nach aktueller Einschätzung zwischen 130 Millionen Euro und 180 Millionen Euro liegen. Die EBIT-Rendite werde in einer Bandbreite von 3,8 Prozent bis 5,0 Prozent erwartet. Für das Ergebnis vor Steuern (EBT) soll ein Wert zwischen 105 Millionen Euro und 155 Millionen Euro erreicht werden. Die EBT-Rendite soll bei 3,1 Prozent bis 4,3 Prozent liegen. Des Weiteren wird zum Jahresende 2020 eine Nettoverschuldung von deutlich unter 50 Millionen Euro erwartet. Der ROCE für das Geschäftsjahr 2020 dürfte zwischen acht und zwölf Prozent liegen, so die Angaben in der Pressemeldung. Jungheinrich strebt laut eigenen Angaben darüber hinaus im Vergleich zum Geschäftsjahr 2019 eine leichte Verbesserung seines Marktanteiles in Europa (2019: 20,2 Prozent) an.

Marktentwicklung nach Regionen

Weltweit sank das Marktvolumen für Flurförderzeuge laut Pressemeldung im 1. Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent. Das entspricht den Angaben zufolge 52.000 Fahrzeugen. In Europa war die rückläufige Entwicklung im 2. Quartal 2020 (minus 28 Prozent) vor dem Hintergrund der Ausbreitung der Covid-19-Pandemie in den europäischen Mitgliedsländern deutlich stärker als im 1. Quartal 2020 (minus fünf Prozent). Insgesamt ist der Rückgang des Weltmarktes für Flurförderzeuge im Berichtszeitraum zu 80 Prozent auf die stark gesunkenen Bestellungen im europäischen Markt zurückzuführen.

Marktentwicklung nach Produktsegmenten

Das globale Marktvolumen im Produktsegment „Lagertechnik“ ging gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fünf Prozent zurück. Treiber hierfür war laut Jungheinrich die rückläufige Marktentwicklung in Europa. Das um 13 Prozent niedrigere Weltmarktvolumen für elektromotorische Gegengewichtsstapler basiere zu 71 Prozent ebenfalls auf der sinkenden Nachfrage in Europa. Der weltweite deutliche Rückgang der Nachfrage nach Staplern mit verbrennungsmotorischem Antrieb um sieben Prozent sei auf geringere Bestellungen in Nordamerika und Europa zurückzuführen.

Geschäftsentwicklung von Jungheinrich

Insbesondere der Marktentwicklung in Europa folgend ging der stückzahlbezogene Auftragseingang im Neugeschäft, der die Bestellungen für Neufahrzeuge einschließlich der für Mietgeräte enthält, im 1. Halbjahr 2020 um 20 Prozent auf 53.900 Fahrzeuge zurück (Vorjahr: 67.000 Fahrzeuge). Neben der rückläufigen Nachfrage war den Angaben zufolge der niedrigere Wert auch durch die deutliche Reduzierung der Aufträge für die eigene Mietflotte beeinflusst. Der wertmäßige Auftragseingang, der alle Geschäftsfelder – Neugeschäft, Miete und Gebrauchtgeräte sowie Kundendienst – umfasst, blieb im Berichtszeitraum mit 1.811 Millionen Euro um zwölf Prozent hinter dem Vorjahreswert von 2.065 Millionen Euro zurück. Der Auftragsbestand des Neugeschäftes betrug zum 30. Juni 2020 der Pressemeldung zufolge 824 Millionen Euro und war somit um 191 Millionen Euro beziehungsweise 19 Prozent niedriger als der Vorjahreswert (1.015 Millionen Euro). Gegenüber dem Bestandswert von 787 Millionen Euro zum Jahresende 2019 ergab sich dennoch ein Aufbau um 37 Millionen Euro beziehungsweise fünf Prozent.

Konzernumsatz gesunken

Der Konzernumsatz erreichte im 1. Halbjahr 2020 mit 1.801 Millionen Euro einen um acht Prozent niedrigeren Wert als im Vorjahreszeitraum (1.956 Millionen Euro). Die Erlöse im wichtigsten Einzelmarkt Deutschland sanken im Berichtszeitraum um 8 Prozent auf 429 Millionen Euro (Vorjahr: 465 Millionen Euro). Die Auslandsumsätze gingen ebenfalls um acht Prozent auf 1.372 Millionen Euro (Vorjahr: 1.491 Millionen Euro) zurück. Die Auslandsquote blieb damit konstant (Vorjahr: 76 Prozent). Außerhalb Europas erreichten die Umsatzerlöse 232 Millionen Euro (Vorjahr: 274 Millionen Euro). Das entspricht einem Anteil am Konzernumsatz von 13 Prozent (Vorjahr: 14 Prozent), so die Angaben in der Pressemitteilung.

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