Beschaffung: 2021 fordert Flexibilität und Transparenz

Neben der Coronakrise treiben Regularien wie das erwartete Lieferkettengesetz die Entwicklung, glaubt IT-Anbieter Ivalua.

2021 rücken nach Überzeugung des IT-Anbieters Ivalua die Lieferantendaten in den Fokus. (Foto: Sergey Nivens / Fotolia)
2021 rücken nach Überzeugung des IT-Anbieters Ivalua die Lieferantendaten in den Fokus. (Foto: Sergey Nivens / Fotolia)
Therese Meitinger

Auch im neuen Jahr muss sich das Procurement auf ein herausforderndes Umfeld einstellen. Dabei kommt es nach Ansicht von Jan-Hendrik Sohn, Regional Director DACH und CEE beim IT-Anbieter Ivalua, vor allem darauf an die Chancen digitaler Modelle zu nutzen, um etwa Lieferketten flexibel zu halten und die Einhaltung neuer Regularien transparent zu machen. Im Folgenden schildert er die für 2021 wichtigsten Beschaffungstrends aus Sicht des französisch-amerikanischen Anbieters von Cloud-basierten Spend-Management-Lösungen.

1. Flexible Lieferketten bleiben Top-Priorität bei Einkaufsentscheidern

Die Corona-Pandemie und Handelsstreitigkeiten werden die internationale Wirtschaft auch 2021 weiter beschäftigen, ist Sohn überzeugt. Damit Einkaufsorganisationen schneller auf disruptive Ereignisse wie eine Pandemie oder einen Brexit reagieren könnten, müssten sie ihre Lieferketten möglichst flexibel halten – und bei Bedarf auf entsprechende Ersatzlieferanten ausweichen können. Ivalua geht fest davon aus, dass Einkaufsentscheider in 2021 dieser Aufgabe hohe Priorität einräumen und dabei sowohl ihre Sourcing-Strategien, Partnerschaften als auch die zugehörigen Prozesse entsprechend anpassen werden.

2. Neue Regularien erfordern umfassende Lieferkettentransparenz

Unternehmen müssen sich aus Sicht von Jan-Hendrik Sohn 2021 verstärkter denn je auf eine Verschärfung gesetzlicher Regelungen vorbereiten. Zu den wichtigsten Treibern gehört für ihn ein bereits intensiver diskutiertes Lieferkettengesetz, dessen Verabschiedung in Deutschland und auch auf europäischer Ebene immer wahrscheinlicher wird. Hinzu komme die bereits angekündigte Nachhaltigkeitspolitik der neuen US-Regierung und die Verpflichtung Chinas zur Kohlendioxidreduktion. Das bedeutet Ivalua zufolge: Werden neue Regelungen beschlossen, sind Organisationen für deren Einhaltung innerhalb ihrer gesamten Lieferkette verantwortlich. Einkäufer müssten sicherstellen, dass ihre Partner und deren Sublieferanten diese Richtlinien einhalten. Die Schaffung von Transparenz in Lieferketten werde deshalb 2021 ein wichtiges Thema für Einkaufsorganisationen sein.

3. Traditionelle Sourcing-Modelle stehen auf dem Prüfstand

Gerade in Zeiten von Covid-19 können rein preisorientiertes Single- oder Dual-Sourcing sowie eine von asiatischen Lieferanten dominierte Lieferkette die Produktion innerhalb kurzer Zeit zum Stillstand bringen, argumentiert Jan-Hendrik Sohn. Dieses Problem haben ihm zufolge auch Zulieferer und deren Sublieferanten. Ivalua deshalb fest davon aus, dass Einkaufsentscheider 2021 ihre Sourcing-Strategien anpassen und sogar bewährte Produktionsmodelle wie Just-in-Time- oder Just-in-Sequence-Produktion auf den Prüfstand stellen werden. Bei der Auswahl und Zusammenarbeit mit Lieferanten sollen zudem Aspekte wie soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle spielen. Kaum ein Unternehmen könne und wolle es sich leisten, Partner zu beauftragen, die Kinder oder Zwangsarbeiter beschäftigen, so Ivalua. Damit sie entsprechende Risiken besser abschätzen können, werden Einkäufer Sohn zufolge tiefere Einblicke in die Lieferketten ihrer Partner anstreben.

4. 2021 wird das Jahr der Lieferantendaten

Die Flexibilisierung von Lieferketten, die Umsetzung neuer Regelungen sowie das Treffen fundierter Einkaufsentscheidungen erfordern eine Vielzahl unterschiedlicher Informationen sowie deren strukturierte Analyse. Gleiches gilt nach Ansicht von Ivalua für das Thema Risikomanagement. Gerade bei der Arbeit mit komplexen Lieferketten und Sublieferanten werden Organisationen dem Anbieter zufolge auf seriöse Daten von Dritten sowie deren schnelle und effiziente Analyse angewiesen sein. Sohn geht fest davon aus, dass entsprechende Anbieter 2021 eine hohe Nachfrage verzeichnen werden. Gleiches gelte für entsprechende Softwarelösungen, die eine Vielzahl unterschiedlicher Daten auswerten und dem Einkauf zur Verfügung stellen können.

5. Unternehmen setzen wieder auf Wachstum – und müssen digitalisieren

Die Planung für die Zeit nach der Pandemie laufen laut Ivalua auf Hochtouren: Unternehmen wollen demzufolge Wettbewerbsvorteile ausbauen, neue Geschäftsfelder erschließen und wieder wachsen. Führungskräfte im Beschaffungswesen würden zeigen müssen, dass sie durch Innovation und Flexibilität ihren Beitrag zur Wertschöpfung des Unternehmens leisteten – und sowohl Umsatz als auch Gewinne steigern könnten, so Jan-Hendrik Sohn. Dazu werde eine stärkere Digitalisierung sowie ein höheres Engagement im Bereich der Prozessautomatisierung immer wichtiger. Ivalua geht deshalb fest davon aus, dass Organisationen die Digitalisierung ihrer Procure-to-Pay-Prozesse deutlich schneller als vor der Pandemie vorantreiben und die Zusammenarbeit mit Lieferanten und internen Interessengruppen auf ein neues Level bringen wollen.

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