Batteriezellen: Wie der VW-Konzern End-to-End Supply Chains aufbauen will

Der Wolfsburger Automobilhersteller hat die Tochterfirma PowerCo SE gegründet, um eine nachhaltige Versorgung für die Batterieherstellung zu sichern.

Matthias Braun, Leiter Logistik von PowerCo SE, möchte End-to-End Supply Chains für die Batteriefertigung des Volkswagen Konzerns etablieren. (Bild: BVL)
Matthias Braun, Leiter Logistik von PowerCo SE, möchte End-to-End Supply Chains für die Batteriefertigung des Volkswagen Konzerns etablieren. (Bild: BVL)
Gunnar Knüpffer

Wie der VW-Konzern dafür sorgen will, dass seine Batteriezellenfertigung nachhaltig mit Rohstoffen beliefert wird, erläuterte Matthias Braun, Leiter Logistik von PowerCo SE in Salzgitter, auf einem Vortrag beim Deutschen Logistik-Kongress 2022 in Berlin. Der VW-Konzern hatte im Juli die Tochterfirma PowerCo SE gegründet. Diese verantwortet die gesamten Value-Chain-Aktivitäten des Konzerns für die Batterie. „Das ist ein ganzheitlicher Ansatz“, erläuterte Braun, „es geht nicht nur darum, den E-Antrieb herzustellen, sondern um die Betrachtung der gesamten Versorgungskette.“

PowerCo kann auf keine bisherigen VW-Lieferanten zurückgreifen

„Wir wollen in Europa ein Netzwerk an Giga-Factorys für die Batteriezellenfertigung aufbauen“, kündigte der Leiter Logistik an. Nach Salzgitter sei Valencia der nächste Standort. Weitere Standorte sollen in Osteuropa und Nordamerika hinzukommen.

Dabei unterscheide sich die Batteriezellenfertigung fundamental von der bisherigen Automobilproduktion. „Wir können auf keinen bisherigen Lieferanten zurückgreifen, die der VW-Konzern bisher hatte“, erklärte Braun. Auch benötige jedes einzelne Material seine eigene Verpackung, das seien multiple Verpackungen. Denn die Sauberkeitsanforderungen innerhalb der Prozesse seien so hoch, dass verschiedene Sauberkeitszonen existieren. Für jede Sauberkeitszone gibt es dann nach einer "Zwiebeltaktik" eine Verpackungsschicht weniger. „Auch die gesamte Produktion ist anders“, sagte der Logistikverantwortliche. Es werde eine große Reinheit benötigt, dort transportieren nicht einfach Mitarbeiter mit einem Hubwagen Produkte.

„Wir müssen uns die Projekte jetzt integrativ anschauen“, meinte Braun. Es werde eine engere Verzahnung mit der Fahrzeugproduktion benötigt. In einer Fertigung von Batteriezellen in einem chemischen Prozess, wo Seltene Erden benötigt werden, müssten sie ganz andere Wege gehen, um sich die Rohstoffe zu sichern. Dabei gehe es um eine horizontale Integration von den Partnern in der Prozesskette: „Wir müssen nicht nur bis zum Tier 1-Zulieferer schauen, sondern das Ende der Kette betrachten“, sagte Braun.

Dafür müssten aktive Partnerschaften, Verträge und Joint Ventures eingegangen werden, sodass eine Steuerung stattfinde, wenn man zum Beispiel im Kongo in einer Mine Material bestelle und den gesamten Transportprozess im Auge habe. Das Monitoring der vollständigen Kette sei eine Möglichkeit, eine End-to-End Supply Chain in der Automobilindustrie aufzubauen, die man mit Partnern steuert.

Der Deutsche Logistik-Kongress 2022 findet vom 19. bis. 21 Oktober in Berlin statt. Er steht unter dem Motto: "Supply Chains matter!".

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