Autonomes Terminal: Container-Projekt Anita wird konkret

Mit einer „Missionsplanung“ geht die Fahrzeugentwicklung für die automatisierten Lkw in die entscheidende Phase, so die Projektpartner.

Völlig autonom soll sich später einmal der Lkw durch das Terminal manövrieren. (Foto: MAN Truck & Bus)
Völlig autonom soll sich später einmal der Lkw durch das Terminal manövrieren. (Foto: MAN Truck & Bus)
Therese Meitinger
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Im Rahmen des Projekts Anita (Autonome Innovation im Terminalablauf) sollen sich spätestens 2023 automatisierte Lkw auf einem Container-Depot bewegen. Als Testgelände haben die Projektpartner die Anlage von DB Intermodal Services und dem Duss-Terminal (Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene-Straße) in Ulm Dornstadt erkoren. Der Schaltplan, der die Abläufe und Prozesse am Terminal universell für alle beteiligten Systeme übersetzt, steht nach Angaben der Projektpartner inzwischen.

Mit dieser „Missionsplanung“ gehe nun die Fahrzeugentwicklung in die entscheidende Phase, teilt MAN Truck & Bus in einer Presseerklärung vom 28. Januar mit. Der Nutzfahrzeughersteller liefert den Lkw für das Projekt. Die Software für den automatisierten Fahrzeugeinsatz kommt von der Hochschule Fresenius und dem Züricher Softwareentwickler Deon Digital. Die Plattform für einen autonomen Hub-to-Hub-Verkehr basiere auf wissenschaftlicher Vor-Ort-Analyse, heißt es. Diese solle auch standortübergreifend zum Einsatz kommen.

Dank der guten Grundlagenarbeit der Hochschule Fresenius und der Erstellung der Missionsplanung könne MAN nun die nächsten Entwicklungsschritte für den Anita-Lkw einleiten, freut sich MAN-Projektleiterin Amelie Jacquemart-Purson über diesen ersten Meilenstein.

„So kommen wir unserem gemeinsamen Ziel, autonome Lkw im Containerumschlag einzusetzen, immer näher. Diese Projekt-Testfahrten werden uns als MAN auch weitergehende Erkenntnisse für die Entwicklung des künftigen autonomen Fahrens im Hub-to-Hub Verkehr auf fest definierten Strecken zwischen Logistikterminals liefern.“

Fahrzeuge und unterschiedliche IT-Systeme miteinander verbinden

Bereits im Sommer 2021 hatte die Hochschule Fresenius ihre Analyseergebnisse präsentiert, nachdem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Dr. Christian T. Haas in Kooperation mit MAN Truck & Bus Prozesse und Verhaltensweisen von Menschen und Maschinen vor Ort analysiert hatten. Denn damit künftig ein Lkw voll automatisiert auf die Terminals in Ulm fahren kann, muss er sich mit der Infrastruktur verständigen können, argumentieren die Projektpartner. Diese Erkenntnisse habe die Hochschule Fresenius nun gemeinsam mit ihrem Partner Deon Digital in ein digitales Regelwerk übertragen und dafür verschiedene Module auf Basis einer gemeinsamen Sprache programmiert, heißt es.

„Für eine eindeutige und vollständige Kommunikationskette haben wir dafür als gemeinsame Sprache die CSL Contract Specification Language von Deon Digital genutzt“, erläutert Haas. „Damit werden alle Prozesse als einzelne Verträge aufgesetzt.“

Entstanden ist eine komplette Missionsplanung, die sowohl das Fahrzeug als auch die beiden sehr unterschiedlichen IT-Systeme von Container- und Duss-Terminal miteinander verbindet. Wie ein Universal-Dolmetscher spricht die Lösung die Sprachen aller heterogenen Systeme und leitet den automatisierten Lkw durch den Prozess des Containerumschlags. Diese Software, die laufend optimiert wird, können die Projektpartner MAN Truck & Bus und Götting nun in die Entwicklung des autonomen Fahrzeugs einfließen lassen.

Voraussichtlich Ende des Jahres 2022 sollen die ersten Testfahrten mit dem Prototypen-Lkw in Ulm Dornstadt stattfinden. Perspektivisch sollen auch in anderen Containerterminals der DB AG in Deutschland digitalisiert und automatisiert werden – entlang einer Roadmap, die zum zukünftigen Terminal 4.0 führt.

„Durch eine automatisierte Umfuhr von Ladeeinheiten zwischen unserem Umschlagterminal und dem Containerdepot können Kombinierte Verkehre noch effizienter und nachhaltiger abgewickelt werden“, erläutert Thomas Wünsch, Projektleiter IT und Prozesse bei der Duss.

„Auch das Containerdepot der DB Intermodal Services profitiert von dem Innovationsprojekt. Durch die Integration des autonomen Lkw in die realen Terminalabläufe sammeln wir wertvolle Erfahrungen für unseren Betrieb“, schließt Jens Pröse, Leiter Ablauforganisation bei der DB IS an.

Als Partner arbeiten in dem Projekt Deutsche Bahn, MAN Truck & Bus, Hochschule Fresenius und Götting KG zusammen.

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