Automobillogistik: Volkswagen nimmt neue Logistikkette in Betrieb

Am Standort Zwickau wird die von nun an eine grüne Batterie-Logistik für die Modelle ID.3 und ID.4 abgewickelt.

Der symbolische Startschuss für die grüne Batterie-Logistik am VW-Standort Zwickau (v. l.): Dirk Coers (Geschäftsführer Volkswagen Sachsen), Ronny Wolf (Leiter Logistik, Volkswagen Sachsen), Sachsens Umwelt- und Klimaminister Wolfram Günther, Torsten Rautenberg (Betriebsrat) und Ulrike Denner (Logistik-Projektverantwortliche). (Foto: Volkswagen Sachsen)
Der symbolische Startschuss für die grüne Batterie-Logistik am VW-Standort Zwickau (v. l.): Dirk Coers (Geschäftsführer Volkswagen Sachsen), Ronny Wolf (Leiter Logistik, Volkswagen Sachsen), Sachsens Umwelt- und Klimaminister Wolfram Günther, Torsten Rautenberg (Betriebsrat) und Ulrike Denner (Logistik-Projektverantwortliche). (Foto: Volkswagen Sachsen)
Melanie Wack

Der Volkswagen Konzern macht den Batterie-Transport für die Elektrofahrzeuge „ID.3“ und „ID.4“ nach eigenen Angaben umweltfreundlicher und effizienter. Wie der Automobilkonzern am 30. November verkündet hat, wurde am selben Tag im Werk Zwickau der letzte Teil einer grünen Logistikkette von Polen über Braunschweig an den sächsischen Standort in Betrieb genommen. Es handelt sich dabei um eine Anlage, die Batteriesysteme vollautomatisch von den ankommenden Zügen ablädt. Der CO2-Ausstoß soll damit um rund 11.000 Tonnen jährlich im Vergleich zum Transport per Lkw sinken. Das entspricht der Mitteilung zufolge den jährlichen CO2-Emissionen einer Ortschaft mit mehr als 1.000 Einwohnern. Den Startknopf für die neue Anlage drückten in Zwickau Reinhard de Vries, Geschäftsführer Technik & Logistik Volkswagen Sachsen, und Wolfram Günther, Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft des Freistaates Sachsen.

„Mit dieser grünen und effizienten Logistikkette leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Emissionen des Konzerns und zur bilanziell klimaneutralen Auslieferung des Volkswagen ID.3 und ID.4“, so Thomas Zernechel, Leiter Volkswagen Konzernlogistik.

Grüner Transport

Um die Batterien möglichst umweltschonend nach Zwickau zu bringen, werden die Zellmodule laut Volkswagen Sachsen per Bahn beim Lieferanten im polnischen Wrocław abgeholt und zunächst in das Braunschweiger Werk der Volkswagen Group Components gebracht. Beim Zugtransport mit DB Cargo kommt laut Pressemeldung in Deutschland 100 Prozent Ökostrom zum Einsatz. In Braunschweig werden die Zellen vollautomatisch entladen und zu Batteriesystemen montiert. Diese werden vollautomatisch auf den Waggon aufgeladen und wiederum per Schiene nach Zwickau transportiert. Auch dabei kommt Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz, so die Mitteilung. Für die letzte Meile zwischen der Be- und Entladestation Harvesse und der Braunschweiger Werkshalle werden die Transportbehälter auf E-Lkw umgeladen, da in Braunschweig der Gleisanschluss noch nicht direkt an die Montagestelle führt.

Volkswagen Sachsen-Geschäftsführer de Vries: „Zwickau ist im Volkswagenkonzern das Kompetenzzentrum für Elektromobilität in Europa. ID.3 und ID.4 werden hier bilanziell klimaneutral gefertigt. Der umweltfreundliche Transport der Batterien ist ein weiteres wichtiges Puzzleteil auf dem Weg zur emissionsfreien Fabrik im Rahmen der markenübergreifenden Nachhaltigkeitsstrategie ‚goTOzero‘. Unser Weg stimmt: Seit 2017 konnten wir den CO2-Ausstoß am Standort Zwickau um 60 Prozent senken – das sind mehr als 100.000 Tonnen pro Jahr.“

Maximale Auslastung

Für den Transport haben Logistiker des Volkswagen Konzerns Spezialbehälter entwickelt, in denen sowohl die Zellmodule als auch die fertig montierten Systeme befördert werden. Sie sind so konzipiert, dass die Waggons bei Gewicht und Volumen maximal ausgelastet sind. Aktuell verkehren demnach fünf Züge pro Woche zwischen Braunschweig und Zwickau – die Frequenz der Fahrten wird noch steigen.

Modern und effizient

Die Anlagen in Zwickau und das Gegenstück in Braunschweig gelten Volkswagen Sachsen zufolge als die modernsten ihrer Art in der Industrie. Der hohe Automatisierungsgrad sei eine wichtige Voraussetzung für die effiziente Batteriemontage an deutschen Standorten. Herzstücke der Anlagen in Braunschweig sind den Angaben zufolge die Ladewagen und in Zwickau die Ladelifte mit jeweils einem Eigengewicht von rund 25 Tonnen. Sie fahren auf eigenen Schienen entlang des Zuges und heben die Spezialbehälter mit Batteriemodulen beziehungsweise Batteriesystemen automatisch aus oder in die Waggons, so die Mitteilung. Das Be- oder Entladen eines Zugs dauert nur rund fünf Stunden.

Energie- und Klimaschutzminister Günther würdigte das Projekt: „Volkswagen geht voran. Wir brauchen solche Vorhaben in der gesamten Breite industrieller Fertigung und Logistik. Hier werden Energiewende und Klimaschutz ganz konkret realisiert. Das gilt auch für viele weitere Projekte, Produkte und Abläufe in der sächsischen Wirtschaft. Die Industrie ist für Klimaschutz und Energiewende ein wacher, innovativer und unverzichtbarer Partner. Gleichzeitig zeigt sich, dass wir wesentlich schneller wesentlich mehr Energie aus erneuerbaren Quellen brauchen. Sie ist ein entscheidender Standortfaktor für das Energie- und Industrieland Sachsen.“

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