Automobillogistik: Audi setzt auf „Predictive Maintenance“

Das konzernweite Projekt zur vorausschauenden Wartung wird aktuell im Karosseriebau am Standort Neckarsulm getestet.

Mathias Mayer (l.) und Andreas Rieker (r.) haben das Projekt „Predictive Maintenance“ entwickelt. (Foto: Audi)
Mathias Mayer (l.) und Andreas Rieker (r.) haben das Projekt „Predictive Maintenance“ entwickelt. (Foto: Audi)
Therese Meitinger

Das Projekt „Predictive Maintenance“ am Audi-Standort Neckarsulm soll laut einer Mitteilung vom 21. Juli die Wartung von Produktionsanlagen effizienter machen und damit für geringere Ausfallzeiten in der Produktion sorgen. Durch das Sammeln und Interpretieren von Daten soll dabei der Verschleiß an Produktionsanlagen vorhersehbar werden.

Das konzernweite Vorreiterprojekt wird Audi zufolge aktuell im Karosseriebau am Standort Neckarsulm getestet. „Predictive Maintenance“, also die vorausschauende Instandhaltung, erkenne dort möglichen Verschleiß an einer Füge-Anlage, die verschiedene Karosseriebauteile zusammennietet, so der Autobauer.

„In den Stanznietsystemen werden zwischen 600.000 und 1,2 Millionen Niete mit Druckluft durch einen Kunststoffschlauch getrieben. Bei dieser Technik wird der Stanzniet mit bis zu 20 Metern pro Sekunde durch den Schlauch befördert. Dadurch entstehen Verschleißspuren innerhalb des Schlauchs“, sagt Andreas Rieker, Instandhaltungsplaner am Audi-Standort Neckarsulm.

Plötzliche Anlagenausfälle weitgehend ausschließen

Um den bestmöglichen Zeitpunkt für den Austausch der Schläuche zu bestimmen, haben die Audi-Mitarbeiter nach Unternehmensangaben über eine Million Daten, sogenannte Big Data, gesammelt und ausgewertet. Plötzlich auftretende Anlagenausfälle könnten damit weitestgehend ausgeschlossen und anfallende Wartungsarbeiten in der produktionsfreien Zeit durchgeführt werden, heißt es.

„Unser Ziel ist es, den Verschleiß und auftretende Probleme zu erkennen, bevor sie entstehen. Wir werfen sozusagen einen Blick in die Zukunft – mithilfe von Daten, Algorithmen und Messwerten“, meint Mathias Mayer vom Tech Hub Data Driven Production am Audi-Standort Neckarsulm.

Die Prozesse werden von den Mitarbeitern Audi zufolge außerdem standardisiert, um mehrere Anlagen und Maschinen mit Datenbanken zu verbinden. In naher Zukunft sollen demnach auch andere Prozessdaten ausgelesen und interpretiert werden. „Predictive Maintenance“ soll nach einer erfolgreichen Pilotphase in die Serienproduktion gehen und auch an anderen Anlagen und in anderen Bereichen eingesetzt werden.

Die Instandhalter im Neckarsulmer Karosseriebau nutzen nach Firmenangaben zudem die App „iMaintenance“ – eine Wissensdatenbank mit rund 5.000 Seiten Material, klaren Maßnahmen zur Fehlerbehebung und Handlungsempfehlungen. Zeige eine Maschine einen Fehlercode an, könne der Audianer diesen einfach auf einem Tablet eingeben und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung erhalten, was bei der Instandhaltung zu tun sei. Die App „iMaintenance“ ist dem Autobauer zufolge Teil des Gemeinschaftsprojekts „Mobile Integrated Maintenance“ von den Audi-Standorten Ingolstadt und Neckarsulm.

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