Automatisierung: Fahrerlose Transportsysteme bei Arvato

Sechs automatisierte Flurförderzeuge kommen im Distributionszentrum Harsewinkel bei Arvato Supply Chain Solutions zum Einsatz.

In Harsewinkel (v.l.n.r.): Klaus Ochs (Haustechnik), Matthias Anderson und Martin Döltgen (beide Logistics Engineering), Fabian Generotzky (Director Operations), Erich Berg (Projektleiter) und Kai Lienemann (IT). (Foto: Jungheinrich)
In Harsewinkel (v.l.n.r.): Klaus Ochs (Haustechnik), Matthias Anderson und Martin Döltgen (beide Logistics Engineering), Fabian Generotzky (Director Operations), Erich Berg (Projektleiter) und Kai Lienemann (IT). (Foto: Jungheinrich)
Melanie Endres
(erschienen bei LOGISTRA von Tobias Schweikl)

Im Distributionszentrum Harsewinkel bei Arvato Supply Chain Solutions kommen sechs automatisierte Flurförderzeuge bei bodenebenen Palettentransporte zum Einsatz, das vermeldete Jungheinrich kürzlich. Aus Harsewinkel heraus erbringt Arvato unter anderem Logistikdienstleistungen für Kunden aus der Pharma- und Medizintechnikindustrie, dafür stehen laut Pressemitteilung 31.000 Quadratmeter zur Verfügung.

Gegen den Fachkräftemangel

Um den steigenden internen Palettentransport zu entlasten, aber auch um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, hat der Standort in die fahrerlosen Transportfahrzeuge (FTF) der Jungheinrich AG investiert. Im Sommer 2019 wurden dafür laut Mitteilung in der Logistikanlage rund 300 Reflektoren an Wänden und Regalen entlang der Transportwege angebracht. Diese werden Jungheinrich zufolge von einem Laserscanner auf den Fahrzeugen erkannt und dienen als Navigationspunkte. Dadurch könne das FTF mittels Triangulation auf bis zu zwei Millimeter genau navigieren.

Während der Implementierungsphase wurden auch die Steuerung der Fördertechnik erneuert, Bodenmarkierungen nach 5S-Standards angebracht und Drehplätze sowie Pufferregale auf der zentralen Bewegungsschiene aufgestellt, um Paletten automatisiert puffern zu können und Längs- als auch Quertransporte abzubilden.

Schnittstellen zur IT

Abgerundet wird die neue Technik durch Systemschnittstellen zur Lagerverwaltungssoftware, zur Steuerung der Fördertechnik sowie durch die Einführung von FTS-spezifischen Scan-Dialogen. Bereits Anfang des Jahres wurden die Mitarbeiter des Wareneingangs, Warenausgangs und internen Transports über das Konzept sowie die entsprechenden Verhaltensregeln unterrichtet, so die Mitteilung.

Hulk, Batman und Superman

Die sechs Fahrzeuge, die nach bekannten Superhelden wie „Hulk“, „Batman“ oder „Superman“ benannt worden sind, fahren alle Läger, den Wareneingang und Warenausgang sowie den Entsorgungsbereich zur Entleerung der Müllcontainer an. Aus den von der Lagerverwaltungssoftware erzeugten Transportaufträgen werden Fahraufträge für das FTS generiert. Über die jeweiligen Vor- und Nachlagerplätze werden die Quelle und die Senke für das automatische System erzeugt. Die FTF navigieren dabei eigenständig durch das Lager, öffnen Tore und setzen Palettenfördertechniken in Betrieb, so Jungheinrich.

„Durch die Schnittstellen zwischen dem FTS und der Lagerverwaltungssoftware sowie der Fördertechnik hat jede Palettenbewegung ein Statusupgrade integriert. So können wir in Echtzeit nachverfolgen, wo sich eine Palette gerade befindet“, erläutert Erich Berg, leitender Projektmanager bei Arvato.

Verladung ist eingebunden

Zusätzlich übernimmt das System Transporte für fertig gestellte Warenausgangspalletten. Die Lagerverwaltungssoftware überprüft, ob es für den Frachtführer schon eine Verladereihe gibt oder eröffnet eine neue Verladereihe und gibt diese der Steuerungssoftware vor.

„Wir können das System jederzeit auch manuell unterstützen. Per Leitrechner haben wir die Möglichkeit, bestimmte Bereiche beziehungsweise Hallenabschnitte zu sperren, um den Mischverkehr zwischen den automatisierten und manuellen Hallen so gering wie möglich zu halten“, erklärt Matthias Anderson aus dem Bereich Logistics Engineering.

Ist ein Hindernis im Weg, bleibt das Fahrzeug stehen, bis dieses beseitigt ist. Eine Anbindung an die Personenschutzanlage, an die Schnelllauftore sowie an die Brandschutztore und die Brandmeldeanlage ist ebenfalls vorhanden. Im Falle eines Alarms fährt das Fahrerlose Transportsystem eigenständig aus dem Gefahrenbereich hinaus.

Zwischenladen in Auftragspausen

Dank der Lithium-Ionen-Akkus können die Fahrzeuge bis zu acht Stunden unter Vollauslastung fahren, bevor sie aufgeladen werden müssen. Die Fahrzeuge fahren bei Betriebsschluss oder sobald alle Aufträge erledigt wurden, selbstständig an die Ladestationen zurück. Durch diese Zwischenladungen kann das System rund um die Uhr arbeiten, ohne spezifische Ladepausen einhalten zu müssen.

Beim „EKS 215a“, welches bei Arvato im Einsatz ist, handelt es sich um ein Fahrerloses Transportfahrzeug auf Basis des Vertikalkommissionierers „EKS". Der EKS 215a kann laut Jungheinrich Lasten bis zu 1,5 Tonnen einlagern. Das Fahrzeug erreiche dabei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 2,5 Metern pro Sekunde. Bei Arvato fährt das Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 1,7 Metern pro Sekunde, die Hubhöhe beträgt 2,5 Meter.

„Durch den Wegfall des Fahrerstandes ist der EKS 215a auch in enger Umgebung besonders wendig. Die freitragenden Gabeln des EKS 215a ermöglichen den Transport von Sonderladungsträgern und geschlossenen Paletten sowie die Bedienung nichtunterfahrbarer Stationen“, so Dr. Markus Heinecker, Bereichsleiter Projektvertrieb bei Jungheinrich.

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