Außenhandel: Großbritannien steigt auf Platz 9 der wichtigsten deutschen Handelspartner auf

(dpa) Seit dem Brexit-Votum 2016 war die Bedeutung des Vereinigten Königreichs für die deutsche Wirtschaft beständig gesunken. Nun geht es wieder aufwärts: Dabei spielt insbesondere die Automobilbranche eine wichtige Rolle beim Warenaustausch.

Großbritannien ist nach dem Rückgang des Handels durch den Brexit nun wieder einer der Top 10-Handelspartner von Deutschland. Abgebildet ist hier der britische Hafen von Felixstowe. (Bild: dpa)
Großbritannien ist nach dem Rückgang des Handels durch den Brexit nun wieder einer der Top 10-Handelspartner von Deutschland. Abgebildet ist hier der britische Hafen von Felixstowe. (Bild: dpa)
Gunnar Knüpffer

Großbritannien kehrt nach einem Jahr in die Top 10 der deutschen Außenhandelspartner zurück. Das Vereinigte Königreich überholte damit Tschechien und Belgien und liegt nun auf Platz neun, wie die bundeseigene Gesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI) am 8. Februar unter Berufung auf vorläufige Daten des Statistischen Bundesamts mitteilte. Der Vorsprung auf den neuen Zehnten Tschechien sei komfortabel genug, um eine mögliche kleinere Revision der Daten zu überstehen.

„Die Talsohle im deutsch-britischen Handel ist durchschritten“, betonte GTAI.

Verantwortlich für die gute Bilanz sei die starke Entwicklung in der Autobranche, die als wichtigster Pfeiler im deutsch-britischen Warenaustausch gilt. So stiegen die deutschen Exporte nach Großbritannien auch dank des starken Neuwagenmarkts zwischen Januar und November um 26,4 Prozent. Aber auch Importe legten um gut ein Viertel (25,7 Prozent) zu. Insgesamt wuchs 2023 der bilaterale Handel nominal lediglich um 0,9 Prozent. Das sei aber deutlich mehr als mit fast allen anderen Ländern aus den ersten zehn, teilte GTAI mit.

Die Bedeutung Großbritanniens für den deutschen Außenhandel war nach dem Brexit-Votum 2016 ständig gesunken. 2017 lag das Vereinigte Königreich noch auf Rang 5, 2022 rutschte es dann als Elfter erstmals in der jüngeren Geschichte aus den Top Ten. Hürden bei Einwanderungsrecht und Einfuhrbestimmungen Die Brexit-Folgen seien aber bisher nicht überwunden, mahnte GTAI. „Der automobile Sondereffekt verzerrt den Blick auf die Gesamtentwicklung im Handel.“

Würde man die Exporte von Autos und Kfz-Teilen für die Produktion ausklammern, sei der Güteraustausch um 4,3 Prozent gefallen. Außerdem gebe es weiter große Hürden, etwa durch das strenge britische Einwanderungsrecht. Dies macht es für deutsche Unternehmen schwer, Mitarbeiter ins Vereinigte Königreich zu entsenden oder Dienstleistungen auf der Insel zu erbringen.

Zuletzt verschärfte Großbritannien die Einfuhrbestimmungen für Lebensmittel wie Fleisch- und Milchprodukte. Auch hier werden Probleme erwartet. Grundsätzlich hätten sich das Unternehmensklima und die Investitionsbereitschaft aber deutlich verbessert, betonte die Gesellschaft:

„Mit der Wiederaufnahme des Königreichs in den europäischen Forschungsrahmen Horizon und den deutsch-britischen Absichtserklärungen zur Zusammenarbeit im Bereich Klima und Energie, konkret im Wasserstoffbereich, überwiegen die Chancen die Risiken im bilateralen Geschäft.“