Ausblick: HANNOVER MESSE 2023 setzt auf klimaneutrale Industrie

CO2-neutrale Produktion, Künstliche Intelligenz, Wasserstofftechnologien, Energiemanagement und Industrie 4.0 werden im April Fokusthemen der Industriemesse sein.

Dr. Jochen Köckler (Deutsche Messe), Dr. Nina Gaißert (Festo) und Eko S.A. Cahyanto gaben einen Ausblick auf die HANNOVER MESSE 2023. (Bild: Deutsche Messe)
Dr. Jochen Köckler (Deutsche Messe), Dr. Nina Gaißert (Festo) und Eko S.A. Cahyanto gaben einen Ausblick auf die HANNOVER MESSE 2023. (Bild: Deutsche Messe)
Therese Meitinger

„Endlich wieder Messegeschehen, endlich wieder Wettbewerb“, so eröffnete Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG, am 15. Februar die Presse-Preview für die HANNOVER MESSE 2023. Er kündigte eine „Olympiade der Innovationen“ an. Rund 120 Journalisten waren für die Preview in die Leinestadt gekommen, weitere verfolgten die Pressekonferenz im Live-Stream. Köckler nannte in seinem Eröffnungsvortrag CO2-neutrale Produktion, Künstliche Intelligenz, Wasserstofftechnologien, Energiemanagement und Industrie 4.0 als Kernthemen der Industriemesse, die vom 17. bis zum 21. April in Hannover ausgerichtet wird. „Nur im Zusammenspiel dieser Technologien wird es gelingen, unseren Wohlstand nachhaltig zu sichern und gleichzeitig den Klimaschutz voranzutreiben“, zeigte sich Köckler überzeugt.

Vom Großkonzern bis Start-up

Rund 25 Aussteller informierten vor Ort über ihr Portfolio, darunter klassische Automatisierer wie Harting oder Phoenix Contact, aber auch der Exoskelett-Spezialist Ottobock oder der XR-Anbieter Holo-Light. Sie standen symbolisch für die Köckler zufolge rund 4 000 Unternehmen, die im April auf der Messe vertreten sein werden: Großunternehmen wie Amazon Web Services, Microsoft, Google, SAP, Siemens, Bosch, NOKIA, ServiceNow oder Schneider Electric, aber auch Mittelständler wie Beckhoff, Festo, Harting, ifm, Pepperl+Fuchs, Rittal oder SEW. Sie stammen aus dem Maschinenbau, der Elektro- und Digitalindustrie sowie der Energiewirtschaft Lösungen für die Produktion und Energieversorgung der Zukunft. Auch 300 Start-ups sollen in Hannover vertreten sein; Forschungsinstitute wie das KIT und Fraunhofer komplettieren das Bild.

Die HANNOVER MESSE wird von Bundeskanzler Olaf Scholz und dem indonesischen Staatspräsidenten Joko Widodo eröffnet. Indonesien ist in diesem Jahr Partnerland der Industriemesse.

Manufacturing X will Datenökosystem aufbauen

Köckler kündigte in Hannover auch das Datenökosystem „Manufacturing X“ an, das am Wertschöpfungsprozess beteiligten Unternehmen einen erleichterten Datenaustausch erlauben soll. An dem Projekt zum Aufbau einer souveränen und sicheren Datenplattform sind unter anderem die Wirtschaftsverbände BDI, VDMA und ZVEI beteiligt. Im engen Schulterschluss mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz sollen auf der HANNOVER MESSE die ersten Schritte zur Umsetzung von Manufacturing X vorgestellt werden.

Köckler:

„Ziel ist es, die Souveränität der Unternehmen zu erhalten, den Zugang zur Kundenschnittstelle nicht zu verlieren und dennoch die Potenziale der Plattformökonomie zu erschließen.“

Künstliche Intelligenz (KI) spielt in der Industrie eine immer größere Rolle. Neben der Optimierung von Prozessen setzt die produzierende Industrie zunehmend auf KI in der Simulation und in der Produktentwicklung. Auch die sogenannte generative KI wird nach Überzeugung der Messemacher den Weg in die Industrie finden. Systeme wie ChatGPT oder DALL-E können heute schon beim Texten, Programmieren und Designen unterstützen. Zum Thema KI bietet die HANNOVER MESSE ein umfassendes Angebot an Besucherführungen, Foren und Präsentationen von KI-Tools und Use Cases der Aussteller.

Energieströme und -verbrauch sichtbar machen

Im Zusammenspiel von Software und Maschinen entstehen erhebliche Energieeinsparpotenziale. „Smart Energy Monitoring“-Lösungen der HANNOVER MESSE Aussteller sollen dabei unerstützen, Energieverbräuche auf Maschinenebene zu ermitteln, zu optimieren und damit den CO2-Fußabdruck zu reduzieren.

„Viele versteckte Verbräuche sind den meisten Industrieanwendern bis heute kaum bewusst“, so Köckler.

Ungeregelte Motoren in Pumpen, Ventilatoren, Kompressoren oder Maschinen gehören in vielen Fabriken noch zum Alltag. Ohne intelligente Steuerungstechnik und das Zusammenspiel von Elektrotechnik und IT sind Effizienzsteigerungen bei der Energie kaum umsetzbar

Showcase für grünen Wasserstoff

Grüner Wasserstoff ist in aller Munde. Die Industrie will sich damit aus der Abhängigkeit von fossiler Energie lösen und CO2-Emissionen reduzieren. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz bezeichnet Wasserstoff derweil als einen Schlüsselenergieträger, der für den langfristigen Erfolg der Energiewende und für den Klimaschutz essenziell ist.

Dennoch gäbe es Herausforderungen, so Köckler in Hannover. Das Herstellen von Wasserstoff sei aufwendig und teuer. Fragen der Verfügbarkeit, des Transports und der Speicherung im großen Maßstab müssten noch geklärt werden. Mehr als 500 Unternehmen sollen auf der HANNOVER MESSE Lösungen für den Einsatz von Wasserstoff in der Industrie zeigen.

Mit Indonesien präsentiert sich die größte Wirtschaftsmacht in der ASEAN Region als Partnerland der HANNOVER MESSE 2023. Das Motto lautet: „Making Indonesia 4.0“. Bis 2030 möchte Indonesien eine der zehn größten Volkswirtschaften der Welt sein. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung soll bis dahin 51,6 Prozent am Gesamtzubau ausmachen. Auf der HANNOVER MESSE präsentiert sich das aufstrebende Land als zuverlässiger Partner für Unternehmen rund um den Globus. Eko S.A. Cahyanto, Director General of Resilience, Region and International Industrial Access Development des indonesischen Wirtschaftsministeriums, gab auf der Preview einen Einblick über Wirtschaftsinitiativen zur Reduzierung des CO2-Footprints und dem Aufbau einer Kreislaufwirtschaft.