Ausblick: Das wird in Zoll und Außenwirtschaft wichtig

ATLAS-Releases, neue Zolltarifnummern oder das nahende Lieferkettengesetz stehen 2022 auf der Zoll-Agenda.

Gerade angesichts der anhaltenden Lieferschwierigkeiten sollten Unternehmen Zollprozesse besonders im Auge behalten. (Symbolbild: AdobeStock / Bluedesign)
Gerade angesichts der anhaltenden Lieferschwierigkeiten sollten Unternehmen Zollprozesse besonders im Auge behalten. (Symbolbild: AdobeStock / Bluedesign)
Therese Meitinger

Auch in 2022 stehen in Sachen Zoll und Außenwirtschaft zahlreiche Umstellungen an, die Unternehmen auf dem Schirm haben sollten. Der Softwareanbieter AEB hat dazu die wichtigsten Themen und Termine zusammengestellt.

„Die anhaltenden Lieferschwierigkeiten und die jüngsten Preissteigerungen haben bereits vielfach zu Änderungen in der Lieferkette bei Unternehmen geführt“, so die auf Zollthemen spezialisierte AEB-Redakteurin Kerstin Ullrich zur Ausgangssituation in vielen Firmen. „Schon das benötigt eine sorgfältige Planung und kann in der Folge auch eine sorgfältige Präferenzkalkulation durcheinanderbringen.“

Gerade vor diesem Hintergrund sei es geboten, die übrigen Herausforderungen 2022 anzupacken.

Neue Arten des Geschäfts: Umrechnungen für die Arten des Geschäfts werden in Unternehmen häufig noch ungenau durchgeführt. Das ist besonders angesichts der neuen europäischen Rechtsgrundlagen zur Außenhandelsstatistik problematisch, die Änderungen in den deutschen Gesetzgebungen mit sich brachten. Ziel ist eine bessere intraeuropäische Vergleichbarkeit von Unternehmens- und Handelsstatistiken. Der deutsche Zoll wendet die neuen Codes zur Art des Geschäfts bereits ab dem 15. Januar 2022 an.

Intrastatmeldungen: Ebenfalls in der Folge der neuen europäischen Rechtsgrundlagen zur Außenhandelsstatistik, werden in den Meldungen zur Intrastat-Versendung zwei Angaben verpflichtend: das Ursprungsland der Ware und die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr) des Empfängers. „Insbesondere Letzteres kann bei Reihengeschäften oder privaten Empfängern zu Schwierigkeiten führen“, erläutert Kerstin Ullrich. „Außerdem führt die Angabe der USt-IdNr zu Mehraufwand. Dadurch ist keine Zusammenfassung der Meldung über verschiedene Geschäftspartner hinweg mehr möglich.“

Neue Zolltarifnummern: Alle fünf Jahre wird das Harmonisierte System an den technischen Fortschritt, Änderungen im Handel oder Umweltaspekte angepasst. Nach 2017 ist das nun auch 2022 der Fall. Aktualisierungen an der Basis haben weitreichende Folgen und schlagen auf die statistischen Warennummern durch, die Unternehmen für ihre Exporte und Intrastatmeldungen verwenden, und die elfstellige Zolltarifnummer für Importanmeldungen.

Meldung von Sammelwarennummern: Hier ändern sich die Bedingungen für die Vergabe und die Nutzung in einzelnen Fällen. Die Wertgrenze bis zu welcher Unternehmen eine Genehmigung für die Verwendung einer Sammelwarennummer beim Statistischen Bundesamt erhalten, ist gleich geblieben. Neu ist allerdings, dass diese Wertgrenze auch für Sortimente aus Kraft- beziehungsweise Luftfahrzeugteilen gilt. Zudem dürfen zukünftig so eingereihte Sortimente bei Kraftfahrzeugteilen nur Waren des Kapitels 87 enthalten und bei Luftfahrzeugteilen nur Waren des Kapitels 88.

ATLAS-Releases vor der Umsetzung: Für „ATLAS AES 3.0“ für die Ausfuhr und „ATLAS 9.1“ für die Einfuhr hat der Zoll das Ende der Umstellung im Jahr 2022 verschoben. Erwartet wird außerdem die zollseitige Umsetzung der Anwendungen „ZELOS“ und „IMPOST“.

  • ATLASIMPOST: Ab dem 15. Januar 2022 steht die neue Zollanwendung ATLAS-IMPOST zur Verfügung. Für Kleinsendungen aus einem Drittland muss seit dem 1. Juli 2021 bei der Einfuhr eine Anmeldung beim Zoll abgegeben werden. Dafür darf dann mit dem ATLAS Release 10.0 in ATLAS-IMPOST ein verringerter Datenkranz gemeldet werden.
  • Export: ATLAS 3.0: Neue Anmeldearten, Änderungen bei der Beteiligtenkonstellation und Negativcodierungen, die in zusätzlichen Vermerken eingetragen werden – mit ATLAS 3.0 für Ausfuhren stehen Neuerungen bei Zollanmeldungen an. Der Zoll hat das Ende der weichen Migrationsphase ins Jahr 2023 verschoben.
  • Import: ATLAS 9.1 und „NCTS“: Am 6. März 2021 ist das ATLASRelease 9.1 zollseitig in den Echtbetrieb überführt worden. Bis zum Ende der weichen Migrationsphase dürfen die Nachrichten noch im bisherigen Format ATLAS 9.0 ausgetauscht werden. Diese Phase der weichen Migration endet für Import ATLAS 9.1 nach derzeitigen Planungen am 13. November 2022, für NCTS erst später.
  • Zelos: Zunächst wird 2022 der zentrale Austausch von Unterlagen, Anfragen oder Stellungnahmen in ATLAS Import ermöglicht. Für die Anmeldungen im Versandverfahren (NCTS) soll die ATLASAnwendung „Zelos“, die eine digitale Übermittlung von Zollunterlagen ermöglichen soll, erst zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

eCarnet: Bereits 2019 wurden erste Versionen des Zollabfertigungsdokument Carnet ATAs in einer Testphase elektronisch ausgestellt. Nun zeichnen sich erste Schritte in Richtung einer digitalisierten Abwicklung auch in Deutschland ab.

„Ab Ende 2022 ist zunächst eine elektronische Antragsstellung vorgesehen“, so AEB-Expertin Ullrich. „Bis zu einer vollständigen Ablösung ist es allerdings noch ein weiter Weg, da alle beteiligten Institutionen wie IHKen, Bürgen und nationale Zollbehörden in den digitalisierten Prozess eingebunden werden müssen.“

Sorgfaltspflichten in der Lieferkette: Das Gesetz wird ab 2023 in Kraft treten, zunächst für Unternehmen ab einer Größe von mehr als 3.000 Mitarbeitern gelten. Für diese gilt: Es muss ein unternehmensinternes Risikomanagement aufgestellt werden. Im Fokus steht der eigene Geschäftsbereich, zum Beispiel Tochterunternehmen oder unmittelbare Zulieferer.

„Doch auch kleinere Unternehmen werden in der Folge betroffen sein“, sagt Ullrich. „Insbesondere Zuliefererfirmen sollten mit Anfragen ihrer Geschäftspartner rechnen und sich vorbereiten.“

Blick in die Schweiz - aus EZV wird BAZG: Das Schweizer Digitalisierungs- und Transformationsprogramm „DaziT“ soll in den nächsten Jahren die Eidgenössische Zollverwaltung EZV zum Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BZAG) umstrukturieren. Erst spürbare Auswirkung: Seit dem 1. Januar 2022 nennt sich die EZV neu „Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit“ (kurz BAZG) und zum 3. Januar wurden die Websites zu BAZG umbenannt.

Änderungen im Warenverkehr mit Großbritannien: Laut dem „Border Operation Model“ des britischen Zolls müssen seit dem 1. Januar 2022 Einfuhranmeldungen für Standardwaren durch den Importeur vollständig an den Zoll gemeldet werden. Außerdem werden Waren, die sanitären und phytosanitären (SPS) Kontrollen unterliegen, ab 2022 kontrolliert und bedürfen einer Voranmeldung. Diese physischen Kontrollen und Probeentnahmen werden nach dem neuen Zeitplan ab Juli 2022 an britischen Grenzkontrollstellen erfolgen. Daher sollten EU-Unternehmen in diesen Fällen mit Rückfragen von Geschäftspartnern rechnen.

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