Arzneimitteltransport: Aktive Temperierung ist umweltverträglicher als passive

Der Logistikdienstleister Trans-o-flex hat CO2e-Emissionen aktiv und passiv gekühlter Sendungen auf Basis wissenschaftlicher Berechnungen verglichen.

Logistikdienstleistung: Trans-o-flex hat Transportnetze aufgebaut, in denen Waren bei 15 bis 25 Grad Celsius oder bei 2 bis 8 Grad Celsius aktiv temperiert und dokumentiert nach den EU-Regeln für den Pharmatransport flächendeckend in Deutschland und Österreich befördert werden. (Foto: Trans-o-flex)
Logistikdienstleistung: Trans-o-flex hat Transportnetze aufgebaut, in denen Waren bei 15 bis 25 Grad Celsius oder bei 2 bis 8 Grad Celsius aktiv temperiert und dokumentiert nach den EU-Regeln für den Pharmatransport flächendeckend in Deutschland und Österreich befördert werden. (Foto: Trans-o-flex)
Matthias Pieringer

Damit Medikamente und weitere sensible Güter bei Transporten keinen Schaden nehmen und ihre Wirksamkeit behalten, sollen sie in der kompletten Logistikkette in bestimmten Temperaturbereichen gehalten werden. Die verschiedenen Temperierungsmöglichkeiten sorgen dabei für erhebliche Unterschiede in der Emissionsbilanz, wie der Expressdienst Trans-o-flex nun bei einer Analyse der Transportmethoden nachgewiesen hat. Die Klimabelastung einer passiven Temperierung sei bis zu vier Mal höher als bei einer aktiven Temperierung, teilte der Logistikdienstleister kürzlich mit.

Trans-o-flex hat als Spezialist für Transporte von Arzneimitteln und anderen sensiblen Gütern selbst Netzwerke mit aktiver Temperaturführung bei zwei bis acht Grad Celsius und 15 bis 25 Grad Celsius in Deutschland und Österreich aufgebaut. „Die jetzt erhobenen Daten basieren auf wissenschaftlichen Berechnungsgrundlagen, denn wir wollten einmal ganz genau wissen, wie umweltverträglich die verschiedenen Möglichkeiten der Temperierung wirklich sind“, sagte Trans-o-flex-CEO Wolfgang P. Albeck.

Passive versus aktive Temperierung

Bei einer passiven Temperierung soll die richtige Temperatur durch Kühlakkus und eine Spezialverpackung hergestellt werden. Bei einer aktiven Temperierung werden die Laderäume der Lkw und die Umschlagzonen in den Logistikzentren komplett im jeweiligen Temperaturbereich gehalten, wodurch Sendungen keine Spezialverpackung benötigen. Für jede der beiden Methoden hat Trans-o-flex die Höhe der Klimabelastung (gemessen in CO2e) in zwei Varianten berechnet: mit einer Einweg- und mit einer Mehrwegverpackung. „Es war zu erwarten, dass die Mehrwegsysteme in beiden Fällen geringere Emissionen haben als die Einwegsysteme“, so Albeck. „Aber, dass die aktive Temperierung so viel umweltverträglicher ist als die passive, hat uns überrascht.“

Die durch passive Temperierung entstehenden Klimabelastungen sind laut dem Logistikdienstleister im Vergleich zur aktiven Temperierung mindestens doppelt so hoch. Im Einzelnen kam es zu folgenden vier Kernergebnissen: Die Klimabelastung aktiver Temperierung mit Mehrwegbox ist 2,63-mal geringer als bei passiver Temperierung mit Mehrwegbox und 3,93-mal geringer als bei passiver Temperierung mit Einwegkarton; die Klimabelastung der aktiven Temperierung mit Einwegkarton ist zweimal (2,0) geringer als die passive Temperierung und 2,99-mal geringer als die passive Temperierung mit Einwegkarton.

Analyse in drei Schritten

Die Analyse erfolgte Trans-o-flex zufolge in drei Schritten. Zum einen wurde am Beispiel von Lkw-Transporten zwischen München und Berlin berechnet, wie hoch die Treibhausgasemissionen (THG) eines untemperierten Transports sind. Hierfür – wie auch für die weiteren Berechnungsschritte – wurden in einem Well-to-Wheel-Ansatz alle direkten und indirekten THG von der Bereitstellung einer Ressource bis zu ihrer Umwandlung in Bewegungsenergie berechnet. Maßstab für diese Emissionen sind CO2-Äquivalente (CO2e), wodurch neben Kohlendioxid (CO2) auch andere Treibhausgasemissionen berücksichtigt werden.

Im zweiten Schritt wurde ermittelt, wie viele CO2e zusätzlich entstehen, wenn die Sendungen aktiv temperiert transportiert werden. Im dritten Schritt wurde ermittelt, welche zusätzlichen CO2e (im Vergleich zum untemperierten Transport) entstehen, wenn die Sendungen passiv temperiert werden.

Wissenschaftliche Basis für die Berechnungen waren, wie Trans-o-flex weiter mitteilte, zum einen das GLEC-Framework (Modul 5), eine weltweit anerkannte Methode zur Emissions-Berichterstattung, die alle Transportarten und Umschlagplätze globaler Logistikketten abdeckt. Zum anderen wurden die Ergebnisse der entfernungsbasierten Berechnungen nach dem GLEC-Standard mit Hilfe des EcoTransIT-Rechners auf Plausibilität überprüft. Der in enger Zusammenarbeit mit neutralen Instituten wie Ifeu, Infras oder Fraunhofer IML entwickelte EcoTransIT-Rechner habe die GLEC-Ergebnisse bestätigt, erläuterte Albeck. „Beispielsweise bei den nicht temperierten Transporten kam GLEC auf 47,63 kg CO2e pro Tonne und EcoTransIT auf 47,33.“

Für die Berechnung der Emissionen auf Packstückebene hat Trans-o-flex aktuelle durchschnittliche Gewichte von durch Trans-o-flex transportierten Packstücken eingesetzt. Danach ist ein elf Kilo schweres Packstück bei aktiver Temperierung (in Mehrwegverpackung) zwischen München und Berlin für 656 Gramm CO2e verantwortlich. Wird ein Packstück auf derselben Strecke jedoch mit einer Passivverpackung transportiert (Einwegsystem ohne Styroporbox), werden pro Paket 2.579 Gramm CO2e verursacht. Wird auch bei der passiven Temperierung ein Mehrwegsystem benutzt, fallen immerhin noch 1.723 Gramm CO2e pro Packstück an. „Neben der um den Faktor 2 bis 4 höheren Klimabelastung sorgt die passive Temperierung zusätzlich für Aufwand bei der Entsorgung der Temperaturlogger, beim Handling der Kühlakkus und deren Bevorratung“, so Albeck.

Für ebenso wichtig hält Albeck den unterschiedlich hohen Sicherheitsgrad, der mit den verschiedenen Transportmethoden verbunden ist. „Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Parenteral Drug Association wird nahezu jedes fünfte Gesundheitsprodukt während des Transports aufgrund einer Unterbrechung der Kühlkette beschädigt.“ Und das passiere vor allem, wenn der „risikobasierte Ansatz (= ohne Temperierung) oder die passive Temperierung im Medikamententransport“ genutzt werden. „Die Risiken dieser Transportarten waren schon immer da, aber sie sind nicht zuletzt angesichts der zunehmenden Volatilität des Wetters und vermehrter Transportverzögerungen aufgrund von Staus unberechenbar geworden.“

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