Analyse: Wie sich die Eskalation in Nahost auf Lieferketten auswirkt

Laut einer Analyse von Everstream Analytics befinden sich in der betroffenen Region nahe des Gazastreifens mehr als 350 Zulieferer für unterschiedliche Branchen.

Die dramatische Eskalation des Nahostkonflikts in Israel und dem Gaza-Streifen schlägt sich auch in den Supply Chains nieder, wie Everstream Analytics berichtet. (Symbolbild: Ivan / AdobeStock)
Die dramatische Eskalation des Nahostkonflikts in Israel und dem Gaza-Streifen schlägt sich auch in den Supply Chains nieder, wie Everstream Analytics berichtet. (Symbolbild: Ivan / AdobeStock)
Therese Meitinger

Die gravierende Eskalation des Nahostkonflikts schlägt international Wellen und hat bereits zahlreiche Todesopfer gefordert. Hinzukommt, dass kritische Infrastruktur in der Region nahezu lahmgelegt wurde, was starke Auswirkungen auf die internationale Logistik zeitigt. Der auf Risikomanagement spezialisierte Softwareanbieter Everstream Analytics hat am 10. Oktober eine tagesaktuelle Analyse zu dieser Thematik veröffentlicht.

Er verweist darin darauf, dass mehr als 350 Zulieferer sich in der Kriegszone nahe des Gazastreifens befinden.  Diese Lieferanten stellen der Analyse zufolge Waren für die Medizintechnik, industrielle Maschinen, Elektronik, Chemikalien, die Automobilindustrie und andere Fertigungsbranchen bereit. Internationale Unternehmen seien auf diese Lieferanten angewiesen, so Everstream Analytics. Diese umfassten unter anderem 3M, Stanley Black & Decker, Bombardier, Daimler Truck und Flex.

Kritische Straßeninfrastruktur geschlossen

Einige Städte und Dörfer entlang des Gazastreifens beherbergen Industriezonen. Kritische Straßeninfrastruktur zu und von diesen Standorten ist der Analyse zufolge geschlossen. Auf absehbare Zeit werde dies zu Werksschließungen führen, prognostiziert der Anbieter. Als betroffener Lieferant wird unter anderem Polyrit Zikim genannt, in Anbieter von Polyurethan-integrierten Produkten für Kunden wie Stanley Black & Decker, Bombardier und Daimler Trucks. Betroffen sind laut Everstream Analytics auch Polymer G, ein Anbieter von speziellen Klebe- und Gießlösungen, dessen Kunden 3M einschließen, und der Hersteller mechanischer Ausrüstung Isralaser, der unter anderem an Flextronics liefert.

Unter den Tier-3-Lieferanten (Teilelieferanten) in Nähe des Gazastreifens sind der Analyse zufolge:

  • 24 Prozent Lieferanten für medizinische Geräte
  • 19 Prozent in der Pharmabranche tätig
  • 17 Prozent in der Chemiebranche tätig
  • 13 Prozent in der Nahrungsmittelindustrie tätig
  • zwölf Prozent in der Elektroindustrie tätig
  • neun Prozent in der Automobilindustrie tätig
  • sechs Prozent in anderen Sektoren tätig

Zudem beeinträchtige der Krieg kritische Infrastruktur, heißt es in der Analyse: Mehrere internationale Fluggesellschaften hätten Flüge zum und vom Hauptflughafen Israels in Tel Aviv gestrichen, darunter American Airlines, Delta, United Airlines, Lufthansa, Air France-KLM und Cathay Pacific. Der Straßenverkehr im Süden Israels wurde nach Unternehmensangaben aufgrund von Kontrollpunkten entlang wichtiger Autobahnen, einschließlich der Highway 4, 34, 3 und 6, gestört. Der Hafen von Ashkelon ist demnach geschlossen, während andere wichtige Häfen wie Haifa und Ashdod geöffnet bleiben.

Als Ausblick prognostiziert Everstream Analytics, dass Unternehmen in den USA, Europa und anderswo in den kommenden Tagen und Wochen weiterhin von Störungen bei ihren Lieferanten betroffen sein werden.  Arbeitskräftemangel aufgrund der Einberufung von Reservisten werde zudem Unternehmen in ganz Israel zwingen, die Produktionsleistung in den kommenden Tagen und Wochen zu reduzieren.