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50. BME-Symposium: Sechs Trendthemen der Beschaffung präsentiert

Welchen Herausforderungen sich der Einkauf stellen muss.
Es ist unter anderem laut dem BME ein neuer Einkäufertyp gefragt. (Foto: Fotolia.com/ Sergey Nivens)
Es ist unter anderem laut dem BME ein neuer Einkäufertyp gefragt. (Foto: Fotolia.com/ Sergey Nivens)
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Matthias Pieringer

Von Risikomanagement in der Lieferkette, über Digitalisierung bis hin zum neuen Einkäufertyp – der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) hat auf dem 50. Symposium Einkauf und Logistik in Berlin die aus einer Sicht wichtigsten Trendthemen in der Beschaffung vorgestellt:

1) Risikomanagement:

Finanzkrise, Naturkatastrophen, Währungsschwankungen: In den vergangenen Jahren hat der Einkauf laut dem BME die Auswirkungen vieler Krisen abfedern müssen und aus den zahlreichen Bewährungsproben gelernt. Es sei heute Aufgabe des Einkaufs, mögliche Bedrohungen rechtzeitig zu erkennen und zu bewerten. Nur dann sei eine schnelle Reaktion sowohl in der Planung als auch in der Steuerung möglich. Viele Unternehmen überarbeiten ihr Risk Management und führen hocheffiziente Notfallpläne ein: So greife beispielsweise beim Automobilzulieferer Mann+Hummel im Krisenfall ein exakt definierter Notfall-Prozess. Seit der Finanzkrise kümmere sich im Einkauf zudem eine Vollzeitkraft einzig um die Themen Bottleneck und Risk Management. Beim Hersteller von Antriebstechnik, SEW-Eurodrive, wiederum helfe eine Critical-Supplier-Watch-List, Risiken frühzeitig zu erkennen und nach Eintrittswahrscheinlichkeiten zu priorisieren.

2) Marktdaten und Volatilität:

Die Volatilität der internationalen Märkte wächst dem BME zufolge stetig. Marktbeobachtung habe deshalb für den Einkauf einen hohen Stellenwert, reiche aber allein nicht aus. Die Herausforderung bestehe darin, aus der Vielzahl der Daten unternehmensrelevante Informationen zu generieren. Diese müssten so gut sein, dass sie Einkauf, Produktion und Vertrieb gleichermaßen als verlässliche Entscheidungshilfe dienen könnten.

3) Rohstoffpreise:

Das zu Ende gehende Rohstoffjahr 2015 steht ganz im Zeichen sinkender Preise, so der BME. Egal, welches Marktsegment betrachtet werde, „überall fallen die Notierungen – und das zum Teil drastisch“. Börse und Industrie fragten sich nun, ob und wenn ja, wie lange die Baisse an den internationalen Rohstoffmärkten anhält. Industrielle Einkäufer seien deshalb gut beraten, ihre aktuelle Beschaffungsstrategie so auszurichten, dass sie einer möglichen Kurs-Rally standhält. Es komme jetzt vor allem darauf an, die Unternehmen für die Bedeutung dieses Themas noch stärker zu sensibilisieren.

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4) Einkauf und Industrie 4.0: Nach Ansicht des BME wird die Digitalisierung der Lieferkette die Geschäftsmodelle revolutionieren: Die Digitalisierung des Einkaufs und seine enge Vernetzung nach innen und außen bieten dem Verband zufolge die Möglichkeit, innovative Erfolgsstrategien für das gesamte Unternehmen zu entwickeln. „Einkauf der Zukunft bedeutet Mehrwert durch Digitalisierung und Automation der Supply Chain“. Einkauf 4.0 gehe damit weit über E-Procurement und E-Sourcing hinaus.

5) Neuer Einkäufertyp: Der wachsende internationale Wettbewerbsdruck zwinge auch den Einkauf, einen konkreten Beitrag zur Wertschöpfung zu leisten, so der BME. Um erfolgreich zu sein, müsse er aber sein Rollenverständnis kritisch überdenken und dem Unternehmen seine Beschaffungsstrategie überzeugend darlegen. Das bedeutet für die Mitarbeiter der Procurement-Bereiche, „über den Tag hinauszudenken, die Herausforderungen für die gesamten innerbetrieblichen Prozessabläufe zu sehen sowie selbst Prozessverbesserungen anzustoßen und sich dafür einzusetzen“.

6) Local und Global Sourcing:

Beide Beschaffungsstrategien müssen sich laut dem BME nicht ausschließen. Local Sourcing werde von deutschen Einkäufern genutzt, um regionale Netzwerke zu stärken. Dort schlummere allerdings noch viel Potenzial. „Kurze Wege zwischen Einkäufern und Lieferanten sorgen für enge persönliche Kontakte, schnelle Kommunikationswege, ein hohes Maß an Transparenz und geringe Transportkosten. Die sonst üblichen langwierigen und aufwendigen Lieferantenqualifikationen im Ausland entfallen. Komplizierte Lieferwege, undurchsichtige Ein- und Ausfuhrbestimmungen sowie weitere Transportrisiken gibt es beim Local Sourcing ebenfalls nicht.“

Andererseits stellt dem BME zufolge auch das Global Sourcing einen enormen Hebel dar, um Geschäftspotenziale zu heben. Beim deutschen Einkauf stehe nicht nur Asien hoch im Kurs. Vielmehr würden sich auch leistungsfähige Lieferanten in Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas empfehlen. Im globalen Einkauf zeichnet sich, wie der BME deutlich macht, mit „Go local“ ein weiterer Trend ab: weg vom Low Cost Country Sourcing hin zum Best Cost Country Sourcing. Die Umwandlung des standortbezogen agierenden Einkaufs in eine globale Einkaufsorganisation sei vielerorts in vollem Gange. Und wo es wirtschaftlich sinnvoll sei, werde lokal beschafft, entweder mit Lieferanten vor Ort oder mit globalen Suppliern, die ihre Fertigung in unmittelbarer Nähe zum eigenen Werk aufbauen.

Das 50. BME-Symposium Einkauf und Logistik fand vom 11. bis 13. November im Hotel InterContinental in Berlin statt. Zur Jubiläumsveranstaltung des Beschaffungsgipfels verzeichnete der BME mit 2.200 Teilnehmern nach einen Angaben eine Rekordbeteiligung. Das Symposium stand in diesem Jahr unter dem Motto „Mehrwert schaffen – Brücken bauen“. Träger des „BME-Innovationspreises 2015“ ist die Airbus Group aus München. Der Luft- und Raumfahrtriese erhielt den Preis für die vorbildliche Neupositionierung des Konzerneinkaufs. Das 51. BME-Symposium wird vom 9. bis 11. November 2016 erneut in Berlin veranstaltet.

Eine Nachlese zum 50. BME-Symposium Einkauf und Logistik finden Sie in Ausgabe LOGISTIK HEUTE 12/2015, die am 9. Dezember veröffentlicht wird.

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