Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Redaktion (allg.)

Forscher haben die Ausbildung und Karrierepfade von Supply-Chain-Führungskräften untersucht. Die Ergebnisse lesen Sie in Teil eins der zweiteiligen Serie "Wer lenkt unsere Supply Chains?"
Supply Chain Manager stehen in ihrer täglichen Arbeit vor vielerlei Herausforderungen. Ihre Aufgaben sind komplex und global, verändern sich stetig und müssen mit anderen Funktionen koordiniert werden. Um erfolgreich zu sein, benötigen die Mitarbeiter ein breites Portfolio an Wissen und Fähigkeiten. Das geht aus einer Umfrage unter mehr als 40.000 Teilnehmern der Onlineplattform „StepStone.de“, gepaart mit einer Analyse von Hunderten Lebensläufen leitender Supply Chain Manager, hervor. Auf dieser Basis wurde für Teil eins der zweiteiligen LOGISTIK HEUTESerie „Wer lenkt unsere Supply Chains?“ der Bildungsstand von SCM-, Logistik- und Einkaufspersonal analysiert.
Demnach ist das Bildungsniveau im Supply Chain Management (SCM) allgemein sehr hoch (siehe Grafik). Auffällig hierbei ist, dass SCM-Verantwortliche durchschnittlich besser ausgebildet sind als das Personal im Einkauf und in der Logistik. 72 Prozent der SCM-Mitarbeiter haben einen Hochschulabschluss im Vergleich zu rund 47 Prozent im Einkauf beziehungsweise 24 Prozent in der Logistik.
Weiterhin zeigt sich eine interessante Entwicklung nach Altersklassen, wonach ein akademischer Abschluss im SCM offenbar zu einer Grundvoraussetzung bei Berufseinsteigern geworden ist. Denn während nur 33 Prozent der über 60-jährigen Supply Chain Manager studiert haben, verfügen 84 Prozent der Kollegen im Alter zwischen 25 und 29 Jahren über einen Hochschulabschluss. Beim Einkaufs- und Logistikpersonal verläuft die Entwicklung identisch, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau.

Trend zur Akademisierung

Ein Grund für die Tendenz zu einer Hochschulausbildung im SCM: In den vergangenen Jahren hat sich die Logistik von einer reinen Hilfsfunktion, die oftmals nur physikalische Transporte und Lager managte, zu einer weitaus wichtigeren Unternehmensfunktion gewandelt. Heute planen und koordinieren Supply Chain Manager den internationalen Materialfluss über eine Vielzahl an Werken und Lagerstandorten und kommunizieren dabei mit vielen internen und externen Partnern. Reichten früher eine einschlägige Ausbildung oder das „Training-onthe- Job“ aus, so benötigen die Mitarbeiter heute analytische Fähigkeiten, weitreichendes Fachwissen und IT-Kenntnisse, deren Grundlagen oft an Hochschulen vermittelt werden.
Heute hat die Mehrheit der Logistikmitarbeiter mit einem Studienabschluss diesen in der Betriebswirtschaftslehre (44 Prozent) oder in den Ingenieurwissenschaften (33 Prozent) gemacht. Nur wenige SCM-Führungskräfte haben fachspezifisch Logistik studiert (sieben Prozent). Dies ist nicht überraschend, da spezifische SCM- und Logistik-Programme in Deutschland noch auf dem Weg sind sich zu etablieren. Das neue Angebot an Hochschulprogrammen ist besonders vor dem Hintergrund der weiteren Professionalisierung und der sich wandelnden Herausforderungen zu betrachten. So erfordern Veränderungen der Supply Chains, beispielsweise durch Same-Day-Delivery, die Echtzeitauswertung von Big Data oder 3D-Druck neue Ausbildungsinhalte.


Doch nicht nur die Theorie, auch die Praxis macht einen guten SCM-Manager aus. Die Lebensläufe der Führungskräfte zeigen, dass die SCM-Leiter 88 Prozent ihrer vorherigen Karriere in anderen Funktionen gearbeitet haben. Der Analyse zufolge wechselten die meisten SCMManager aus der Logistik (25 Prozent),dem Einkauf (16 Prozent) und dem Vertrieb (14 Prozent) ins Supply Chain Management. Aus Consulting und Produktion fanden immerhin noch elf beziehungsweise neun Prozent der Wechsel statt, wohingegen Wechsel aus anderen Funktionen kaum ins Gewicht fallen. Gemeinsam haben die SCM-Manager aus anderen Bereichen eines: Ein Großteil hatte in der Vergangenheit bereits Personalverantwortung. Daraus lässt sich ableiten, dass Erfahrungen als Führungskraft bei der Besetzung von SCM-Positionen im Vergleich zu tiefer, fachlicher Expertise in vielen Unternehmen offensichtlich priorisiert werden. Vor diesem Hintergrund erscheint die fachliche Weiterbildung dieser Personen extrem wichtig.
Dabei kann der Kenntnisstand stark variieren: Mit einer speziellen Forschungsmethode, die ursprünglich zum Vergleich von DNA-Strängen verwendet wurde, lassen sich sechs Muster in den individuellen Karrierepfaden identifizieren. Die „Nachbarn“ stellen die mit 34 Prozent größte der sechs Gruppen von Supply- Chain-Führungskräften dar. Sie verbrachten den Großteil ihrer vorherigen Karriere in Logistik, Einkauf und Produktion, also den an das SCM angrenzenden Funktionen, aber nicht direkt im SCM. Die zweite Gruppe der „Eigengewächse“ (21 Prozent) arbeitete sich von Beginn an konsequent im SCM nach oben, unter Umständen mit einer kurzen Zeit in der Logistik. Die „Quereinsteiger“ (18 Prozent) hingegen verbrachten nur 13 Prozent ihrer Karrieren in Logistik, Einkauf und Produktion zusammen. Die meiste Zeit waren diese Mitarbeiter im Consulting oder Projektmanagement tätig. Die „Marketers“ (zwölf Prozent) sind dagegen Supply Chain Manager mit Vertriebshintergrund. Die meiste Zeit in der Produktion verbracht haben die „Ingenieure“ (neun Prozent). Sie haben einen ausgeprägten ingenieurswissenschaftlichen Hintergrund. Die mit sechs Prozent kleinste Gruppe der „Einkäufer“ verbrachte ihre Karriere fast ausschließlich im Einkauf.
Prädestiniert für Quereinstiege
Interessant: Die sechs Muster unterscheiden sich nicht nur in der funktionalen Erfahrung, sondern auch in der Geschwindigkeit, in der die Karriereleiter erklommen wurde. Während die „Quereinsteiger“ in 8,2 Jahren und die „Eigengewächse“ in 8,8 Jahren eine SCM-Führungsposition erlangten, brauchten die „Einkäufer“ dafür 16,2 Jahre. Der langsamere Aufstieg auf der Karriereleiter geht einher mit dem Bildungsstand: 29 Prozent der „Einkäufer“ starteten ihre Laufbahn nach einer Ausbildung, während jeweils 96 Prozent der „Quereinsteiger“ und „Eigengewächse“ mit einem Hochschulabschluss einstiegen.
Die Ergebnisse bestätigen, dass das SCM prädestiniert für einen Quereinstieg ist: Dies liegt in der Schnittstellennatur dieser Funktion begründet. Wer ambitioniert ist und Karriere im SCM machen möchte, kann sich jedoch durch eine akademische Ausbildung und einen frühen Karrierefokus auf SCM oder einen Einstieg im Consulting die beste Ausgangslage verschaffen. Weitere Empfehlungen für eine Karriere im Supply Chain Management, basierend auf Dutzenden Interviews mit Supply-Chain-Führungskräften, lesen Sie im zweiten Teil der Serie „Wer managt unsere Supply Chains?“ in der kommenden LOGISTIK HEUTE-Ausgabe 1-2/2015. akw
Autoren: Prof. Dr. Kai Hoberg, Christoph Flöthmann, beide Kühne Logistics University, Hamburg; Dr. Knut Alicke, McKinsey & Company Inc., Stuttgart.

◂ Heft-Navigation ▸

Artikel STUDIE: Die DNA von SCM-Experten
Seite | Rubrik
Werbung