Temporäre Logistikkonzepte: Zelt auf Zeit

Nachfrageschwankungen in Lieferketten fordern kurzfristige Lagerkapazitäten. Entsprechend gewinnen temporäre Lösungen wie etwa Zelte an Bedeutung.

Auf der STRUCTURES INTERNATIONAL wurden 2022 unter anderem sogenannte Flexzelte vorgestellt. Bild: Messe Dortmund
Auf der STRUCTURES INTERNATIONAL wurden 2022 unter anderem sogenannte Flexzelte vorgestellt. Bild: Messe Dortmund
Therese Meitinger
Temporäre Bauten

Ob Lieferengpässe oder zeitweise explodierende Nachfrage: Die Entwicklungen der vergangenen Corona- und Krisenjahre haben die Lieferketten vieler Unternehmen auf den Prüfstand gestellt. In diesem Zusammenhang sind Lagerkapazitäten in den Fokus der Aufmerksamkeit gekommen: zum einen als Puffer in der zunehmend gefragten Vorratshaltung, zum anderen als kurzfristig verfügbarer Lagerraum. Entsprechend ist auch der Stellenwert von temporären Bauten und Zelten in der Logistik gewachsen.

„Der Markt hat sich nach der Coronapandemie merklich verändert“, sagt Jannik Friedrich, Gebietsverkaufsleiter bei HR-Structures, mit Blick auf die Logistik. Das familiengeführte Unternehmen mit Sitz im hessischen Grebenhain hat sich auf die Herstellung von Zeltsystemen und Zelthallen spezialisiert – und bemerkt Veränderungen auf der Nachfrageseite.

Mietmodelle als Option gefragt

Mittlerweile legten Unternehmen verstärktes Augenmerk auf die zeitnahe Verfügbarkeit von temporären Bauten und Zelten, so Friedrich. Und weiter: „Oftmals bevorzugen sie zudem die Option der Miete, da dies keine langfristige Bindung erfordert. Die Priorität liegt auf der Fähigkeit, den Bedarf kurzfristig zu decken und dabei eine zuverlässige Zeitplanung von Anfang an zu gewährleisten.“ (siehe auch Interview oben)

„Gerade in der jüngsten Vergangenheit hat die Bedeutung des Zeltbaus enorm zugenommen: in der Logistik zur Aufstockung von Lagerkapazitäten oder bei mobilen Unterkünften zur Bewältigung von Unwetterkatastrophen und der Flüchtlingssituation“, erklärte auch Sabine Loos, Messechefin der STRUCTURES INTERNATIONAL und Geschäftsführerin der veranstaltenden Westfalenhallen, anlässlich der Messepremiere.

Die Leistungsschau der Zeltindustrie fand im November 2022 zum ersten Mal in Dortmund statt. Mit rund 60 Ausstellern und etwa 1.800 Teilnehmern, die zu mehr als einem Drittel aus dem europäischen Ausland anreisten, zog man damals eine positive Bilanz.

Vom 14. bis 16. November geht die internationale „Businessplattform für temporäre Bauten, Industrie-, Lager- und Eventzelte“ – so die Selbstbezeichnung der Messe – nun in die nächste Runde: Neben Branchengrößen für Zeltbau, Container und Bedachung sollen dabei auch zahlreiche Spezial- und Fachfirmen vor Ort sein und Ausrüstungsoptionen, Zubehör und Servicedienstleistungen offerieren.

Die Veranstalter nennen in diesem Zusammenhang etwa die Lager Remko GmbH & Co. KG, die mobile Warmluft-Heizsysteme, Entfeuchter, Klimasysteme und Raumklimageräte sowie Wärmepumpen für temporäre Bauten und Zelte im Programm hat. Die Igel GmbH hat Profi-Bodenverankerungen im Messegepäck. Auch Lagerung und Recycling, Lichtdesigns, Sonnen- sowie Hitzeschutz gehören zum Themenspektrum der Anbieter auf der Leistungsschau.

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Ein besonderer Fokus liegt auf Zelten und temporären Bauten, die in diesem Jahr von etablierten Unternehmen wie HTS Tentiq, Skyliner oder HR Structures ausgestellt werden. Der chinesische Zeltspezialist Liri Tent wird zum ersten Mal mit seinem Portfolio aus Industrie-, Ausstellungs- und Eventzelten vertreten sein. Ebenso der portugiesische Anbieter Lusotenda.

Zusammen mit dem neuen fachlichen Partner ITRS will die STRUCTURES INTERNATIONAL zudem ein Forenprogramm auf die Beine stellen, das sich aktuellen Herausforderungen im Energiebereich und in der Personalsituation, Entwicklungen im Veranstaltungs- und Industriezeltsegment sowie Sicherheitsfragen und Regularien widmet. Ein erstmals im Rahmen der Messe verliehener „Innovationsaward 2023“ soll die Innovationskraft der Zeltindustrie würdigen – und verzichtet dabei auf eine Festlegung von Kategorien.

Nachgefragt bei Jannik Friedrich, HR-Structures - „Wir sehen ein großes Potenzial in der Logistik“

Wie sich zeitnah Lagerkapazitäten schaffen lassen und was es mit Endloshallen auf sich hat, erklärt Jannik Friedrich, Gebietsverkaufsleiter beim Grebenhainer Zeltspezialisten HR-Structures, im Gespräch mit LOGISTIK HEUTE.

LOGISTIK▶HEUTE◀: Welchen Stellenwert hat das Segment Logistik derzeit für HR-Structures?

Jannik Friedrich: Unsere Erfahrung mit einigen Kunden zeigte uns, dass in der Branche aufgrund der Schnelllebigkeit und teilweise nur kurzfristiger Planbarkeit ein großes Potenzial für uns liegt. Durch kurzfristige persönliche Beratung, kurze Entscheidungswege, große Lagerhaltung an Rohmaterial und unserer hochmodernen Produktion können wir unsere Kunden bei fast allen Bedarfslagen unterstützen und Mehrwerte schaffen, wodurch wir viel Anklang finden.

Welche Lösungen bietet Ihr Unternehmen für die Logistik an – und welche werden besonders oft angefragt?

Unsere Lösungen richten sich stets nach dem Bedarf unserer Kunden. Wir bieten unsere Industriehallen sowohl zum Kauf als auch zur Miete, sollte nur temporärer Bedarf herrschen. Die Ausführung unserer Hallen ist dem Lagergut der Kunden angepasst, um dieses nach Kundenvorgabe zu schützen. Hierbei beginnt die Ausführung bei einfachen Überdachungen ohne Wandverkleidung und geht von unisolierten Hallen mit PVC-Planen oder Trapezblechen über leichte Wärmedämmungen mittels zweischaliger Thermodachplane und Sandwichelementen als Fassade bis hin zur isolierten und energieeffizient beheizbaren Halle, die auch sehr temperaturempfindliches Lagergut schützt oder wirtschaftliche Fläche für die Einrichtung permanenter Arbeitsplätze schafft.

Welche Entwicklungen und Innovationen sind für HR-Structures besonders relevant?

Im Vergleich zum herkömmlichen Stahlbau bestehen die Gerüste unserer Industriehallen aus hochwertigem Aluminium, was es uns ermöglicht, bei geringem Gewicht große Schneelasten abzutragen und Seitenhöhen von bis zu 7,3 Metern zu realisieren. Dieses innovative Material bietet nicht nur die nötige Stabilität, sondern ermöglicht auch, dass unsere Hallen bei Bedarf demontiert und an einem anderen Standort wiederaufgebaut werden können. Diese Flexibilität macht sie zu einer kosteneffizienten Wahl für Unternehmen.

Und mit Blick auf Konzepte?

Zusätzlich sind unsere Hallen endlos in der Länge erweiterbar, was es Kunden ermöglicht, ihre Lagerkapazitäten jederzeit an ihre Bedürfnisse anzupassen. Zudem sind sie flexibel in der Ausstattung modifizierbar, um den sich ändernden Anforderungen gerecht zu werden. Dies trägt dazu bei, den Materialeinsatz und damit die Kosten für unsere Kunden weiter zu optimieren.

Die Fragen stellte Therese Meitinger.

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Artikel Temporäre Logistikkonzepte: Zelt auf Zeit
Seite 36 bis 37 | Rubrik STRATEGIEN