SCM: Transparenz für König Kunde

Von 2023 an gilt das Lieferkettengesetz in Deutschland. Größere Unternehmen müssen dann nachweisen, dass Lieferanten Arbeits- und Umweltstandards einhalten. Textildiscounter KiK sieht sich gut vorbereitet – dank eines CSR-Tools.

KiK-Shop von außen: Ein Großteil der Waren für Europa wird in China und Bangladesch hergestellt Bild: KiK
KiK-Shop von außen: Ein Großteil der Waren für Europa wird in China und Bangladesch hergestellt Bild: KiK
Therese Meitinger
IT

Am 11. Juni 2021 beschloss die Bundesregierung nach längeren Diskussionen das sogenannte Lieferkettengesetz. Es soll dafür sorgen, dass Umwelt- und Menschenrechtsstandards, besonders in Entwicklungsländern, eingehalten werden und Millionen Familien einen besseren Arbeits- und Lebensstandard bekommen. Die neuen Vorschriften sollen ab 2023 zunächst für Firmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitern gelten, ab 2024 auch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Angestellten.

Was auf den ersten Blick wie eine lange Vorlaufzeit aussieht, kommt schneller als gedacht – vor allem für Unternehmen, die sich bisher noch nicht mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Selbst wer eine Firma leitet, die weniger als 1.000 Mitarbeiter beschäftigt, kann das Thema nicht ohne Weiteres von der Agenda streichen. „Konzerne werden sich in neuen Verträgen absichern, dass nicht nur große, sondern alle Lieferanten die gesetzlichen CSR-Vorschriften einhalten und ihre Supply Chains transparent sind“, betont Ralf Düster, Vorstand des Softwareanbieters Setlog GmbH. Das Bochumer Unternehmen hat zahlreiche Kunden, die seit Jahren das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) mit Lieferanten, Einkaufsagenturen, Prüfinstituten und anderen Supply-Chain-Partnern über die Setlog-Software „OSCA“ steuern und so Transparenz in die Lieferkette bringen.

Ein langjähriger OSCA-Nutzer ist die KiK Textilien und Non-Food GmbH. Der Textildiscounter aus Bönen in Nordrhein-Westfalen hat zu 70 Prozent Textilien im Sortiment. Zur Zielgruppe des europaweit aktiven Unternehmens zählen vor allem Familien mit Kindern, junge Mütter und Menschen mit einem kleinen Budget, die sich modisch kleiden wollen. Wie die meisten Anbieter in dieser Branche lässt auch KiK – das Akronym steht für „Kunde ist König“ – fast alle Artikel bei Lieferanten in Asien produzieren. Der Großteil der Waren kommt aus China und Bangladesch, der Rest überwiegend aus Pakistan, Indien und der Türkei.

800 Lieferantenaudits pro Jahr

Nur günstigere Preise als der Wettbewerb und eine gute Liefertreue sind kein Grund für das Unternehmen, einen Zulieferer neu zu listen. „Wer mit uns kooperieren will, wird nicht nur anfangs geprüft, sondern muss sich regelmäßigen Audits unterziehen“, betont Ansgar Lohmann, der den Bereich CSR bei KiK leitet. Die Prüfung ist umfangreich: Zehn Teilbereiche entlang der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO werden in einer vom Unternehmen entwickelten Matrix geprüft. Von KiK beauftragte Auditoren durchleuchten vor Ort vor allem Arbeitszeiten, Mindestlöhne, Sozialleistungen und Umweltschutzauflagen. Sie prüfen aber auch, ob Feuerlöscher, Brandschutztüren und Rauchmelder vorhanden sind und schauen sich die Gebäudestatik an. Ein Auge werfen die Prüfer, die KiK gegenüber mit ihren Ergebnissen haften müssen, zudem auf behördliche Genehmigungen wie Brandschutz-, Umwelt- oder Businesslizenzen. Dabei gilt: Wer keine Bereitschaft zeigt sich weiterzuentwickeln, wird nicht eingelistet.

Das 13-köpfige Team von Ansgar Lohmann treibt diesen Aufwand, weil dem Unternehmen die verbindliche Einhaltung der Umwelt- und Sozialstandards wichtig ist. In Brancheninitiativen macht KiK sich beispielsweise auch für eine betriebliche Unfallversicherung in Bangladesch, Gebäudesicherheit, Brandschutz und die Einhaltung von Menschenrechten stark.

Die 800 jährlichen Lieferantenaudits des Unternehmens zu steuern ist eine Herausforderung. Dass eine Flut von E-Mails und Excel-Tabellen ungeeignet sind, um sie zu bewältigen und Transparenz in die Supply Chain zu bringen, erkannte KiK bereits vor Jahren. 2014 beschloss das Unternehmen, sich nach einer Softwareunterstützung umzusehen. „Wichtig war uns ein ganzheitlicher Ansatz mit Fabrikprüfungen in einem automatisierten System, das in Echtzeit Daten liefert“, berichtet Lohmann.

Nach einer Analyse verschiedener Anbieter entschied sich KiK für OSCA, die Software von Setlog. Die SCM-Experten integrierten bereits 2013 in die cloudbasierte SCM-Software das Vendor & Compliance Management-Tool „VCM“, das inzwischen unter dem Kürzel „CSR“ bekannt ist. Die Lösung kann stand-alone oder in Kombination mit dem SCM-Modul von OSCA genutzt werden. Letzteres beinhaltet die gesamte Lieferbeziehung ab dem Onboarding über Qualitätsmanagement, Audits samt Nachbesserungen, Dokumentenmanagement, Reportings und Ratings. Nicht nur das Preis-Leistungs-Verhältnis habe überzeugt, „sondern auch die Tatsache, dass die Software mit anderen Systemen kompatibel ist und so leicht verständlich ist, dass auch weniger erfahrene Lieferanten in Asien damit umgehen können“, erläutert Lohmann. Im Mai 2015 gab der Discounter grünes Licht für das IT-Projekt. Keine drei Monate später ging er live mit OSCA. Dann integrierte das Unternehmen die Einkaufsagenturen, die Prüfinstitute sowie die Trainings- und Qualifizierungspartner. Bereits ein Jahr später waren sämtliche Lieferanten geschult. Seither kommunizieren alle Akteure in Echtzeit über die Software.

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Der Alltag läuft nach vorgegebenem Schema ab: Soll ein Audit durchgeführt werden, beauftragt das CSR-Team über OSCA ein Prüfinstitut, das den vereinbarten Termin und den Auftrag bestätigt. Der Prüfbericht wird samt Fotodokumentation in OSCA hochgeladen. Die Prüfkriterien fließen unterschiedlich gewichtet in eine Gesamtnote ein. Wenn Nachbesserungen nötig sind, werden sie noch vor Ort mit den Verantwortlichen besprochen. Mängel müssen innerhalb einer festgelegten Frist behoben sein. Ein Frühwarnsystem zeigt alle Audits auf einem Dashboard des CSR-Teams an und informiert die Mitarbeiter automatisch über den Fortschritt der Nachbesserungen nach einem Ampelsystem.

Auch Sublieferanten einbinden

Wann immer ein KiK-Mitarbeiter sich über einen Lieferanten informieren will – ein Knopfdruck reicht aus und er sieht, wie gut die Fabrik in Sachen CSR dasteht. Auf dem Dashboard lassen sich weitere Analysen visualisieren – etwa die Leistung aller Beschaffungsagenturen oder die CSR-Performance eines ganzen Beschaffungslandes. Die monatlichen Auswertungen dienen als Grundlage für strategische Entscheidungen, die regelmäßigen Nachhaltigkeitsberichte des Unternehmens und können potenziell in die Risikobewertung verbindlicher Sorgfaltspflichten einfließen.

Seit 2015 arbeitet KiK daran, den Bereich CSR ständig zu verbessern. Derzeit setzt das Unternehmen alles daran, sogenannte Tier-2-Lieferanten in OSCA zu integrieren. Dabei geht es um die Fertigungsstufen „Weben“ und „Färben“. Doch Lohmann weiß, dass KiK alleine nur wenig ausrichten kann. Ihm wäre wichtig, dass die Branchengrößen an einem Strang ziehen. Die Firma engagiert sich daher im Bündnis für nachhaltige Textilien.

Nachdem OSCA mehr als sechs Jahre bei KiK im Einsatz ist, wurde der Informationsfluss erheblich beschleunigt. „Bis zu drei Wochen geht es heute schneller als vor der Softwareeinführung“, bilanziert Lohmann. Dank der Software konnten Ressourcen anderweitig eingesetzt werden. „Doch am wichtigsten ist der Zeitgewinn. Wenn ein Mangel in einer Fabrik gemeldet wurde, können wir sofort reagieren“, berichtet Lohmann. Ein weiterer Punkt: die Anbindung an andere Systeme. Bei KiK werden die Resultate der Audits über eine Schnittstelle aus OSCA direkt ins SAP-System eingespielt – darin ist zum Beispiel auf Knopfdruck eine Lieferantenbewertung möglich. tm

KiK

Die KiK Textilien und Non-Food GmbH ist ein Textildiscounter mit Sitz in Bönen (Nordrhein-Westfalen), der 1994 von Stefan Heinig und der Tengelmann-Gruppe gegründet wurde. Das Sortiment umfasst neben Bekleidung auch Geschenkartikel, Spielwaren, Beautyprodukte, Accessoires und Heimtextilien. Mit mehr als 26.000 Mitarbeitern und rund 3.800 Filialen in Deutschland, Österreich, Tschechien, Slowenien, Ungarn, Slowakei, Kroatien, Polen, Niederlande, Italien, Rumänien und Bulgarien erwirtschaftete das Unternehmen 2019 einen Nettoumsatz von 2,1 Milliarden Euro.

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Seite 34 bis 35 | Rubrik PROZESSE