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Studie zur Digitalisierung: Ganzheitlich radikal

Eine Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger will strategische Kernfragen zur Digitalisierung der Lieferkette im Handel und bei Logistikdienstleistern beantworten.

 Bild: Weissblick/Fotolia
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Therese Meitinger
Digitalisierung

Die Zukunft der Handelslieferkette ist radikal digital“, hat das Beratungsunternehmen Roland Berger seinen im November veröffentlichten Trend-Report überschrieben. Die Analysen, die dieser pointierten Überschrift auf 80 Seiten folgen, sollen vor allem eine ganzheitliche Betrachtung des Themas ermöglichen, an deren Ende Ansätze stehen, wie Retail-Unternehmen und Logistikdienstleister die Digitalisierung für sich nutzen können. „Wir haben die Studie sehr breit und umfassend angelegt“, erklärt Dr. Jens Kilimann, Partner bei Roland Berger, die Methodik hinter dem Trend-Report. Ab Februar dieses Jahres werteten er und sein Team Drittquellen und Studien aus, führten Interviews und Expertengespräche mit Retailern, Industrievertretern, Technologiescouts oder auf Digitalfragen spezialisierten Beratungsunternehmen.

Zunehmende Komplexität

In der Studie präsentieren sich die Ergebnisse in einem Dreiklang. Am Anfang stehen zunächst Herausforderungen, die sich aus der politischen und ökonomischen Makroebene sowie aus industrie- und handelsspezifischen Trends ergeben. Zu den Kräften, die den Status quo der Handelslieferkette bedrohen, zählt demnach eine wachsende Unsicherheit, die sich aus einer zunehmend unstabilen und unvorhersehbaren regulatorischen und politischen Landschaft ergibt. Auch der Klimawandel zahlt auf dieses Konto ein. Hinzu kommt eine vermehrte Komplexität im Gefolge von Omnichannel-Strategien oder wachsender Zulieferer-Netzwerke.

Kunden hingegen haben höhere Erwartungen, wollen sich nicht mehr zwischen Qualität und Nachhaltigkeit entscheiden müssen und setzen die dauerhafte Verfügbarkeit von Waren, Informationen und Dienstleistungen als gegeben voraus. Der Kostendruck hingegen verschärft sich durch Fachkräftemangel, Ressourcenknappheit, saturierte Märkte und eine abnehmende Bereitschaft, für ein Mehr an Service auch zu bezahlen.

In einem nächsten Schritt definiert die Studie eine „radikal digitale“ Lieferkette. Diese Supply Chain beschreibt acht sich aus diesen Treibern ergebende Paradigmenwechsel im digitalen Umfeld idealtypisch. So können in diesem Szenario Digitaltools etwa dazu beitragen, Datensilos zugunsten übergreifender vernetzter Strukturen aufzubrechen, die auf eine Single Source of Truth zurückgehen. An die Stelle der bisher eher sporadisch erfolgten strukturellen Optimierung von Geschäftsmodellen treten nun Verbesserungen in deutlich kürzeren Zeitabständen.

Das Paradigma „Von zentralen Feuerlöschern hin zur gleichförmigen autonomen Steuerung der Lieferkette“ zielt auf dezentral organisierte komplexe Lieferketten ab. So lässt sich deutlich zeitnaher auf Ad-hoc-Herausforderungen wie etwa das Wetter reagieren.

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An die Stelle von Produktsortimenten à la „One fits all“ tritt in der radikal digitalisierten Lieferkette der Trend zur Losgröße 1 im Rahmen der zunehmenden Individualisierung. Der diskrete Zugang zum Produkt ist hier einem kontinuierlichen gewichen.

Pick-up-Boxen mit Potenzial

Auch das Angebot auf der letzten Meile wird vielschichtiger. „Großes Potenzial sehen wir hier etwa in Pick-up-Boxen, die sich in Deutschland noch nicht so durchgesetzt haben, in die Unternehmen in Frankreich, Großbritannien oder den USA aber bereits stark investieren“, erläutert Jens Kilimann. Roboter, die bisher eher für Handlangeraufgaben eingesetzt wurden, können laut Studienerkenntnissen künftig zunehmend komplexe Tätigkeiten wie den Griff in die Kiste umsetzen. Zugleich entwachsen aus Return Flows – bisher ein eher ungeliebtes Kind des Handels – neue zirkuläre Dienstleistungsangebote.

Mit welchen Technologien lässt sich den Anforderungen der Digitalisierung Rechnung tragen? Auch diesen Aspekt untersucht der Trend-Report von Roland Berger. Die acht Trends wurden dazu mit Technologien aus dem Industrie-4.0-Umfeld gematcht: Was bringen Drohnen auf der letzten Meile, Blockchain-Lösungen für die Auflösung von Datensilos oder künstliche Intelligenz für die dezentrale Steuerung? „Dass man nicht nach dem Motto ,Viel hilft viel‘ alle Technologien blind nutzt, sondern ganz gezielt nach dem Best Fit sucht, ist sicher eine Herausforderung“, sagt Berater Kilimann. Unternehmen sollten nach seiner Ansicht einen maßgeschneiderten, strukturierten Transformationsprozess einleiten. Therese Meitinger

Nachgefragt bei Dr. Jens Kilimann, Partner bei Roland Berger

„In Sachen Digitalisierung herrscht eine grundsätzliche Orientierungslosigkeit“

Dr. Jens Kilimann, Partner bei Roland Berger mit den Schwerpunkten Supply Chain Management und Logistik, erklärt, wie Unternehmen die digitale Transformation in ihr Geschäft integrieren können und welche Technologien dabei besonders relevant sind.

LOGISTIK▶HEUTE◀: „Die Zukunft der Handelslieferkette ist radikal digital“ titelt der Trend-Report von Roland Berger. Was verbirgt sich dahinter?

Dr. Jens Kilimann:Unsere Kernthese ist, dass die Digitalisierung zwar in aller Munde ist, aber auch eine grundsätzliche Orientierungslosigkeit herrscht. In den Unternehmen wird viel diskutiert, wobei einzelne technologische Insellösungen dann ins Feld geführt und oft nicht passgenau umgesetzt werden. Wir haben versucht, das Thema etwas ganzheitlicher zu beleuchten. In einem Dreiklang haben wir uns erst gefragt, welchen externen Makrotrends Unternehmen ausgesetzt sind und was sich in den Branchen selbst tut. Daraus haben wir versucht abzuleiten, was das für die Supply Chain heißt: Wie lassen sich auf Basis der externen und internen Treiber technologische Lösungen in einem ganzheitlich strategischen Ansatz einsetzen und damit zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells nutzen?

▶ Wie können Unternehmen die digitalen Möglichkeiten in die eigene Organisation integrieren?

Wir haben einen Prozess definiert, der aus vier Kernschritten besteht: den Beschleunigungszyklus. Zunächst sollte man sich den eigenen Business-Kontext genau ansehen. Dabei geht es zum einen um die Anforderungen an das eigene Unternehmen aufgrund neuer technologischer Trends und zum anderen um die Herausforderungen durch das von Unsicherheiten geprägte Marktumfeld. Daraus gilt es systematisch die Implikationen für das eigene Supply Chain Design abzuleiten. Auf dieser Basis können dann eigene Strategien gegen State of the Art-Konzepte umgesetzt werden, die einen vom Markt positiv abheben können. Davon abgeleitet müssen sich die Unternehmen dann Technologien erarbeiten: Welche wird wirklich benötigt? Wie wirkt sie ganzheitlich auf meine Strategie? Sollte das notwendige Know-how im Unternehmen nicht vorhanden sein, muss auch auf externe Experten zurückgegriffen werden.

▶ Welche Technologien sind besonders relevant für den Handel und die Logistikdienstleistungen dahinter?

Big Data, Cloud-Plattformen und künstliche Intelligenz spielen bei einem Großteil der Paradigmenwechsel im Umfeld der Digitalisierung eine wichtige Rolle. Hier gilt es für Unternehmen die prioritären technologischen Fähigkeiten zu entwickeln. Andere Technologien lohnt es auf dem Radar zu haben. Zum Beispiel spielt autonomes Fahren in der Intralogistik eine Rolle, wo klassische Staplerflotten mehr und mehr durch AGVs oder Fleet-Management-Systeme abgelöst werden. Oder Robotic Process Automation (RPA), wo über künstliche Intelligenz zum Beispiel Standardprozesse im Kundenservice durch Stimmerkennung automatisiert werden.

Die Fragen stellte Therese Meitinger.

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Artikel Studie zur Digitalisierung: Ganzheitlich radikal
Seite 32 bis 33 | Rubrik PROZESSE
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