E-Commerce-Logistik: So automatisiert Active Ants seine Produktionslinie

Der niederländische E-Commerce-Fulfillment-Dienstleister Active Ants hat den Betrieb in seinem automatisierten Logistikzentrum in Dorsten aufgenommen. Dort ist kaum noch händische Arbeit zwischen Behälterlager und Verpackungsmaschine notwendig.

Das Logistikzentrum von Active Ants in Dorsten verfügtüber eine geschlossene Produktionslinie – vom Behälterlager bis zur Verpackungsmaschine. Bild: Active Ants
Das Logistikzentrum von Active Ants in Dorsten verfügtüber eine geschlossene Produktionslinie – vom Behälterlager bis zur Verpackungsmaschine. Bild: Active Ants
Gunnar Knüpffer
Expansion

Im Jahr 2018 beteiligte sich die Belgische Post mit 75 Prozent an dem niederländischen E-Commerce-Fulfillment-Dienstleister Active Ants. „Seitdem gibt es den Plan für die Expansion aus den Niederlanden heraus“, sagt Jeroen Duijts, General Manager von Active Ants.Das Management entschied sich, weitere Fulfillment-Center in Deutschland, Belgien und Großbritannien zu eröffnen. „Active Ants verfolgte das Ziel, mit seinem Konzept europaweit ein Netzwerk aufzubauen, um seinen Kunden im Bereich Carrier und Response die beste Servicequalität bieten zu können“, erläutert Duijts. Dazu gehörten auch Multi-Warehousing-Solutions, die sich Kunden häufig wünschten.

Bei der Planung des neuen Standorts in Deutschland bekamen Belgische Post und Active Ants Unterstützung durch die Deutsch-Niederländische Handelskammer sowie das Bundesland Nordrhein-Westfalen. Auch weil Active Ants eine Förderung für seine Investition in das Logistikzentrum erhielt, entschied sich der Anbieter für eine Logistikimmobilie in Dorsten im Norden des Ruhrgebiets.

Realisiert hatte das 2021 fertiggestellte Logistikzentrum das amerikanische Investment- und Entwicklungsunternehmen Hillwood. Mittlerweile hat das Investmentunternehmen CBRE aus Düsseldorf das Objekt gekauft. „Active Ants ist Mieter, weil wir unsere Investitionen eher in die Automatisierung und nicht in die Gebäude fließen lassen“, erläutert der General Manager.

Die zwölf Meter hohe Dorstener Immobilie besteht aus zwei Teilen, wobei das Unternehmen einen Teil mit einer Fläche von 10.000 Quadratmetern nutzt. Im Mezzanin bringt Active Ants dabei seine Büros unter.Im vierten Quartal 2021 konnte der Dienstleister die Lagerräume in Dorsten beziehen, ab 2022 beschäftigte er sich dann mit der Einrichtung der kompletten Automatisierungstechnik.

Mitarbeiter werden entlastet

„Unser Ansatz ist es, die Mitarbeiter in den Logistikzentren von schwerer Arbeit zu entlasten“, betont General ManagerDuijts. Diese müssten keine schweren Kartons tragen, denn autonomemobile Roboter (AMR) von Grey Orange bringen die Boxen vom Behälterlager zu der Verpackungsmaschine.

Active Ants hatte den Integrator Swisslog beauftragt, das Behälterlager von AutoStore zu errichten. Und bei den Verpackungsmaschinen setzte der Dienstleister auf Savoye, einen französischen Anbieter von automatisierten Logistiklösungen. Um die Umwelt zu schonen, werden die Verpackungen dabei der Größe des Inhalts angepasst, sodass wenig Luft verschickt wird. Zudem wird durch die Nutzung des AutoStore-Systems laut Unternehmen sechsmal weniger Platz benötigt als für ein herkömmliches Lager.

Zuletzt kümmerte sich Active Ants noch um die Brandschutzmaßnahmen, die durch das AutoStore-System notwendig geworden waren. Diese Anforderungen des Bauamts waren im Mai 2023 erfüllt, sodass das Behälterlager in Betrieb genommen werden konnte. Aktuell ist die erste Ausbaustufe des AutoStore-Lagers realisiert, die rund 20.000 Behälter umfasst. Damit kann Active Ants rund eine Million Sendungen im Jahr bearbeiten.

Im neuen Logistikzentrum in Dorsten ist nun ein Großteil der Prozesse vollautomatisiert. Es gibt eine geschlossene Produktionslinie: „Von der Einlagerung des Produkts bis zur automatischen Verpackung gibt es nur noch wenige menschliche Eingriffe, durch die Fehler entstehen könnten“, sagt Jeroen Duijts. „Damit liegen die Pickfehler und die Fehlerquote nahezu bei null.“

Die Arbeit sei für die Mitarbeiter leicht und angenehm. Zudem sei das Lager nahezu staubfrei, da sich alle Produkte in Behältern befinden. „Es werden keine klassischen Picker mehr benötigt“, erläutert Duijts, „an den Pickports stehen jedoch noch Mitarbeiter.“ Dadurch sei man sehr effizient und weniger abhängig vom Personal. Active Ants brauche aber nach wie vor viele Mitarbeiter, vor allem als Teamleiter sowie im technischen Bereich.

An allen Logistikstandorten des Fulfillment-Dienstleisters gibt es das gleiche Set-up bei der Intralogistik. „Damit können Kunden auf die gleiche Art und Weise in der Niederlanden, Belgien, Großbritannien und Deutschland bedient werden“, sagt Jeroen Duijts. „Alle Standorte lassen sich dabei mit einem von Active Ants selbstentwickelten Warehouse Management System namens Maya betreiben, was ein großer Vorteil ist. “Die Gründer John Lahaye und Jeroen Dekker hatten bereits 2015 ein AutoStore-System im Fulfillment-Bereich eingesetzt und es mit ihrem eigenen WMS Maya verknüpft. „Dieses System wurde über die Jahre immer mehr ausgebaut und passt nun perfekt“, meint der General Manager.

In Dorsten betreut Active Ants bereits den schwedischen Bekleidungshersteller Didriksons als Kunden. Für dieses Unternehmen, das Winterkleidung anbietet, bedient der Dienstleister den gesamten europäischen sowie den skandinavischen Markt. Ein deutscher Kunde ist die Firma Ryzon, die Triathlonkleidung offeriert und den deutschen Triathleten Jan Frodeno als Entwicklungspartner hat.

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Allerdings kann Active Ants in dem Zentrum keine sperrigen Produkte wie Gartenmöbel verpacken und versenden, weil dafür die Automatisierungslösung nicht geeignet ist. Deshalb sucht der Dienstleister Kunden mit kleineren Artikeln – zum Beispiel im Kosmetik-, im Food-Supplement- und im Elektronikbereich, deren Produkte sich effizient im AutoStore-Lager aufbewahren lassen. „Dadurch sind wir weniger abhängig von Volumenschwankungen“, erklärt Jeroen Duijts.Bald wird auf dem Dach des Standorts noch eine Fotovoltaikanlage installiert, um unabhängig bei der Stromversorgung zu werden. In seinen Centern in Holland und England nutzt Active Ants bereits diese Form der Stromproduktion.

AutoStore ist ausbaubar

Künftig lässt sich die Größe des AutoStore-Lagers in einer zweiten Ausbaustufe auf 40.000 Behälter verdoppeln. Eine dritte und letzte Erweiterungsstufe würde die Zahl der Behälter auf 80.000 erhöhen, sodass der Fulfillment-Dienstleister rund vier Millionen Sendungen im Jahr bereitstellen kann. „Damit gelangen wir an unsere Grenzen an diesem Standort in Dorsten“, erläutert Duijts.

„Wenn wir gemäß unserem Businessplan wachsen, werden wir 2024 die Ausbaustufe zwei realisieren und eineinhalb Jahr später die Stufe drei“, kündigt der General Manager an. Es könne jedoch sein, dass eine Stufe früher umgesetzt wird, wenn der Dienstleister zwei, drei neue Kunden oder Projekte gewinnt. Wachse das Unternehmen noch schneller, lasse sich auch gleich die Ausbaustufe drei realisieren.

„Das ist ein Vorteil, wenn man ein Tochterunternehmen der Belgischen Post ist, die große Summen investieren kann“, meint Duijts. Am 21. August übernahm die Belgische Post noch die restlichen 25 Prozent an Active Ants. guk

Active Ants

Active Ants wurde 2010 mit der Idee gegründet, E-Fulfillment durch Innovation, Automatisierung und die Arbeit mit Robotern genauer und effizienter zu machen. Inzwischen ist Active Ants zu einem der größeren Akteure in den Niederlanden mit über 250 Kunden und mehr als fünf Millionen Bestellungen pro Jahr herangewachsen.

Der Hauptsitz von Active Ants befindet sich in Nieuwegein in den Niederlanden und der E-Fulfillment-Dienstleister hat vier weitere Niederlassungen: in Roosendaal (Niederlande), Willebroek (Belgien), Dorsten (Deutschland) und Northampton (Vereinigtes Königreich). Dabei beschäftigt das Unternehmen rund 350 fest angestellte Mitarbeiter. Die Zahl der Zeitarbeitskräfte und Selbstständigen beträgt für alle Niederlassungen zusammen zwischen 100 und 150 (je nach Zeitraum im Jahr).

Seit 2018 ist Active Ants Teil der Bpostgroup. Am 21. August 2023 wurde Bram Blondé CEO von Active Ants und Dirk van Roy COO. Sie sind damit die Nachfolger der Gründer Jean Lahaye und Jeroen Dekker.

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Seite 14 bis 15 | Rubrik PROJEKTE