Analyse: Echtzeit-IT im Realitätscheck

Welchen Stellenwert die Echtzeit-IT in der Logistik einnimmt und wie der Einsatz solcher Anwendungen in der Unternehmensrealität aussieht, haben Inform und LOGISTIK HEUTE in einer Umfrage untersucht.

Jederzeit transparent und handlungsfähig: So stellen sich Logistikmanager den Einsatz von Echtzeit-IT vor. Bild: ipopba/AdobeStock
Jederzeit transparent und handlungsfähig: So stellen sich Logistikmanager den Einsatz von Echtzeit-IT vor. Bild: ipopba/AdobeStock
Matthias Pieringer
Studie

Auf Knopfdruck fährt ein Lkw am anderen Ende des Landes los. Als er in einen Stau gerät, leuchtet sofort eine Warnung bei dem Disponenten auf. Nahezu gleichzeitig errechnet ein System eine neue Rampenbelegung für den neuen Ankunftstermin. Jederzeit transparent und handlungsfähig: So oder so ähnlich stellen sich Logistikmanager den Einsatz mit in Echtzeit arbeitender IT vor, die den Betrieb von informationstechnischen Systemen kennzeichnet, die innerhalb kürzester Zeit zuverlässig bestimmte Ergebnisse liefert. Und das ist ihnen wichtig: So gut wie alle der 307 Teilnehmer (98 Prozent) der Umfrage von Inform und LOGISTIK HEUTE (siehe Kasten) halten Echtzeit-IT in der Logistik für sehr wichtig oder eher wichtig. Insgesamt 89 Prozent erachten Echtzeitanwendungen für entscheidend, um in Problemsituationen besser reagieren zu können.

Geht es jedoch darum, wie viele Unternehmen bereits Echtzeit-IT für ihre Logistikprozesse in der Praxis nutzen, geben lediglich 26 Prozent der Befragten an, heute schon konkrete Echtzeitanwendungen implementiert zu haben. Die Hälfte aller Teilnehmer haben den Schritt noch nicht gewagt. Weitere 26 Prozent sind sich unsicher. Von den Unternehmen, die Echtzeit-IT bereits in der Praxis einsetzen, nutzen die meisten es für Tracking&Tracing-Prozesse (17 Prozent) sowie im Bestandsmanagement (14 Prozent). Beliebt sind Anwendungen zudem in der Kommissionierung (13 Prozent), im Ordermanagement (zwölf Prozent), in der Tourenplanung (elf Prozent) und bei der innerbetrieblichen Transportsteuerung (neun Prozent).

Noch viele Hürden

Wie kommt es jedoch, dass Echtzeit-IT trotz der hohen Wertschätzung erst nach und nach Einzug in die Logistik- und Supply-Chain-Prozesse der Unternehmen findet? Die Umfrageergebnisse zeigen, dass den Befragten noch viele Hürden im Weg stehen. Über die Hälfte der Teilnehmenden sehen hohe Kosten (65 Prozent) sowie Schnittstellen zwischen Softwarelösungen (51 Prozent) als Problemfaktoren an. Neben der schwierigen Umsetzung (45 Prozent) wird eine unzureichende IT-Infrastruktur (40 Prozent) sowie das fehlende Know-how in Unternehmen (40 Prozent) häufig kritisiert.

Dennoch erkennt der Großteil der Befragten das Potenzial der Anwendungen, wenn es darum geht, die logistischen Prozesse mit Echtzeit-IT auszustatten. So sehen die Befragten viele Vorteile von Echtzeitanwendungen: Die schnellere Reaktionszeit wird in 70 Prozent aller Fälle als wichtigster Vorteil gesehen, gefolgt von einer höheren Transparenz (50 Prozent) und einer zunehmenden Kundenzufriedenheit (47 Prozent). Kosteneinsparungen (45 Prozent), der bessere Informationsaustausch (32 Prozent), eine gesteigerte Zuverlässigkeit (31 Prozent) sowie eine höhere Kapazitätsauslastung (30 Prozent) wurden ebenfalls häufig genannt.

Auch Studienteilnehmer Thorsten Büschgens, Leiter Supply Chain Management bei Actega Rhenania GmbH, beschreibt den Mehrwert, den Echtzeit-IT in der Logistik bietet, mit einem Beispiel: „Mit unserem innerbetrieblichen Leitsystem von Inform wissen wir immer, wo sich unser Material gerade befindet und können bei Bedarf die Prioritäten ändern und manche Transporte beschleunigen.“ Der Anbieter von Speziallacken, Druckfarben, Klebstoffen und Dichtungsmassen optimiert seit 2017 seine innerbetriebliche Transportlogistik mit einem algorithmisch arbeitenden Transportleitsystem. Die Software vergibt dabei in Echtzeit jeden Transportauftrag an den jeweils geeigneten Stapler, was zu einer besseren Auslastung der Stapler, einer bedarfsgerechten Versorgung und vollständiger Transparenz über das Transportnetzwerk führt.

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Fit für das Lieferkettengesetz: Mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungskette

Von den Unternehmen, die in Echtzeit arbeitende Systeme derzeit noch nicht in der Logistik nutzen, planen lediglich 14 Prozent diese in den nächsten zwölf Monaten zu implementieren, während 46 Prozent noch unentschlossen sind. 40 Prozent können sich gar nicht vorstellen, Echtzeitanwendungen in der nächsten Zeit einzuführen.

Dennoch: 88 Prozent sind davon überzeugt, dass Unternehmen, die heute Echtzeit-IT in der Logistik nutzen, in fünf Jahren deutlich besser (33 Prozent) beziehungsweisebesser (55 Prozent) am Markt positioniert sein werden. Zehn Prozent glauben an eine unveränderte Position, doch niemandem scheint die Investition komplett vergeblich.

Nachhaltige Aspekte wichtig

Die Umfrageteilnehmer durften auch frei Wünsche zu Echtzeitanwendungen für ihre Logistikprozesse äußern. Die vielfältigen Antworten der Fach- und Führungskräfte aus dem Logistik- und Supply-Chain-Bereich betrafen etwa zusätzliche Tracking&Tracing-Möglichkeiten einzelner Prozesse während des gesamten Produktionsprozesses. Weiterhin besteht der Wunsch nach Echtzeiteffekten bei der EDI-Integration von Geschäftspartnern als Basis für die weitere Digitalisierung im Supply Chain Management. Auch die Unterstützung nachhaltiger Aspekte wie eine Echtzeitberechnung von CO2-Emissionen je Lieferung basierend auf realen Daten sowie einer echten, ganzheitlichen Nachverfolgbarkeit von sozialen und Umweltfaktoren in der Supply Chain stehen auf der Wunschliste. mp

Über die Umfrage

An der diesjährigen Umfrage „Echtzeit-IT in der Logistik“ des Aachener Softwareunternehmens Inform GmbH und von LOGISTIK HEUTE nahmen 307 Mitarbeitende und Führungskräfte aus dem Logistik- und Supply Chain Management-Bereich von Unternehmen unterschiedlicher Branchen teil. 60 Prozent der Befragten stammen aus produzierenden Industrien wie dem Maschinen- und Anlagenbau, dem Baustoff-, Automobil-, Stahl-, Chemie-, Pharma-, Konsumgüter- und Lebensmittelbereich sowie sonstigen Erzeugnissen. Im Transport- und Speditionswesen arbeiten rund neun Prozent. 15 Prozent beziehungsweise 14 Prozent gehören dem Handel oder sonstigen Branchen an. Unter den Befragten befinden sich zu 96 Prozent Vertreter von Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland, die bis zu zehn Mitarbeiter (neun Prozent), 100 (26 Prozent), 500 (13 Prozent), 1.000 (13 Prozent) oder mehr als 1.000 Mitarbeiter (24 Prozent) beschäftigen.

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Seite 50 bis 51 | Rubrik PROGNOSEN
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