HANNOVER MESSE: Digital klimaneutral

CO2-neutrale Produktion, künstliche Intelligenz, Wasserstofftechnologien, Energiemanagement und Industrie 4.0 sind die Fokusthemen der HANNOVER MESSE 2023 vom 17. bis 21. April.

Stellten Schwerpunkte der HANNOVER MESSE 2023 vor (v. l. n. r.): Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe, Dr. Nina Gaißert, Corporate Portfolio Projects beiFesto, und Eko S.A. Cahyanto, Director Generalof Resilience, Region and International Industrial Access Development, Ministry of Industry, RepublikIndonesien. Bild: Deutsche Messe
Stellten Schwerpunkte der HANNOVER MESSE 2023 vor (v. l. n. r.): Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe, Dr. Nina Gaißert, Corporate Portfolio Projects beiFesto, und Eko S.A. Cahyanto, Director Generalof Resilience, Region and International Industrial Access Development, Ministry of Industry, RepublikIndonesien. Bild: Deutsche Messe
Therese Meitinger
Messe

Endlich wieder Messegeschehen, endlich wieder Wettbewerb“, zeigte Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG, am 15. Februar in Hannover seine Vorfreude. Die Deutsche Messe hatte zur Presse-Preview für die HANNOVER MESSE 2023 geladen, die in diesem Jahr vom 17. bis 21. April ausgerichtet wird. Rund 120 Journalisten waren in die niedersächsische Landeshauptstadt gereist, weitere verfolgten die Pressekonferenz im Livestream.

Im vergangenen, von der Coronapandemie geprägten Jahr kamen rund 75.000 Besucher und 2.500 Aussteller nach Hannover. Ob die HANNOVER MESSE 2023 den deutlichen Besuchereinbruch aus dem Vorjahr gegenüber der letzten Vor-Corona-Ausgabe 2019 wohl wieder wettmachen kann? In der Pressekonferenz stellte Köckler auf jeden Fall eine „Olympiade der Innovationen“ in Aussicht. CO2-neutrale Produktion, künstliche Intelligenz, Wasserstofftechnologien, Energiemanagement und Industrie 4.0 sollen dazu als Kernthemen der Industriemesse inspirieren. „Nur im Zusammenspiel dieser Technologien wird es gelingen, unseren Wohlstand nachhaltig zu sichern und gleichzeitig den Klimaschutz voranzutreiben“, zeigte sich der Messechef überzeugt. Er ist sicher, dass in diesem Jahr – anders als 2022 – auch wieder mehr internationale Aussteller und Besucher kommen. Zuletzt habe auch die Nachfrage aus China wieder deutlich angezogen.

Köckler kündigte auf der Preview zudem das Datenökosystem „Manufacturing X“ an, das am Wertschöpfungsprozess beteiligten Unternehmen einen erleichterten Datenaustausch erlauben soll. Am Projekt sind die Wirtschaftsverbände BDI, VDMA und ZVEI sowie das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz beteiligt. Köckler: „Ziel ist es, die Souveränität der Unternehmen zu erhalten, den Zugang zur Kundenschnittstelle nicht zu verlieren und dennoch die Potenziale der Plattformökonomie zu erschließen.“

Potenziale zu erschließen ist aus Sicht der Messemacher auch mit Blick auf Technologien der künstlichen Intelligenz geboten, die in der produzierenden Industrie in der Simulation und Produktentwicklung eine immer größere Rolle spielt. Besucherführungen, Foren und Präsentationen sollen auf der diesjährigen Industriemesse unter anderem die Potenziale der sogenannten generativen KI beleuchten, die etwa beim Entwerfen von Maschinen unterstützen kann.

Mit „grünem“ Wasserstoff schreibt die Messe einen Schwerpunkt der letztjährigen Veranstaltung fort – und verstärkt ihn: Mehr als 500 Unternehmen wollen in diesem Jahr Lösungen für den Transport, die Herstellung oder die Nutzung von grünem H2 zeigen.

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„Indonesien ist das am längsten amtierende Partnerland in der Geschichte der HANNOVER MESSE“, leitete Eko S.A. Cahyanto, Director General of Resilience, Region and International Industrial Access Development, Ministry of Industry, Republik Indonesien, seinen Vortrag ein. Bereits bei der rein digitalen Ausgabe der Messe 2021 war die größte Wirtschaftsmacht in der ASEAN-Region Partnerland, 2023 stellt sie unter dem Motto „Making Indonesia 4.0“nun direkt in der Leinestadt Konzepte für Digitalisierung, Klimaneutralität und die Kreislaufwirtschaft vor. 150 indonesische Unternehmen werden im April in Hannover mit vor Ort sein. „Bis 2030 möchte Indonesien eine der zehn größten Volkswirtschaften der Welt sein“, so Cahyanto. „Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung soll bis dahin 51,6 Prozent am Gesamtzubau ausmachen.“

Natur in Technologie integriert

Die Biologin Dr. Nina Gaißert ist bei Festo (auf der HANNOVER MESSE in Halle 7, Stand D31 vertreten) Expertin für industrielle Biologisierung – und betreut unter anderem die Bionik-Projekte des Automatisierers. „Die Herausforderung der CO2-Reduzierung ist so groß, dass es nicht mehr nur reicht, von der Natur zu lernen – wir müssen die Natur auch in die Technologie integrieren“, sagte Gaißert mit Blick auf das neue Nachhaltigkeitsprojekt von Festo, nämlich die „PhotoBionicCell“. Dabei handelt es sich um einen Bioreaktor, der unter kontrollierten Bedingungen Algen produziert, die zehnmal mehr Kohlendioxid aufnehmen als Landpflanzen. Bei der Konditionierung der Algen kommt unter anderem KI zum Einsatz. Außerdem soll sich der in der Fotosynthese neben Sauerstoff entstandene Zucker als Plastikersatz nutzen lassen. Besucher der Preview konnten sich in einer Ausstellung ein Bild davon machen.

Mit rund 4.000 ausstellenden Unternehmen rechnet die Deutsche Messe im April: Großunternehmen, aber auch Mittelständler aus dem Maschinenbau, der Elektro- und Digitalindustrie sowie der Energiewirtschaft. 300 Start-ups sollen in Hannover vertreten sein; Forschungsspezialisten wie das KIT (Halle 17, Stand A62) und die Fraunhofer-Gesellschaft (Halle 16, Stand A12) komplettieren das Bild. Auf der Preview gaben stellvertretend 25 Aussteller schon einmal einen Vorgeschmack zu ihrem Messeportfolio.

Auf der Ausstellung omnipräsent: das Industrial Metaverse – unter anderem beim Kölner Energiekettenspezialisten Igus (Halle 6, Stand E26). Dieser hat eine virtuelle Umgebung entworfen, in der Interessierte als Avatare ortsunabhängig mit Experten zusammenkommen können, um etwa Energieketten oder Cobots des Anbieters auszuprobieren. Der Einstieg in das „Iguversum“ funktioniert dabei über eine Virtual-Reality(VR)-Brille.

Der Ismaninger Extended Reality (XR)-Anbieter Holo-Light (Halle 17, Stand F71) ging eine Stufe weiter: Er offeriert eine Kombination von Augmented Reality (AR)- und VR-Brillen, die etwa bei der Planung logistischer Anlagen unterschiedliche Zugänge zum virtuellen kollaborativen Raum erlaubt. Während die entwickelnden Ingenieure mit AR-Brillen wie „AR 3S“ im Planungsprozess die reale Umgebung mit Simulationen verschmelzen können, reicht für das Management für einen ersten Eindruck eine rein virtuelle Umgebung aus.

Exoskelett entlastet Rücken

Bei Ottobock standen Exoskelette im Fokus: Nicola von Tippelskirch, Global Ergonomic Specialist, und David Duwe, Vice President,beide bei Ottobock Bionic Exoskeletons Europe, hatten unter anderem das Modell „Ottobock BackX“ mitgebracht, das sich besonders an Mitarbeiter in der Logistik richtet, die manuell Lasten bewegen und dabei flexibel einsetzbar bleiben müssen. Das Exoskelett reduziert Firmenangaben zufolge die Belastung des unteren Rückens im Hebeprozess um rund 60 Prozent. Doch der Einsatz der Hilfen erfordert mitunter Überzeugungsarbeit: „Oft ist es so, dass etwa in Logistikzentren ein Drittel der Fachkräfte sehr aufgeschlossen ist, ein zweites Drittel sich von Effizienzsteigerungen überzeugen lässt und ein Drittel der Mitarbeiter Exoskelette für sich ausschließt“, schilderte von Tippelskirch. Ottobock wird auf der HANNOVER MESSE 2023 am Stand A 28/1 in Halle 7 zu finden sein.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bringt verschiedene Projekte nach Hannover mit: Gezeigt wird unter anderem „TEMPUS“, ein Platooning-Demonstrator für automatisierte Busse im Münchener Stadtverkehr, zu dem das Team um Institutsleiter Prof. Dr. Eric Sax forscht. „Die Telemetrien, die wir dafür entwickeln, lassen sich perspektivisch aber auch auf Lkw übertragen“, sagte Sax.

Beim Würzburger Start-up Emqopter (HANNOVER MESSE 2023: Halle 16, Stand F04/1) bahnte sich aus logistischer Perspektive Hochspannendes an. Maximilian Steppan, Customer and Product Support, und Geschäftsführer Dr. Nils Gageik, hatten schließlich den Demonstrator für eine Lieferdrohne im Gepäck, die sich mit einem AMR kombinieren lässt, der sie automatisiert entlädt.

Aus Hannover berichtet Therese Meitinger.

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Seite 60 bis 0 | Rubrik PROGNOSEN