LOGISTIK HEUTE-Forum: Für zukunftssichere Fashionlogistik

Ein digitales LOGISTIK HEUTE-Fachforum im Februar drehte sich darum, wie Unternehmen im Fashionbereich ihre Logistik krisenfest ausrichten können.

 Bild: Nicole Taionescu/stock.adobe.com
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Matthias Pieringer
Forum

Die Herausforderungen in Chancen verwandeln und die wichtigen Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Blick behalten: LOGISTIK HEUTE diskutierte am 22. Februar im Rahmen des digitalen Fachforums „Zukunftssichere Fashionlogistik: Marktveränderungen produktiv nutzen“, wie sich Hersteller, Händler und Logistikverantwortliche der Modebranche für die Zukunft aufstellen können.

Zur Begrüßung griff LOGISTIK HEUTE-RedakteurinSandra Lehmann als Moderatorin der Veranstaltung die volatilen Marktbedingungen und die gesunkene Kauflust der Konsumenten auf. So spiegelte sich die geringere Ausgabebereitschaft laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) 2023 erneut in deutlich gesunkenen Gesamtumsätzen im deutschen E-Commerce wider. Das Warencluster Bekleidung musste dabei einen Umsatzrückgang von rund 13 Prozent auf 18,52 Milliarden Euro verkraften.

Thomas Chuchra-Welzel, Trendscout und Leitung Nachhaltigkeitsmanagement bei der Rabe Fashion Group, berichtete auf der virtuellen Bühne über Nachhaltigkeit und die ZNU-Zertifizierung des Modeanbieters. Der Damenbekleidungsanbieter Rabe Moden hat als erstes Fashionunternehmen das Zertifikat „ZNU-Standard Nachhaltiger Wirtschaften“ erhalten. Vertreter des Zentrums für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) an der Universität Witten/Herdecke hatten der Geschäftsführung im Januar das Dokument übergeben.

Ganzheitlich vorgehen

Wie Chuchra-Welzel erläuterte, sei der Antrieb für das Engagement der Wunsch nach einer ganzheitlichen Herangehensweise an das Thema Nachhaltigkeit gewesen. Er beschrieb den 2022 gestarteten Weg zur Zertifizierung nach dem Nachhaltigkeitsstandard, bei dem es sich nicht um einen Berichtsstandard, sondern um einen Managementansatz handelt.

Um die Kreislaufwirtschaft als Zukunftsmodell für die Fashionbranche drehte sich Natalie Fohrers Vortrag. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Center Textillogistik der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach sprach über „Kreislauffähige Rückführlogistik von Bekleidung als Zukunftsstrategie für den Modehandel“ und berichtete dabei über das Projekt „RE3Tex – Strukturelle Veränderungen für zirkuläres Wirtschaften in der Textil- und Bekleidungsindustrie am Beispiel einer modellhaften Umsetzung“. Forschungshintergrund des durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekts seien die geplanten Richtlinien der EU basierend auf dem European Green Deal. Dazu zähle zum Beispiel die Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, erklärte sie.

Im Rahmen des Projekts RE³Tex entstand ein multimediales Handbuch zur Aufbereitung und Verwertung als gezielte Strategien für die Rückführung von Textilien. Das Handbuchrichtet sich an Bekleidungshersteller und Händler sowie Verbraucher und ist auf der Website der Hochschule Niederrhein als kostenloses Download erhältlich. In der Publikation erklären Fohrer und ihre Kollegen unter anderem, wie die textile Wertschöpfungskette aktuell linear verläuft und wie es in einem kreislauffähigen System wäre.

Wie kann kreislauffähige Rückführlogistik von Bekleidung eine Zukunftsstrategie für den Modehandel sein? Zunächst sei es wichtig, ein passendes Rücknahmesystem auszuwählen, stellte Fohrer fest. Die Rückgabeoption gelte es, gegenüber den Endkunden zu kommunizieren. Die Rückführlogistik könne man zunächst an ein bestehendes Retourenkonzept anlehnen. Auch Marketingvorläufe müssen der Wissenschaftlerin zufolge unbedingt berücksichtigt werden. „Was wir auch gelernt haben im Rahmen des Projekts: Dass bei Bekleidungsartikeln eine Menge von mindestens 500 Kilogramm zusammenkommen muss, um eine Maschine für mechanisches Recycling gut auslasten zu können.“

Mit KI und Robotik und wie diese Innovationstreiber in der Logistik werden können, beschäftigten sich Stefan Drieschner, Circle Lead for Robotics, Otto Group, und sein Kollege Tomek Pauer, Projektleiter Supply Chain. Wie Drieschner erläuterte, ermöglicht Robotik Produktionen in Hochlohnländern mit Fachkräftemangel, da der Personaleinsatz kompensiert wird, und erhält somit die Wettbewerbsfähigkeit. Der demografische Wandel verringere den Pool an verfügbaren Fachkräften am deutschen Arbeitsmarkt und führe potenziell zu einem Personalmangel in der Otto Group, sagte Driescher. Aus der Kundenperspektive ergeben sich nach seinen Worten durch Robotik gleichbleibende oder bessere Lieferzeiten, weiterhin kurze Bearbeitungszeiten in der Retourenabwicklung und das Produktionsniveau lässt sich halten beziehungsweise perspektivisch steigern. „Durch Robotik können wir auf die Kundenzufriedenheit weiter einzahlen.“

Sein Kollege Tomek Pauer ging auf die strategischen Partnerschaften ein, welche die Otto Group mit Robotikunternehmen geschlossen hat – nämlich für die stationäre Robotik mit Covariant, und für die mobile Robotik mit Boston Dynamics.

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Etikettendrucker für Lager und Logistik

Die Zukunft der Lagerhaltung: Chancen und Vorteile der Lagerrobotertechnik

Zur Podiumsdiskussion über aktuelle Herausforderungen in der Fashionlogistik versammelte Moderatorin Lehmann auf der virtuellen Bühne Tim Diefenbach, Manager bei der PwC GmbH WPG, Friedrich-Wilhelm Düsing, Geschäftsführender Gesellschafter bei Metroplan, und Benjamin Putz, Senior Sales Executive beim Lagerrobotikanbieter Exotec Deutschland. PwC-Experte Diefenbach wies in der Diskussionsrunde unter anderem darauf hin, dass Unternehmen eine gute Balance erreichen müssten zwischen klassischen Optimierungshebeln wie Kosten, Beständen oder Service. „Resilienz muss in der Entscheidungsfindung und in der Bewertung von Projekten und Maßnahmen ganz klar einen Platz finden“, erläuterte Diefenbach. Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen sei eines der Kernthemen, „das man aus einer Supply-Chain-Perspektive strategisch behandeln muss“. Unternehmen sollten bei Entscheidungen sowohl die operationale als auch die strategische Resilienz beachten.

Sich krisenfest aufstellen

In der zweiten Forumsrunde machte Metroplan-Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Düsing mit seinem Vortrag den Anfang und stellte einen strategischen Leitfaden vor, derdabei helfen soll, die Logistik krisenfest zu machen. Dabei betonte Düsing vier elementare Aspekte: Operational Excellence (Synergien durch ein nahtloses Zusammenspiel aller Geschäftsbereiche fördern) Kostentransparenz (unternehmensinterne Leistung durch strategische Datenauswertung steigern) Automatisierung und Robotik (am Puls der Zeit bleiben und dabei die Flexibilität der Logistik steigern) Nachhaltigkeit (Standorte optimieren, um Ressourcen effizient zu nutzen).

Marcel Hertwig, Business Development Manager bei Salesupply, sprach über „Strategisches Fulfillment und smarte Retouren: Erfolgreiche Risikoverteilung im internationalen E-Commerce“. Der Vortrag von Exotec-Fachmann Benjamin Putz und Maik Rümmler, Projektmanager Vertrieb beim Intralogistikunternehmen Klinkhammer, befasste sich mit dem Thema „Jack& Jones, Only und Vero Moda: Bestseller setzt auf das Fashion-Lager der Zukunft“.

Über die zukunftsorientierte Ausrichtung der Supply-Chain-Strategie bei Fynch-Hatton informierte Patrick Lamertz, Head of Supply Chain des Modeunternehmens, die Forumsteilnehmer. Als aktuelle Herausforderungen im Modehandel nannte er die allgemein angespannte Marktsituation, den Fachkräftemangel sowie die Instabilität der globalen Lieferketten. Lösungsansätze, um diese Herausforderungen zu adressieren, sind aus Sicht von Lamertz die Erhöhung der Crossdock-Anteiligkeit in der Logistik, das Nutzen neuer Import-Services, die Rückkehr zum „Nearshoring“ sowie die Steigerung des Digitalisierungsgrades.

Matthias Pieringer

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Seite 50 bis 51 | Rubrik PROGNOSEN